1. Startseite
  2. Lokales
  3. Kreis Kassel

Ärger um den Unterhalt - Mutter aus dem Landkreis Kassel schildert Probleme mit dem Jugendamt

Erstellt:

Von: Lara Thiele

Kommentare

Wenn der Unterhalt ausbleibt oder nur teilweise bezahlt wird, leidet meist das betroffene Kind am meisten unter der Situation.
Wenn der Unterhalt ausbleibt oder nur teilweise bezahlt wird, leidet meist das betroffene Kind am meisten unter der Situation. © Marcel Kusch/dpa

Eine Frau aus dem Landkreis Kassel erhielt bisher immer sehr unregelmäßig Unterhalt von dem Vater ihrer Tochter. Vom Jugendamt fühlt sie sich allein gelassen.

Der Vater von Ewgenjia Moors Tochter hat den Unterhalt für sein Kind noch nie besonders regelmäßig gezahlt – für die Frau aus Reinhardshagen ist das nichts Neues, wie sie selbst sagt. Vom Jugendamt des Landkreises hatte sie sich Hilfe erhofft. Bislang hatte sie nur gute Erfahrungen mit der Behörde gemacht – doch auch vom Jugendamt hörte sie wochenlang nichts. Die alleinerziehende Mutter fühlt sich im Stich gelassen.

Der Alleinerziehenden stünde mehr Geld zu

Von Juli bis September bekam Moor vom Vater ihres Kindes monatlich 180 Euro, berichtet sie. Dann habe sie allerdings auf eigene Faust herausgefunden, dass er nicht in Melsungen arbeitet, wie er beim Jugendamt angegeben hatte, sondern in Kassel – somit fielen für ihn weniger Fahrtkosten an als angenommen. 

Moor stünde eigentlich mehr Geld zu. „Das Jugendamt arbeitet mit dem, was der Vater vorlegt“, sagt Moor, worüber sie sich jedoch ärgert, weil seine Angaben offenbar nicht geprüft worden seien. Aufgrund der von ihr geforderten Nachprüfung habe sie im Oktober 304 Euro bekommen.

Vater der Tochter droht mit Anwalt

Bereits Ende September habe Moor ein Schreiben vom Jugendamt erhalten. Der Vater ihrer Tochter drohe mit einem Anwalt und beabsichtige, den Unterhalt neu berechnen zu lassen: „Sollte der Anwalt eine andere Auffassung haben oder zu anderen Unterhaltsbeträgen kommen, ist wahrscheinlich, dass wir unsere Unterhaltsberatung beenden müssen, da wir keine Zwangsmöglichkeiten (...) haben.“ 

Fühlt sich vom Jugendamt allein gelassen

Bis Ende November habe sie nichts mehr vom Jugendamt gehört – dann kam plötzlich ein Schreiben. Das Jugendamt sehe keine Möglichkeit mehr, die Unterhaltszahlungen des Kindesvaters zu regeln. Sie habe aber kein Anwaltsschreiben erhalten und sich vor den Kopf gestoßen gefühlt. 

„Ich bin enttäuscht“, sagt sie, und habe das auch dem Jugendamt mitgeteilt, woraufhin keine Reaktion erfolgt sei. „Ich ärgere mich darüber, dass man so fallen gelassen wird.“

Mutter versucht Unterhaltsvorschuss zu erhalten

Im November hat Moor nach eigenen Angaben keinen Unterhalt erhalten, für Dezember überwies der Kindesvater fünf Euro. Nun versucht sie, Unterhaltvorschuss vom Jugendamt zu erhalten, auch rückwirkend. 

Dieser betrage allerdings nur 204 Euro im Monat und nicht 304 Euro, wie der Vater es laut Düsseldorfer Tabelle zahlen müsse. „Besser als nichts“, sagt Moor. 

Es habe auch Monate ohne Unterhalt gegeben, in denen sie als Mitarbeiterin eines Supermarktes die Kosten für ihre Tochter komplett allein tragen musste. Es gebe einen Unterhaltsrückstand von 550 Euro – Geld, dass sich Moor mithilfe eines Anwalts holen möchte. Dieser soll auch den Unterhalt neu berechnen.

Keinen Kontakt mehr

Warum es so schwierig ist, von dem Vater den Unterhalt zu bekommen, weiß Moor nicht genau. In den Sommerferien sollte ihre Tochter eigentlich drei Wochen bei ihr und drei Wochen beim Vater sein, doch das Kind habe nur eine Woche zum Vater gewollt — das habe ihn vermutlich verärgert. „Ich zwinge mein Kind aber nicht“, sagt Moor. Seit den Sommerferien habe es keinen Kontakt mehr zum Vater gegeben.

Moor möchte andere Elternteile, die auch keinen Unterhalt erhalten, dazu ermutigen, sich zu wehren und den Mund aufzumachen. „Viele trauen sich nicht“, ist ihre Erfahrung.

Das sagt das Jugendamt des Landkreises Kassel

„Wir können nicht in die Rechtsverhältnisse eingreifen“, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn zu dem Fall von Ewgenjia Moor aus Reinhardshagen. Zu dem Sachverhalt selbst könne er aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft geben, gibt aber zu bedenken, dass es einen Unterschied zwischen Unterhaltsvorschuss und Unterhaltszahlung gibt. „Wir können nicht die Unterhaltszahlung des Kindesvaters regeln“, berichtet Kühlborn, sondern sei nur die letzte Absicherung, falls diese nicht ankommt – dann werde der Unterhaltsvorschuss gewährt, der gesetzlich durch eine Mindestgröße festgelegt ist. 

Unterhaltszahlung in der Regel höher

„Die Unterhaltszahlung ist in der Regel höher, das stimmt“, so Kühlborn. Er kann verstehen, dass es Unstimmigkeiten über den errechneten Bedarf gibt, erklärt aber, dass das Jugendamt ans Gesetz gebunden ist – im Fall von Moor 204 Euro. 

Sobald ein Rechtsanwalt eingeschaltet wird, sei das Jugendamt raus, weil es keine Rechtsvertretung sei. Moor müsse das anwaltlich klären und könne sich bei der Betreuungsbehörde des Jugendamtes Hilfe holen, um sich darüber beraten zu lassen, wie sie weiter vorgehen sollte.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion