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Hilfe für 3400 Ukrainer: Freiwillige, Kommunen und Landkreis machen sich stark für Flüchtlinge

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Von: Boris Naumann

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Im Kreis Kassel leben knapp 3400 Flüchtlinge aus der Ukraine. Freiwillige, Kommunen und auch der Landkreis selbst machen sich stark für die Menschen im Exil.

Kreis Kassel – Knapp ein Jahr nach Beginn des Ukraine-Krieges zieht der Landkreis Kassel mit Blick auf die Ukrainehilfe eine positive Bilanz. „Wir sind sehr gut vernetzt und organisatorisch gut aufgestellt“, sagt Vizelandrätin Silke Engler.

Die Kooperation zwischen den ehrenamtlichen Unterstützerkreisen in den einzelnen Kreiskommunen, den Kommunen selbst und dem Landkreis sei effektiv und sehr pragmatisch ausgerichtet. „Damit schaffen wir es, auch auf individuelle Problemlagen bei den Flüchtlingen einzugehen, um eine bestmögliche Integration hinzubekommen.“

Kreis Kassel: Freiwillige, Kommunen und Landkreis machen sich stark für Flüchtlingshilfe

Bis zu 1000 Ukraine-Flüchtlinge pro Woche standen im März 2022 beim Landkreis Kassel vor der Tür. Aktuell sind es deutlich weniger. Die Flüchtlingshilfe ist inzwischen sehr gut organisiert. Weitere Helfer sind willkommen.
Bis zu 1000 Ukraine-Flüchtlinge pro Woche standen im März 2022 beim Landkreis Kassel vor der Tür. Aktuell sind es deutlich weniger. Die Flüchtlingshilfe ist inzwischen sehr gut organisiert. Weitere Helfer sind willkommen. © Jan Woitas/dpa

Aktuell lebten im Landkreis Kassel 3398 Flüchtlinge aus der Ukraine. „Insgesamt aber haben wir mit allen Asylbewerbern, Geduldeten und Flüchtlingen mit humanitärem Aufenthaltstitel 8116 Menschen auch aus Nationen wie Syrien, Türkei, Afghanistan und dem Iran im Landkreis“, sagt Engler.

Untergebracht seien sie entweder in einer der 57 Gemeinschaftsunterkünfte des Landkreises Kassel, in Privatwohnungen oder übergangsweise in der Notunterkunft der Flüchtlingshilfe des Landkreises Kassel an der Albert-Einstein-Straße in Fuldabrück.

Wir müssen jederzeit damit rechnen, dass wieder mehr Menschen aus der Ukraine zu uns kommen.

Silke Engler, Vizelandrätin

In den vergangenen Wochen und Monaten habe sich der Zustrom weiterer Flüchtlinge aus der Ukraine abgeschwächt und auf ein relativ niedriges Niveau eingependelt. „Inzwischen nehmen wir zehn bis fünfzehn Flüchtlinge pro Woche bei uns auf“, sagt Engler.

Knapp 3400 Flüchtlinge aus der Ukraine sind im Landkreis Kassel untergebracht

Den bislang stärksten Zustrom erlebte der Landkreis wenige Wochen nach Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022. „Damals hatten wir es mit bis zu 1000 Flüchtlingen pro Woche zu tun.“ Noch nicht einmal die Syrien-Krise Mitte der 2010er-Jahre habe solch einen Zustrom ausgelöst.

„Wir müssen jederzeit damit rechnen, dass wieder mehr Menschen aus der Ukraine zu uns kommen. Das ist abhängig davon, wie sich der Krieg in der Ukraine weiter entwickelt und inwieweit dadurch vor allem die Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft gezogen wird“, erklärt Engler.

Die Erfahrungen aus der Flüchtlingskrise infolge des Syrien-Krieges sei beim Wiederaufbau der Flüchtlingshilfe nach Beginn des Ukraine-Krieges sehr hilfreich gewesen. „Vor allem leisten aktuell die ehrenamtlichen Unterstützerkreise in den einzelnen Kreiskommunen unfassbar wertvolle Arbeit“, sagt Engler.

Unterstützerkreise rekrutieren sich aus Vereinsmitgliedern, Kirchengruppen oder einfach nur aus Privatleuten, die sich in Sachen Integration für die Flüchtlinge starkmachen. „Sie sorgen für Sozialkontakte und helfen bei ganz alltäglichen Dingen wie beim Einkaufen, dem Erlernen der deutschen Sprache oder bei Arzt-, Bank- oder Behördenbesuchen.“

Flüchtlinge aus der Ukraine im Kreis Kassel: Sachspenden und Helfer sind willkommen

Jeder Unterstützerkreis steht wiederum in engem Kontakt mit seiner jeweiligen Kommune. Jede Stadt oder Gemeinde stellt dafür einen oder zwei Ansprechpartner zur Verfügung. Diese werden von den Unterstützerkreisen informiert, wenn Sachspenden vom Kühlschrank über Kinderbetten bis hin zur Winterjacke oder weitere Hilfen wie Übersetzungsdienste gebraucht werden.

Diese Informationen werden auf den Internetseiten der Kommunen veröffentlicht, sodass Hilfswillige wissen, wie sie helfen oder was sie spenden können. „Die Kommunen treten dann als Vermittler in Erscheinung“, sagt Engler.

Helfer sind willkommen

Menschen im Landkreis Kassel, die den Flüchtlingen helfen möchten, können sich bei ihren jeweiligen Kommunen darüber informieren, welche Hilfsleistungen oder welche Sachspenden aktuell gebraucht werden. Passt das Hilfsangebot zur aktuellen Nachfrage, vermitteln die Kommunen die Hilfsgüter oder sie stellen die Kontakte zu den jeweiligen Unterstützerkreisen her.

Einwohner des Landkreises Kassel, die für die Flüchtlingshilfe Geld spenden möchten, können sich an die „Gemeinnützige GmbH für Soziales und Kultur im Landkreis Kassel“ (SoKu gGmbH) mit Sitz an der Wilhelmshöher Allee 19 bis 21 in Kassel wenden. Die SoKu gGmbH sammelt die Spenden und setzt diese gezielt für die Flüchtlingshilfe ein. Kontakt: Uwe Pietsch, Tel. 0561 / 1003-1151, Mail: uwe.pietsch@kreiskassel.de

Nicht zuletzt sucht der Landkreis Kassel ständig nach Wohnraum für Flüchtlinge – das gilt für ganze Häuser zum Aufbau von Gemeinschaftsunterkünften sowie für Privatwohnungen, die der Landkreis mietet, damit der Vermieter auch dann regelmäßige Mieteinkünfte erwarten kann, wenn sich die Lebensumstände der in der Wohnung lebenden Flüchtlinge plötzlich ändern sollten. (bon)

Der Landkreis wiederum tauscht sich mit den Kommunen darüber aus, ob finanzielle Hilfen aus verschiedenen Fördertöpfen die Flüchtlingsarbeit vor Ort erleichtern können. „Der Landkreis kann hier soziale, kulturelle oder sportliche Projekte unterstützen“, sagt Engler.

Das WIR-Vielfaltszentrum, die SoKu gGmbH des Landkreises wie auch die Sportförderung des Landes böten hier Möglichkeiten. „Der Sponsorenlauf für Schulen im Mai 2022 in Lohfelden war solch ein Beispiel“, sagt Engler. Dort hatten Schüler Geld für Schulranzen für Kinder aus der Ukraine ,erlaufen’. Die Aktion war über den Landkreis vom Land gefördert worden.“

Sprachkurse und Betreuung: Integration ist essenziell für Flüchtlinge

Der Landkreis selbst ist wiederum für die Unterbringung der Flüchtlinge zuständig. „Dafür mieten wir Wohnraum – entweder ganze Häuser für Gemeinschaftsunterkünfte oder Privatwohnungen“. Zudem sei die Betreuung der Flüchtlinge in den Gemeinschaftsunterkünften Aufgabe des Landkreises.

„Dafür haben wir die Heimleiter wie auch ein mobiles Betreuungsteam.“ Integration sei ein wichtiges Thema: „Wir vermitteln in Kooperation mit der VHS Sprachkurse und schauen, dass Kinder so schnell es geht in die Schule kommen.“

Für Engler ist die Vernetzung der Akteure in der Flüchtlingshilfe und die Koordination verschiedener Aufgaben von zentraler Bedeutung. „An dieser Stelle machen die ehrenamtlichen Helfer ganz wichtige Arbeit. Ohne diese Hilfe hätte die Flüchtlingshilfe im Landkreis längst nicht diese Qualität.“ (Boris Naumann)

Geld kommt vom Land

Für seine Arbeit bekommt der Landkreis Geld vom Land. Das sind vor allem 3000 Euro Integrationsgeld pauschal für jeden Flüchtling zur Finanzierung der Unterbringung und der Betreuung. Hinzu kommen die Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch, die jedem Flüchtling zustehen (865 Euro pro Monat). Die Flüchtlinge bestreiten damit ihren Lebensunterhalt und zahlen die Mieten.

Seit Juni 2022 bekommen Flüchtlinge aus der Ukraine von der Ausländerbehörde eine sogenannte Fiktionsbescheinigung ausgestellt, „was in etwa einem ,Voraufenthaltstitel’ entspricht“, erklärt Vizelandrätin Silke Engler.

Mit dieser Bescheinigung durchlaufen die Flüchtlinge eine zusätzliche Prüfung und erhalten so den Aufenthaltstitel nach dem Aufenthaltsgesetz. Dieser Aufenthaltstitel muss jedes Jahr erneuert werden.

Geflohene Ukrainer mit Aufenthaltstitel dürfen sofort Arbeiten, die Kinder müssen in die Schule. Ohne Aufenthaltstitel und ohne Visum würden Flüchtlinge lediglich als Urlauber gelten, die sich maximal 90 Tage in Deutschland aufhalten dürfen. (bon)

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