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Kreis Kassel: Duschen in Sporthallen werden abgestellt

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Von: Moritz Gorny, Alia Diana Shuhaiber, Norbert Müller, Antje Thon, Natascha Terjung

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In den Sportliegenschaften des Kreises bleiben die Duschen vorerst trocken. Sportkreisvorsitzender Roland Tölle hat dafür Verständnis. Für das
In den Sportliegenschaften des Kreises bleiben die Duschen vorerst trocken. Sportkreisvorsitzender Roland Tölle hat dafür Verständnis. © posiert er symbolisch mit Duschhandtuch vor der Vellmarer Großsporthalle. Foto: m. gorny

Aktive aus 140 Vereinen im Landkreis Kassel müssen auf heiße Duschen in Sporthallen des Landkreises Kassel verzichten.

Tausende Breitensportler im Landkreis Kassel müssen ab Montag nach dem Training zu Hause duschen. Grund: Der Landkreis stellt das Warmwasser in seinen 53 Sport- und Turnhallen ab, um Energie zu sparen, wie Kreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage mitteilt. Betroffen von dieser Entscheidung sind 140 Sportvereine.

In den Kasseler Turnhallen soll hingegen weiter warm geduscht werden dürfen, betont ein Stadtsprecher. Die Beschränkung auf Kaltwasser oder gar das Abstellen des Wassers sei aufgrund des Zivilschutzes nicht vorgesehen.

Die unsichere Versorgungslage bei Gas und Strom bekommen jetzt auch Sportvereine und Schüler im Landkreis Kassel zu spüren. Um den Energieverbrauch in den Sport- und Turnhallen zu senken, bleiben die Duschen in den 53 Liegenschaften ab Montag geschlossen. Das teilt Kreissprecher Harald Kühlborn auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Während sich der Landkreis Waldeck-Frankenberg Mitte der Woche dazu durchgerungen hatte, nur noch Kaltwasser durch die Duschen laufen zu lassen, geht der Landkreis Kassel noch einen Schritt weiter – das Wasser wird in den Duschen komplett abgestellt. „Das betrifft nicht die Waschbecken und Toiletten. Hier besteht keine Legionellengefahr und daher kann der Kaltwasser-Betrieb ganz normal laufen“, sagt Kühlborn.

In den Kasseler Turnhallen bleibt indes alles wie gehabt, heißt es aus dem Kasseler Rathaus. Nach wie vor gelte, dass die Sporthallen für den Zivilschutz von besonderer Bedeutung seien und deshalb bei Energiespar-Überlegungen außen vor bleiben sollten. Bei Evakuierungsszenarien sowie bei Ausfall von Heizung und Strom könnten die Hallen als temporäre Unterkünfte oder „Wärmeinseln“ genutzt werden.

Die 140 betroffenen Vereine im Kreis trifft die Nachricht unvorbereitet. Roland Tölle, Sportkreisvorsitzender und Vorsitzender des OSC-Vellmar, hat erst am Freitagmorgen von der Entscheidung des Landkreises erfahren. Ideal sei das zwar nicht, sagt Tölle, aber wegen der Sommerferien würden die Hallen zurzeit sowieso nicht so stark frequentiert. „Die Frage ist, wie geht es nach den Ferien weiter“, sagt Tölle. Vor allem im Winter wäre es ein Problem, wenn Sportler nassgeschwitzt ins Auto steigen müssten. Aber klar sei auch: „Wenn wir vor so einer Krise stehen wie derzeit, dann muss auch der Sport seinen Solidarbeitrag leisten.“

Auch die Sportler des KSV Baunatal werden mitunter nicht mehr duschen können. Denn der Verein nutzt laut Vorsitzendem Timo Gerhold drei Sporthallen des Landkreises – an der Lichtenbergschule, an der Friedrich-Ebert-Schule und an der Erich-Kästner-Schule. „Für uns ist das Thema nicht neu“, sagt Gerhold. Schließlich habe auch die Stadt Baunatal in ihren Sportstätten, die der KSV nutzt, schon das Warmwasser in den Duschen abgestellt. „Bislang gab es dazu auch keine Beschwerden, wir erleben eine große Zustimmung von unseren Mitgliedern“, sagt Gerhold.

In der KSV-Sportwelt selbst gibt es ebenfalls kleine Einschränkungen. Beispielsweise komme aus den Wasserhähnen in den Bädern nur noch kaltes Wasser, sagt der Vorsitzende. Außerdem habe der Verein einen Energieberater beauftragt. Vor allem beim Heizen könnte sich das auszahlen: Bereits zum Monat Juli sind die Kosten für Fernwärme laut Gerhold um rund 31 Prozent gestiegen.

Sorge bereitet dem Vereinschef ein möglicher Energie-Lockdown. Also eine Zwangspause für den Breitensport, um Strom und Gas zu sparen. „Das würde einige Gruppen ganz schwer treffen“, sagt Gerhold. Kurse für Schwimmanfänger fielen weg, ebenso wie Reha-Sport. Wie der Deutsche Olympische Sportbund stehe auch der KSV dafür, die Sportstätten trotz Energiekrise möglichst am Laufen zu halten.

Betroffen sind auch die Sportler des SSV Sand. Beim Training könne man sich mit der Situation arrangieren, sagt der Vorsitzende Joachim Skrotzki, der Verständnis für die Sparmaßnahme hat. Aber bei Punktspielen der Handballdamen, die in der Oberliga spielen und in Hessen unterwegs seien, werde es schwierig. Die gegnerische Mannschaft nach den Spielen verschwitzt heimreisen zu lassen, sei problematisch.

Mustafa Hallal, Zweiter Vositzender der TSG Hofgeismar, sorgt sich vor allem um die Einnahmen und das Gemeinschaftsgefühl. Würden im Herbst die Duschen geschlossen bleiben, müsste man überlegen, ob große Turniere und Wettkämpfe noch stattfinden könnten. „Es wäre schwierig, wenn die von außerhalb kommenden Sportler nicht duschen könnten.“ So würden Startgelder und Einnahmen wegfallen. Auch das gesellige Miteinander nach einem Turnier würde leiden, da die Sportler zum Duschen nach Hause fahren. Hallal fürchtet zudem die Folgen eines möglichen Energie-Lockdowns. Sollten im Winter die Hallen kalt bleiben, wäre das vor allem für die Basketballer und Handballer ein Problem. „Dann steigt die Verletzungsgefahr, weil die Sportler nicht richtig warm werden.“  alh/aha/mgo/aea/ant/nom/ter

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