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Betreutes Training liegt im Trend: Fitness-Sportler im Kreis Kassel suchen persönliche Beratung

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Von: Raphael Digiacomo

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Neujahrsvorsätze führen zu Neuanmeldungen in Fitnessstudios. Diese locken mit Angeboten, um Kunden beim Kampf gegen die Pfunde für sich zu gewinnen. Was sind die Trends in der Branche?

Kreis Kassel – Ob Zumbakurs in der Gruppe, Krafttraining mit der Langhantel oder abendliche Kinderbetreuung: Mitglieder von Fitnessstudios wünschen sich vermehrt persönliche Begleitung und zwischenmenschlichen Kontakt auf dem Weg zu Gesundheit und Wunschfigur. Viele der Studiobesitzer im Landkreis Kassel gehen darauf auch ein.

Ein Überblick über die wichtigsten Trends in der Fitnessbranche in 2023, die zugleich für Hobbysportler im Kreis Kassel oftmals die entscheidenden Kriterien bei der Wahl des richtigen Studios darstellen.

Kreis Kassel: Fitnessstudios punkten mit persönlicher Beratung und individueller Begleitung beim Sport

Hightech-Geräte auf 3000 Quadratmeter: Jonny und Janina Maousidis haben im Herbst das Sportzentrum Neofit in Baunatal eröffnet. Sie legen Wert auf persönliche Beratung und Wohlfühlatmosphäre beim Sport.
Hightech-Geräte auf 3000 Quadratmeter: Jonny und Janina Maousidis haben im Herbst das Sportzentrum Neofit in Baunatal eröffnet. Sie legen Wert auf persönliche Beratung und Wohlfühlatmosphäre beim Sport. © Raphael Digiacomo

„Die Zeiten, in denen der Großteil der Hobbysportler für kleines Geld und ohne Anleitung in Discounterstudios vor sich hintrainieren, gehen dem Ende zu“, sagt Güneri Kocaoglu von Yoldo Sport & Fitness in Hofgeismar. Ein auf das Mitglied individuell angepasster Trainingsplan und Korrektur während des Sports werde von den meisten mittlerweile vorausgesetzt.

Mit gutem Grund: „Intensives und häufiges Training mit falscher Technik richtet langfristig mehr Schaden an, als es Nutzen bringt“, erklärt Olaf Topp, Facharzt für Orthopädie im MVZ Kaufungen.

Güneri Kocaoglu von Yoldo in Hofgeismar erklärt am Boxsack sein Selbstverteidigungssystem.
Güneri Kocaoglu von Yoldo in Hofgeismar erklärt am Boxsack sein Selbstverteidigungssystem. © Digiacomo, Raphael

Kocaoglu beobachtet, dass für Sportler gerade das Kursangebot ausschlaggebend bei der Wahl des Studios sei. „Mit dem Yoldo-System hab ich eine neue Methode zur Selbstverteidigung und Streitschlichtung entwickelt“, erklärt der Hofgeismarer, in seiner Jugend selbst erfolgreicher Kampfsportler.

Yoldo bedeute auf Türkisch „Weg des Kopfes“ und sei mittlerweile ein patentiertes System und werde auch an Jugendzentren und Schulen gelehrt. Die Methode sei beliebt und neben Rückentraining der Renner unter den Kursen.

Der soziale Kontakt ist bei Fitness und Sport in der Gruppe ein wichtiger Faktor

„Kinderbetreuung beim Sport ist für Mütter wie mich besonders wichtig“, sagt Yvonne zur Nieden, Trainerin im Fitnessstudio Multipoint in Espenau. Seit Corona habe das Gesundheitsbewusstsein noch mal zugenommen und der Anteil von Müttern mit kleinen Kindern wachse stetig im Multipoint, das sich als Mehr-Generationen-Studio definiert.

Hilfe im Hantelbereich: Markus Leimbach und Yvonne zur Nieden vom Multipoint in Espenau.
Hilfe im Hantelbereich: Markus Leimbach und Yvonne zur Nieden vom Multipoint in Espenau. © Digiacomo, Raphael

Dort sind auch die kleinsten Gäste willkommen. „Generell sieht man bei Kursen und im Hantelbereich – klassischerweise eine Männerdomäne – immer mehr Frauen“, so die Trainerin. „Die Menschen legen Wert auf eine familiäre Atmosphäre, bei uns kennt und grüßt man sich.“

Landkreis Kassel: Mitglieder von Fitnessstudios achten auf Preis-Leistungs-Verhältnis

„Sport muss für jeden bezahlbar bleiben, gerade in Zeiten deutlich gestiegener Lebenshaltungskosten“, sagt Jonny Maousidis, der im vergangenen Herbst das Sportzentrum Neofit in Baunatal eröffnet hat. Mitglieder seien neben Ausstattung und Service der Studios aktuell besonders auf ein angemessenes Preis-/Leistungsverhältnis bedacht.

„Die Fitnessbranche boomt wieder“, erklärt Maousidis. „Und sie sind bereit, für Qualität einen fairen Preis zu zahlen.“ Bei der Einrichtung und Gestaltung seines Sportzentrums hat der 43-Jährige auf Originalität und Individualität Wert gelegt. Das Design hat er einem Innenarchitekten anvertraut, und auch beim Personal setzt er auf Trainer, die über mindestens eine B-Lizenz verfügen und so überdurchschnittlich qualifiziert sind.

In den meisten Studios im Kreis betragen die Mitgliederbeiträge in der Regel – je nach Vertragslaufzeit – zwischen 35 und 60 Euro. Darin enthalten sind zumeist Geräte- und Hanteltraining, Kurse und Saunabereich – falls vorhanden.

Gesundheit hat beim Fitness- und Krafttraining meistens Priorität vor Aussehen

„Viele Studios wollen sich vom Muckibudencharakter lösen und sind davon auch weit weg. Die Pandemie hat gezeigt, dass die Notwendigkeit von professionell begleitetem Training ähnlich systemrelevant ist wie die Physiotherapie“, sagt Dieter Hahn von Lupus Sport in Wolfhagen. Das Klischee des Disko-Pumpers sei obsolet – Fitness sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

„Gerade ältere Menschen, die ins Studio gehen und während der Pandemie nicht konnten, haben sehr unter dem fehlenden Training gelitten. Zuhause funktioniert ein gescheites Training einfach nicht, da gehört einfach Betreuung dazu.“ (Raphael Digiacomo)

Fitnessbranche erholt sich langsam von Corona-Tief

Die Corona-Pandemie hat die Fitnessbranche hart getroffen. In Hessen blieben die Fitnessstudios durchschnittlich fünf Monate geschlossen, dazu kamen monatelange Zugangsbeschränkungen nach den 2G-/2G-Plus-Regeln. Der Umsatz der Branche sank laut der Eckdatenstudie des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) im Vergleich zum Höchststand in 2019 im zweiten Pandemie-Jahr 2021 um 46,4 Prozent auf 2,23 Milliarden Euro.

Die Zahl der Mitglieder von Sportstudios nahm während der Pandemie von 11,66 Millionen um 2,4 Millionen auf 9,26 Millionen ab. In Hessen gab es im Juni 2022 wieder circa 777.000 Mitglieder in Fitnessstudios, was einer Quote von 12,4 Prozent gemessen an der Gesamtbevölkerung ergibt. Damit liegt das Land deutlich über der bundesweiten Quote von 11,1 Prozent. (rdg)

Geschichte des Fitnesssports

Die Anfänge des modernen Fitnesssports gehen laut dem Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) auf den deutschen „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn zurück. Dieser etablierte ab 1810 in Berlin ein öffentliches Turnprogramm, mit dem Ziel, eine körperlich robuste Bürgerwehr für den Kampf um das von Napoleon besetzte Preußen zu schaffen.

Hollywood-Stars wie Steve Reeves, bekannt aus Epos-Filmen wie „Romulus und Remus“, und der schottische James-Bond-Darsteller Sean Connery beeindruckten in den 1960er-Jahren mit ihrer ungewöhnlich austrainierten Physis. Die Schauspieler hatten einen prägenden Einfluss auf das Männerbild.

Spätestens seit der Verbreitung kommerzieller Fitnessstudios in den 1980er-Jahren erlebt die Fitnessbranche einen weltweiten Boom. Die damals einsetzende Professionalisierung des Trainerberufs durch Lizenzen und das sich wandelnde Schönheitsideal, vorangetrieben durch extrem muskulöse Filmstars wie Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone, führten zu dem Phänomen der Massenstudios und des Krafttrainings als Breitensport wie wir es heute kennen. (rdg)

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