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Kosten für Dünger explodieren

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Von: Theresa Novak

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Die Düngemittelpreise sind explodiert: Auch im Landkreis Kassel machen sich die Landwirte Gedanken um die diesjährige Ernte.
Die Düngemittelpreise sind explodiert: Auch im Landkreis Kassel machen sich die Landwirte Gedanken um die diesjährige Ernte. © Theresa Novak

Der Krieg in der Ukraine, steigende Energiekosten, die Krise am Schweinemarkt – Landwirte haben auch im Landkreis Kassel zurzeit mit vielen Problemen zu kämpfen. Ein Bereich, der die finanzielle Situation der Bauern besonders betrifft: Die explodierenden Kosten für Düngemittel.

Kreis Kassel – Diese haben sich seit dem vergangenen Jahr verdreifacht. Die Preise sind laut Diplom-Agraringenieur Friedrich Willig von der Raiffeisen Waren GmbH Kassel, Standort Hofgeismar, bereits seit Herbst vergangenen Jahres auf diesem Niveau. „Der Krieg in der Ukraine hat damit nichts zu tun“, sagt er. „Sondern in erster Linie die gestiegenen Energie- und Frachtkosten.“ Außerdem hätten sich einige Hersteller ganz vom Markt zurückgezogen, was das Angebot verknappe und ebenfalls Auswirkungen auf den Preis habe.

„Wer vor Herbst vergangenen Jahres Dünger gekauft hat, hat 20 bis 25 Euro pro Doppelzentner (100 Kilogramm) bezahlt“, sagt Willig. „Jetzt kostet der Doppelzentner Kalkammonsalpeter 60 bis 65 Euro.“

Willig ist sich sicher, dass der Preis nicht mehr spürbar fallen wird. „Eigentlich habe ich gedacht, er pendelt sich bald auf einem etwas geringeren Niveau ein. Aber wegen des Krieges glaube ich das nicht mehr.“ Zur Herstellung von Stickstoffdünger müsse viel Energie aufgewendet werden. „Und es sieht ja gerade nicht so aus, als würden die Energiepreise fallen“, sagt Willig.

Erich Schaumburg, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel, sagt: „Um allein diese massiv gestiegenen Kosten auszugleichen, müsste ein Landwirt für seinen Weizen dieses Jahr im Durchschnitt 25 Euro mehr pro Tonne (2,50 Euro pro Doppelzentner) verlangen, als noch im Jahr zuvor.“ Die anderen Faktoren, die Bauern heute mehr Geld kosten, seien damit aber noch lange nicht ausgeglichen.

Die Lage der Landwirte sei nur deshalb noch nicht prekär, weil auch die Getreidepreise gestiegen sind. „Aber das ist wegen des Krieges so – also eine Situation, die keiner will und die sich auch wieder ändern wird“, sagt Schaumburg.

Um in Zukunft auch gut wirtschaften zu können, müsse der höhere Getreidepreis bleiben. „Der Dünger wird nicht mehr spürbar günstiger, weil auch die Energie nicht günstiger wird.“

Auch René Ritter, stellvertretender Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Kurhessen (unter anderem für den Altkreis Hofgeismar zuständig), sagt, dass die aktuelle Lage für Landwirte zurzeit „nicht sehr rosig ist“. Die Schweinebauern stünden mit dem Rücken zur Wand (Hintergrund), die gestiegenen Kosten für Energie und Dünger seien ein großes Problem für Landwirte.

Einige überlegten sogar, ob sie ihre Felder noch wie gewohnt bestellen sollen: Denn Aufwand (Kosten und Arbeitskraft) und Ertrag lohne sich unter Umständen nicht mehr.

Wer im vergangenen Jahr Dünger auf Vorrat gekauft hat, habe vorerst Glück. „Man kann nie wissen, was richtig ist, das ist wie an der Börse“, sagt Ritter. Außerdem hätten nicht alle Landwirte die Möglichkeit, Dünger einzulagern. „Viele holen ihn nach Bedarf ab und lassen sich das Mittel direkt in den Düngerstreuer kippen.“ (Theresa Novak)

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