Sieben Varianten 

Umstrittener Bahnausbau: DB optimiert Kurve Kassel - Initiative kritisiert die Pläne 

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Kreis Kassel: Lärmbelastung. Sollte eine der geplanten Neubaustrecken im Rahmen der „Kurve Kassel“ realisiert werden, könnten täglich bis zu 44 schwere Güterzüge durch die Gemarkung Vellmars fahren und für eine nicht unerhebliche Lärmbelastung sorgen.

Die Deutsche Bahn (DB) präsentiert aktuelle Planungsschritte für die umstrittene Kurve Kassel. Im Suchraum für die Kurve gibt es sieben Varianten.  Von Seiten der Bürger gibt es Protest. 

  • Für die Kurve Kassel gibt es sieben Linienvarianten
  • Die DB optimierte die Linien im Suchraum
  • Kritik gibt es von einer Bürgerinitiative 

Kreis Kassel– Nachdem die Bahn im März der weiteren Prüfung der Alternativstrecke über Altenbeken-Northeim-Nordhausen eine Absage erteilt hatte, präsentierte sie nun aktuelle Planungsschritte für die Kurve Kassel. Anfang Mai stellte das Projektteam der DB Netz AG die Linienoptimierung im Suchraum der Kurve Kassel in einem zweiten Webinar vor. 

In einem nächsten Schritt sollen Prognosen über die Auswirkungen der Varianten untersucht und verglichen werden. Die Ergebnisse werden laut DB Netz AG am Runden Tisch nach den Sommerferien vorgestellt. Ob die Teilnehmer weiterhin über das Onlineformat oder wieder in Präsenz zusammenkommen, hängt von der Entwicklung der Corona-Pandemie ab.

Suchraum der Kurve Kassel: Optimierte Varianten 

Im Suchraum der Kurve Kassel gibt es sieben Linienvarianten. Davon wurden fünf optimiert: Variante 1 (Immenhausen – Wilhelmshausen), Variante  2 (Immenhausen – Speele), Variante 3 (Mönchehof – Speele), Variante 4 A (Mönchehof – Ihringshausen) und die Variante 4 C (Mönchehof – Ihringshausen). 

Keine Veränderungen ergeben sich für die beiden Linienführungen im Stadtgebiet von Vellmar. Die Variante 4 B verläuft unverändert oberhalb von Vellmar. Die Variante 5 führt weiterhin durch Niedervellmar.

Die Kritik an der Kurve Kassel 

In Niedervellmar müsste mit einem Brückenbauwerk mit einer Länge von etwa 1,4 Kilometern und bis zu 20 Meter Höhe realisiert werden. Für die drei Varianten nahe der nördlichen Stadtgrenze von Vellmar mit einer Länge von 7,5 beziehungsweise 8,5 Kilometern bestehen aus Sicht der Bürgerinitiative Vellmar keine erkennbaren Verbesserungen für die Stadt. 

Bei der Variante 4 A sollen Schallemissionen in Mönchehof durch eine Vorverlegung der Einfädelung und in Simmershausen durch eine Verlängerung der Tunnelstrecke vermindert werden. 

Kritik an Kurve Kassel: DB äußert sich nicht zu Schallschutz

BI-Sprecher Klaus Werner sagt aber, dass die Strecke nach wie vor eine lange oberirdische Führung nahe der Vellmarer Stadtgrenze in Richtung Mönchehof aufweist. „Zu den Belastungen und zum Thema Schallschutz kann oder will die Bahn aber zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.“ 

Bei der Variante 4 B, die bei einer Gesamtlänge von 7,5 Kilometern drei Tunnelabschnitte nördlich und östlich von Vellmar vorsieht, haben sich keine Veränderungen ergeben. Etwa 72 Prozent der oberirdischen Linienführung verlaufe zum Teil wenige 100 Meter vom Stadtgebiet entfernt.

Kurve Kassel

Kurve Kassel: Sorge vor Folgen für Mensch und Natur 

Bei der Variante 4 C soll die Trasse durch eine Verlagerung in Richtung Westen außerhalb des Wasserschutzgebietes von Simmershausen verlaufen. Die Distanz zur Wohnbebauung soll dort erhöht werden. Der Tunnelabschnitt entlang der westlichen Vellmarer Stadtgrenze werde zwar länger. Der Anteil der oberirdischen Linienführung liege aber trotzdem bei 75 Prozent.

Zwar könne man sich noch kein genaues Bild machen, wo die Varianten nach dem aktuellen Planungsstand tatsächlich verlaufen: „Aber man bekommt einen Eindruck, welche Folgen für die Menschen und welche Eingriffe in Natur und Landschaft damit verbunden sein würden“, sagt Werner.

Kurve Kassel: Die Alternativstrecke

Die BI verlangt wie andere Teilnehmer des Runden Tischs, dass auch die wirtschaftlichen und ökologischen Vorteile bei der Nutzung der Alternativstrecke (Sollingbahn) berechnet werden. 

Die Bahn hatte kürzlich eingeräumt, dass mindestens 58,6 Mio. Euro aus den von ihr ermittelten Ausbaukosten von 495,3 Mio. Euro für die Alternativstrecke herausgerechnet werden müssten. Denn diese würden für die Sanierung dieser Strecke sowieso mittelfristig anfallen. Zuvor hatte die DB Netz AG die Absage für eine weitere Prüfung mit den fast 500 Mio. Euro Kosten begründet.

Die Petition zur Kurve Kassel 

Die BI Vellmar hat deshalb ihre Petition an den Deutschen Bundestag vom 29. August 2019 – über die noch nicht entschieden wurde – nun ergänzt und fordert darin konkrete Berechnungen. „Wir haben gute Argumente für die Alternativstrecke. 

Dazu muss das Bundesverkehrsministerium gegenüber dem Petitionsausschuss Stellung nehmen“, sagt Werner. Die Kosten für den Ausbau der Alternativstrecke müssten noch einmal auf den Prüfstand. 

Kurve Kassel: Kosten auf dem Prüfstand 

Außerdem müsste eine Kostenschätzung für die Varianten der Kurve Kassel erstellt werden, die einen Vergleich mit den Ausbaukosten der Alternativstrecke über Altenbeken ermöglicht. Und es müssten alle Einsparungen in den nächsten Jahrzehnten bei einer Nutzung der kürzeren Alternativstrecke geprüft werden.

Von Alia Shuhaiber 

Ende Januar 2020 informierte die DB in einer Informationsveranstaltung zur Kurve Kassel in Kassel die Bevölkerung. Auch dabei gab es Kritik. Im Dezember 2019 legte die DB erste Streckenvorschläge vor. 

Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) will sein Angebot ab Dezember 2020 massiv ausbauen

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