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CDU im Landkreis zeigt sich nach Kühne-Hörmanns Amtsverlust kämpferisch

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Von: Moritz Gorny, Daniel Göbel

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Der neue hessische Ministerpräsident Boris Rhein im Wiesbadener Landtag: Er verzichtet in seiner schwarz-grünen Landesregierung auf Minister aus Nordhessen.
Der neue hessische Ministerpräsident Boris Rhein im Wiesbadener Landtag: Er verzichtet in seiner schwarz-grünen Landesregierung auf Minister aus Nordhessen. © sebastian gollnow/dpa

Die CDU im Kreis Kassel sieht sich personell gut aufgestellt, auch beim Nachwuchs. Dass im Kabinett des neuen hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein kein Nordhesse mehr vertreten ist, sei nicht als Weckruf zur Erneuerung an die nordhessischen Kollegen zu verstehen.

Kreis Kassel – Nachdem Hessens neuer Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) in einer ersten Amtshandlungen Eva Kühne-Hörmann als Justizministerin entlassen hat, ist Nordhessen nun personell in der schwarz-grünen Landesregierung nicht mehr vertreten. Unter Christdemokraten im Landkreis Kassel trifft dies auf Unverständnis. Schließlich mangele es nicht an motiviertem Nachwuchs, der für eine Politikkarriere über das kommunale Geschehen hinaus zur Verfügung stehe, wie mehrere CDU-Vertreter der HNA gegenüber erklärten.

Kreis-CDU

„Wenn ich uns beispielsweise mit den Sozialdemokraten vergleiche, ist der CDU-Kreisverband Kassel-Land personell hervorragend aufgestellt. Auch in Sachen Nachwuchs haben wir keine Probleme, wie unsere Kreisliste zeigt“, sagt Andreas Mock, Vorsitzender der CDU Baunatal, Stadtrat in Baunatal und Fraktionsvorsitzender der Kreis-CDU. In Baunatal sei die CDU sogar noch etwas jünger aufgestellt als im Kreis. Das jüngste Mitglied der CDU-Fraktion in der Baunataler Stadtverordnetenversammlung ist der 23-jährige Hannes Hasper, das älteste Mitglied ist Heiko Puls (59).

Die nordhessischen Christdemokraten hätten einiges zu bieten, sagt auch Michael Aufenanger, Kreisvorsitzender der CDU Kassel-Land. Daher könne er sich nicht vorstellen, dass Rheins Handlung als Weckruf zur Erneuerung an die nordhessischen Kollegen zu verstehen sei. „Wir haben im Kreisverband viele junge Menschen, die für eine politische Karriere geeignet sind“, sagt Aufenanger.

Er sieht das Problem eher darin, dass es für die CDU in Nordhessen allgemein schwierig sei, Direktkandidaten durchzubringen. „Wenn es keine realistische Chance gibt, ins Parlament einzuziehen, dann wird es auch schwieriger, junge Menschen für eine Kandidatur zu finden.“ Seit 2003 habe kein CDU-Kandidat mehr ein Direktmandat gewonnen, mit Ausnahme von Walter Lübcke, dem es bei der Landtagswahl 2003 gelang, den Wahlkreis Kassel-Land I knapp für sich zu entscheiden.

Schauenburg

Für den Schauenburger Fraktionsvorsitzenden Joachim Bröse ist die Entscheidung des neuen Ministerpräsidenten nicht nachvollziehbar. „Damit hat die nordhessische Region in Wiesbaden nun komplett an Bedeutung verloren.“ Im Kreisverband gebe es viele junge Menschen, die sich engagieren wollen. Gleiches gelte für das Schauenburger Gemeindeparlament, wo Bröse auf den 23-jährigen Gian Luca Less verweist. Somit werte er Rheins Vorstoß nicht als Weckruf. „Wenn dem so wäre, hätte man dies auch vorher etwa über die Kreisverbände kommunizieren können. Ich habe aber niemals irgendetwas in dieser Richtung vernommen“, so Bröse.

Fuldatal

Dass der nordhessische Einfluss in Wiesbaden nun leidet, weil mit Kühne-Hörmann die letzte Nordhessin aus der Regierung ausgeschieden ist, sieht Karsten Schreiber nicht. „Wir haben immer noch viele Gesprächskanäle“, sagt der Fuldataler Bürgermeister. Ohnehin sei ein Ministerposten keine Garantie dafür, dass alle Themen aus der Region auch Gehör finden. „Wer ein Ministerium leitet, hat die Raufe voll“, betont Schreiber.

Anders als manche seiner Parteifreunde attestiert Schreiber der CDU durchaus ein Nachwuchsproblem. „Aber das haben alle Vereine und Parteien, außer den Grünen.“ Dennoch könne die CDU künftig mehr bei jungen Menschen punkten, auch weil die CDU-Seele durch Friedrich Merz zur Ruhe komme. Allzu große Erwartungen seien aber unangebracht. „Wir dürfen nicht vergessen: Nordhessen ist SPD-Kernland.“

Kaufungen

Auch laut Erwin Schmidt muss die CDU an ihrem Nachwuchsproblem arbeiten. „Ein Patentrezept als Lösung habe ich da nicht“, sagt der Kaufunger CDU-Fraktionsvorsitzende. Überall in der Gesellschaft sei der Trend zu sehen, sich weniger zu engagieren. Auch in seiner eigenen Fraktion nimmt Schmidt wahr, dass die Jüngeren beispielsweise aus familiären Gründen nicht nachrücken wollen. „Ich klebe nicht an meinem Stuhl, aber es gibt keinen Nachfolger“, sagt der 56-Jährige, der bereits seit 1999 Fraktionschef ist.

Trotz alledem hält er die Christdemokraten für lebendig und widerspricht Maximilian Schäfer, dem Kreisvorsitzenden der Jungen Union. Dieser hatte der Gesamtpartei attestiert, dass sie am Boden liege und kurz vor der Kampagnenunfähigkeit stehe. Nach Grabenkämpfen auf Bundesebene kehrt laut Schmidt jetzt wieder Ruhe ein. Für die lokale Ebene sagt er: „Wir haben vielerorts bei Bürgermeisterwahlen Kandidaten ins Rennen geschickt.“ (Daniel Göbel und Moritz Gorny)

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