Minus von 52 Millionen Euro bis 2024 erwartet

Kliniken: Landkreis Kassel droht Millionen-Defizit

Die Kreisklinik Wolfhagen aus der Luft.
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Großer Vertrauensvorschuss in die Betriebsleitung: In den nächsten Jahren wird sich zeigen, wie sich die Defizite in den Kliniken Wolfhagen (Bild links) und Hofgeismar auffangen oder zumindest abfedern lassen.

Der Eigenbetrieb des Landkreises Kassels für die Kliniken in Hofgeismar und Wolfhagen wird in den nächsten Jahren ein Millionen-Defizit einfahren. Dennoch war die Debatte im Kreistag weitgehend von Optimismus geprägt.

Kreis Kassel – Der Eigenbetrieb Kliniken des Landkreises Kassel wird in den Jahren 2020 bis 2024 ein Minus in Höhe von über 52 Millionen Euro hinnehmen müssen. Das geht aus dem jetzt einstimmig beschlossenen Wirtschaftsplan für die beiden Klinikstandorte Hofgeismar und Wolfhagen hervor.

Der Landkreis Kassel hatte zum 1. August 2020 von der Kreiskliniken Kassel GmbH den Krankenhausbetrieb der Standorte Hofgeismar und Wolfhagen für 2,4 Millionen Euro mitsamt aller Vermögenswerte, Sonderposten und Schulden übernommen. Aktuell ist die Leitung des Eigenbetriebs Kliniken des Landkreis Kassel damit beschäftigt, einen Überblick über den aktuellen Status zu bekommen sowie auf Basis vorhandener Ressourcen strategische Neuausrichtungen vorzubereiten und weitere Entwicklungsmöglichkeiten auszuloten.

Im Zuge der Kreistagssitzung am Mittwoch kritisierte vor allem die AfD-Fraktion die Entscheidung, die Kliniken in Hofgeismar und Wolfhagen unter diesen Voraussetzungen übernommen zu haben. „Wenn wir uns die Zahlen anschauen, ist keineswegs sicher, dass wir den Betrieb der beiden Klinikstandorte künftig finanziell in den Griff bekommen“, sagte AfD-Fraktionsmitglied Helmut Glas.

Landrat Uwe Schmidt (SPD) räumte ein, dass es sich bei dem 52 Millionen Euro-Defizit tatsächlich um eine sehr hohe Summe handele. Eine gute Ausgangslage sei aber von vorn herein nicht zu erwarten gewesen. Tatsächlich habe die Gesundheit Nordhessen als Mutter der Kreiskliniken Kassel GmbH sehr lange gebraucht, um Schlüsseldaten zur wirtschaftlichen Gesamtsituation der beiden Kliniken zu übermitteln. „Bis heute fehlen uns Informationen“, sagte Schmidt. So könne bis heute kein stichhaltiger Stellenplan für die aktuell etwa 380 beschäftigten Klinikmitarbeiter aufgestellt werden. „Dennoch sei es nun Aufgabe, jetzt Lösungen zu finden, statt gleich wieder die Notbremse zu ziehen“, sagte Uwe Schmidt an die AfD gewandt.

Großer Vertrauensvorschuss in die Betriebsleitung: In den nächsten Jahren wird sich zeigen, wie sich die Defizite in den Kliniken Wolfhagen und Hofgeismar (Bild) auffangen oder zumindest abfedern lassen.

In puncto Stellenplan hakte jedoch die CDU gleich nach. Ein lückenloser Stellenplan mitsamt aller Vergütungsgruppen aus allen Fachabteilungen der Kliniken sei elementar, um die notwendige Kontrolle über die Personalkosten zu haben, erklärte der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Mock. Personaldaten seien unerlässlich bei der Risiko-Früherkennung, ergänzte seine CDU-Kollegin Birgit Kaiser-Wirz. „Alles andere wäre nur ein Blindflug.“ Schmidt kündigte an, einen Stellenplan für das laufende Geschäftsjahr 2020 vorlegen zu können.

Thomas Gudehus von den Grünen verteidigte die Position des Landrats. „Dass wir hier kein lukratives Start-up-Unternehmen haben, ist völlig klar. Und natürlich tragen wir jetzt ein Risiko.“ Medizinische Daseinsvorsorge sei aber nicht zum Nulltarif zu bekommen. „Bei einem Kreisjahreshaushalt in Höhe von rund 300 Millionen Euro dürften die jährlich anfallenden 8 bis 12 Millionen Euro-Defizite bis 2024 aber aufzufangen sein“, sagte Thomas Gudehus.

SPD-Fraktionsmitglied Stefan Denn sprach von einem großen Vertrauensvorschuss für den Landrat und die Betriebsleitung. „Der Wirtschaftsplan ist ungeschminkt. Es wird klar, was uns das alles kosten wird. Aber dennoch muss uns eine zuverlässige Gesundheitsversorgung auch auf dem Land wichtig bleiben.“ Klaus Albrecht von der Linken-Fraktion unterstützte diese Position: „Gesundheit darf keine Ware, sondern muss Verpflichtung sein.“ (Boris Naumann)

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