Staatsanwaltschaft forderte 10 Jahre

Lange Haft für brutale Tat - Schläger von mutmaßlichem Pferdeschänder muss über acht Jahre ins Gefängnis

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Soll achteinhalb Jahre hinter Gitter: Wegen versuchten Totschlags hat das Landgericht den 34-jährigen Espenauer verurteilt. Sechs Monate gelten wegen der langen Verfahrensdauer als vollstreckt, auch drei Monate Untersuchungshaft werden angerechnet. Trotz sechs Vorverurteilungen wäre dies die erste Haftstrafe für den Angeklagten.

Mit dem Strafmaß von acht Jahren und sechs Monaten Gefängnis folgte das Landgericht im Prozess wegen versuchten Totschlags gegen einen 34-Jährigen aus Espenau weitgehend der Forderung von Staatsanwalt Adam.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer zehn Jahre Haft für die Tat gefordert. Verteidiger Bernd Pfläging hingegen sah bei seinem Mandanten keine Tötungsabsicht und hatte wegen gefährlicher Körperverletzung auf vier Jahre und sechs Monate plädiert. Strafmildernd wirkte sich aus, dass der Angeklagte während der Tat nach dem Genuss von mehreren Litern Bier und einigen Schnäpsen über 2,5 Promille Alkohol im Blut hatte, was seine Steuerungsfähigkeit einschränkte.

Der Angeklagte hatte im Juni 2015 den vermeintlichen „Pferdeschänder von Espenau“ auf dem nächtlichen Heimweg gestoppt und ihn mit zahlreichen Tritten und Schlägen ins Koma befördert. Vor der Polizei hatte er angegeben, er sei von einem Pferdehalter dazu angestiftet worden und habe danach für ein von ihm selbst gedrehtes Handy-Video der Tat 500 Euro erhalten.

Diese Aussage spielte im Verfahren keine Rolle mehr, die Ermittlungen gegen den Pferdehalter wurden eingestellt, weil ihm nicht nachgewiesen werden konnte, einen entsprechenden Auftrag erteilt zu haben.

Dem Angeklagten haben damit eine Reihe von Zufällen eine deutlich höhere Strafe erspart. Der Neurologe und Gutachter Dr. Wolfgang Kloss, der sich vor Gericht auch zum gesundheitlichen Zustand des Opfers äußerte, hatte von traumatischen Hirnschädigungen bei dem heute 56-Jährigen gesprochen, dessen Zustand sich seit viereinhalb Jahren nicht verbessert habe. „Er hat zwar die Augen geöffnet, aber das Bewusstsein ist weg. Da ist etwas abgeschaltet worden“, hatte der Mediziner ausgesagt. Patienten mit derartigen Verletzungen hätten eine durchschnittliche Lebenserwartung von fünf Jahren, die inzwischen fast verstrichen sind.

Wäre das Opfer verstorben, hätte die Anklage auch auf vollendeten Totschlag lauten können. Wäre dann auch noch die Sache mit dem Pferdehalter nachgewiesen worden, hätte man leicht auch zum Vorwurf des Auftragsmordes kommen können. Vor diesem Hintergrund äußerte sich Verteidiger Bernd Pfläging durchaus zufrieden über den Ausgang des Verfahrens, kündigte aber gleichwohl Revision vor dem Oberlandesgericht an.

Der 34-Jährige war auch wegen weiterer Gewalttaten angeklagt. Zum Beispiel hatte er auf der Tanzfläche einer Diskothek in Kassel einen heute 25-jährigen Buchbinder aus Würzburg völlig unvermittelt zu Boden geschlagen und dort mit Tritten an den Kopf verletzt. Damals hatte er 1,75 Promille Alkohol im Blut, bei den anderen Gewalttaten war es über 2,5 Promille gewesen. Für diese Taten sprach das Gericht Geldstrafen aus, die ins Gesamturteil einflossen.

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