Karten zeigen Risiken auf

Kommunen setzen bei Hochwasserschutz auf Pläne des Landes Hessen

So sah es Anfang Juli in Helsa-Eschenstruth aus: Nach Starkregen im Osten Kassels war unter anderem der Bach Männerwasser über die Ufer getreten. Auch Kaufungen war von Hochwasser betroffen. Kurz davor liefen zahlreiche Keller in Söhrewald und Lohfelden voll. Archivfoto: Jürgen Fasold
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So sah es Anfang Juli in Helsa-Eschenstruth aus: Nach Starkregen im Osten Kassels war unter anderem der Bach Männerwasser über die Ufer getreten. Auch Kaufungen war von Hochwasser betroffen. Kurz davor liefen zahlreiche Keller in Söhrewald und Lohfelden voll.

Die Bilder von der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal sind bei vielen noch präsent. Seitdem ist die Diskussion um den Hochwasserschutz in den Kommunen mehr in den Fokus gerückt. Um ein solches Szenario wie im Westen Deutschlands zu verhindern, macht Vellmar nun einen ersten Schritt. Der Magistrat wurde beauftragt, eine Starkregengefahrenkarte erstellen zu lassen.

Kreis Kassel – Aktuell fördert das Land Hessen das Erstellen einer Analyse mit bis zu 100 Prozent. Allerdings darf diese laut Bürgermeister Manfred Ludewig (SPD) maximal 100 000 Euro kosten. Laut einer ersten Kalkulation der Stadtwerke gehe die Stadt von Kosten von etwa 200 000 Euro für das Erstellen einer Starkregengefahrenkarte aus.

„So etwas braucht jede Kommune“, sagt der Vellmarer Verwaltungschef. Allerdings müsse auch jedem klar sein, dass das Wissen um die Starkregengefahr alleine nicht ausreiche. „Wir werden wohl um ein vielfaches mehr Geld brauchen, um die nötigen Schutzmaßnahmen umzusetzen.“ In Vellmar gibt es insbesondere entlang der Ahne eine erhöhte Gefahr.

Doch wie handhaben es andere Kommunen mit der Starkregengefahr?

Baunatal

Der Verband für Abwasserbeseitigung und Hochwasserschutz habe das Niederschlagseinzugsgebiet der Bauna von der Universität Kassel hydrologisch untersuchen lassen, teilt die Baunataler Stadtverwaltung mit. Die Untersuchung sei auch Grundlage für die ergriffenen Hochwasserschutzmaßnahmen. Darüber hinaus habe die Verwaltung Mitte September die Fließpfadkarte für das gesamte Stadtgebiet bestellt. „Die Karten werden mit unseren vorliegenden Daten verglichen und geprüft. Defizite werden dann entsprechend ergänzt und weitere Schutzmaßnahmen ergriffen“, erläutert Inga Sandgaard-Heerdt von der Stadtverwaltung. Das Hochwasserschutzkonzept der Uni Kassel sei für das gesamte Niederschlagseinzugsgebiet umgesetzt worden. Das letzte Hochwasserrückhaltebecken sei 2018 in Betrieb genommen worden.

Fuldabrück

Auch in Fuldabrück hat die Verwaltung eine Fließpfadkarte kürzlich beauftragt. Daniel Rademacher vom Bauamt erklärt, die Karte werde pro Quadratkilometer abgerechnet. 170 Euro koste sie für das Fuldabrücker Gemeindegebiet. Auch für eine Risikoanalyse über die Stark-regengebiete sei man offen, wenn das nötig sei, sagt Bürgermeister Dieter Lengemann (SPD). Man wolle zunächst die Ergebnisse der Fließpfadanalyse abwarten.

Espenau

Ebenso wie Fuldabrück war auch Espenau erst im August von Überschwemmungen durch Starkregen betroffen. Laut Gemeinde gibt es derzeit allerdings keine Pläne, eine Starkregengefahrenkarte in Auftrag zu geben. Es gebe aber eine Übersicht und Untersuchungen, die zeigen, wie die Kanäle gewartet werden müssen.

Fuldatal

In Fuldatal werde gerade geprüft, ob eine Starkregengefahrenkarte oder eine Fließpfadkarte sinnvoll seien, sagt Tiefbauamtsleiter Martin Knopp. Es gebe bereits Schmutzwassersimulationsberechnungen als Grundlage für den Bau von Regenrückhaltebecken und für die Kanäle. Welche Rückstauereignisse es gebe, könne auch in Karten des Regierungspräsidiums nachgeschaut werden.

Kaufungen

Um die Gefahren von Starkregen, Fließrichtungen und gefährdete Gebiete zu untersuchen, hat Kaufungen schon 2019 eine Analyse in Auftrag gegeben, teilt Sprecherin Julia Gerhold mit. Innerhalb dieses Generalentwässerungsplanes haben zwei Fachbüros auch ein Kontroll- und Wartungssystem der Flutgräben entwickelt und Abflussgeschehen berechnet. Die Ergebnisse sollen dieses Jahr vorliegen.

Niestetal

Auch die Gemeinde Niestetal hat Interesse, Fließpfadkarten zu erwerben und sieht es generell als sinnvoll an, auch weitere standortspezifische Karten zur genaueren Beurteilung zu Rate zu ziehen und zu erwerben, teilt Pressesprecher Alexandros Souris mit. Nach der Sichtung der Pläne und der Entwicklung einzelner Maßnahmen würden die Betroffenen angehört werden, da die Kommune die Lösungswege nicht allein beschreiten könne. „Dabei betrachten wir nicht alleine Gräben und Abflüsse oder Liegenschaften in Niederungen, sondern auch abschüssige Flächen, etwa die unserer Landwirte“, sagt Souris.

Niestetal werde primär auf die weitere Renaturierung der Nieste setzen und diese mit einzelnen Schutzmaßnahmen entlang der Nieste im Ortsteil Sandershausen ergänzen. Die Renaturierung gegenüber des Rathauses sei ein gutes Beispiel dafür, wie wirksam das Verlangsamen abfließender Hochwässer gepaart mit neuen Retentionsräumen sei. „Hierdurch sind schon mehrere Hochwassersituationen der letzten Jahre abgemildert worden.“

Helsa

„Wir wissen eigentlich, welche Bereiche bei Starkregen überschwemmt werden“, sagt Bürgermeister Andreas Schönemann (SPD). Es habe auch Berechnungen für den Wedemann-Bach gegeben. Außerdem gebe es ein Flutgrabenkataster, um zu ermitteln, an welchen Gräben es Nachholbedarf gibt. Aus der Zusammenarbeit mit den Feuerwehren seien die entsprechenden Ecken ebenfalls bekannt. Aber eine Karte allein reiche nicht. Viel wichtiger sei die Frage, wie das Wasser wieder verschwindet. Derzeit plane der Wasserverband Losse zwei Regenrückhaltebecken zwischen Helsa und Eschenstruth und zwischen Helsa und Kaufungen.

Söhrewald

Für die Gemeinde Söhrewald erarbeitet ein Kommunaldienstleister mithilfe von Dronenbefliegung gerade eine 3D-Modellation, die neben Höhen- und anderen Daten auch Fließpfade von Regenwasser einschließt, erklärt Bauamtsleiter Stefan Weise. Damit lassen sich verschiedene Hochwasserszenarien und Regenereignisse durchspielen. Daraus ergeben sich nicht nur Infos für die Wehren, sondern auch für die Nachbargemeinde Lohfelden.

Lohfelden

Eine Starkregengefahrenkarte liegt bei der Gemeinde Lohfelden bereits vor und die Fließpfadkarten sind seit einigen Monaten beim Landesamt bestellt, teilt die Gemeinde mit. Die Karten sind ein kleines Puzzlestück im Hochwasserschutzkonzept der Gemeinde, dessen Kernstück mehrere Rückstaubecken und -flächen am Wahlebach, die bis 2025 fertiggestellt werden sollen, vorsieht. Entsprechende Berechnungen des externen Fachplanerbüros, um den Rückhalt zu maximieren und zu optimieren, liegen ebenfalls bereits vor.  

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