Nach drei Vollsperrungen

A44: Alle Fragen und Antworten zur Lkw-Waage

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Gut einen Monat ist es her, dass mit Sperrung der Bergshäuser Brücke für aus Richtung Dortmund kommende Fahrzeuge über 3,5 Tonnen die Lkw-Waage am A44-Kreuz Kassel-West in Betrieb gegangen ist.

Seitdem gab es drei Vollsperrungen mit langen Staus nach Unfällen mit Lkw. Fragen und Antworten.

Viele Verkehrsteilnehmer ärgern sich über die Lkw-Waage und meinen, sie provoziere geradezu Staus. Stimmt das?

Tatsächlich kam es gleich nach der Inbetriebnahme der Lkw-Waage Mitte Januar zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Auch ereigneten sich drei Lkw-Unfälle, die auf der A 44 über Stunden Sperrungen und kilometerlange Staus zur Folge hatten.

Als Reaktion darauf lenkte Hessen Mobil am Kreuz Kassel-West den rechten, meist von Lkw genutzten Fahrstreifen direkt auf die A 49. Seither fahren deutlich weniger Laster weiter geradeaus über die Lkw-Waage. „Tatsächlich hat sich damit die Lage jetzt deutlich entspannt“, sagt Christina Röntgen, Regionale Bevollmächtigte bei Hessen Mobil. Stausituationen seien inzwischen die Ausnahme.

Wie viele Lkw und Fahrzeuge über 3,5 Tonnen sind bislang über die Waage gefahren?

Hessen Mobil will dazu keine Angaben machen. Nur: „Jetzt sind es deutlich weniger, als noch Mitte Januar“, sagt Röntgen. Lkw-Fahrer, die das Überfahrverbot missachten, müssen ein Strafgeld in Höhe von 500 Euro zahlen und für zwei Monate ihren Führerschein abgeben.

Gab es deshalb vor Ort schon Auseinandersetzungen mit Lkw-Fahrern?

„Es kommt ganz vereinzelt zu Beschwerden“, sagt Röntgen. Die Polizei sei erst in einem Fall herbeigeholt worden. Grundsätzlich ist die Anlage rund um die Uhr mit bis zu drei Verkehrshelfern und einem Schichtleiter besetzt. Die Polizei kommt nur im Bedarfsfall – das heißt, wenn es zu Streitereien kommt.

Archiv-Video: Lkw-Waage stoppt zu schwere Fahrzeuge

Hätte man den Umleitungsverkehr nicht auch ohne die Lkw-Waage hinbekommen können?

„Nein“, sagt dazu Hessen Mobil. Die Komplexität, die sich aus den Verkehrsbeziehungen zwischen den Autobahnen A7, A44 und A49 bei Kassel bei gleichzeitig eingeschränkter Nutzungsmöglichkeit der Bergshäuser Brücke ergeben, „hat mit Blick auf die Verteilung der Verkehrsströme keine bessere Lösung zugelassen“, sagt dazu Torsten Bertram, Abteilungsleiter Verkehr bei Hessen Mobil. Ziel sei es gewesen, den Verkehr so flüssig zu halten, wie es nur geht, und dabei gleichzeitig die frisch sanierte Brücke zu schützen.

Unfall vor der Lkw-Waage: Gleich in den ersten Tagen nach Inbetriebnahme der Waage ereigneten sich drei Unfälle. Archivbild: hessennews tv

Natürlich sei jede Baustelle dieser Größenordnung stets eine neue Herausforderung für die Planer. Insofern sei mit Nachjustierungen immer zu rechnen. Ein weiterer Aspekt sei auch die Sicherheit für die Autofahrer. „Wir wollen einfach kein zweites Genua“, sagt Bertram.

Wird zum ersten Mal solch eine Lkw-Waage eingesetzt?

Nein. Erstmalig wurde solch eine Lkw-Waage an der Schiersteiner Brücke installiert. Die Schiersteiner Brücke leitet die A 643 über den Rhein und verbindet Wiesbaden mit Mainz. Sieben Monate war die Lkw-Waage dort von April bis November 2015 in Betrieb. Aktuell werden Lkw-Wagen auch an der Leverkusener Brücke (A 1 zwischen Leverkusen und Köln) sowie an der Rheinbrücke bei Duisburg (A 40 zwischen Duisburg und Moers) eingesetzt. Tatsächlich ist die Lkw-Waage auch eine Mitentwicklung von Hessen Mobil.

Hat es dort ähnliche Startschwierigkeiten gegeben?

Ja. Mit Blick auf die Schiersteiner Brücke hat es anfänglich auch Behinderungen und Unfälle mit Sachschaden gegeben. Jedoch hat sich auch dort die Situation mit der Zeit entspannt. So wurden nach einer gewissen Eingewöhnungsphase an der Schiersteiner Brücke pro Tag noch etwa 20 Fahrzeuge über 3,5 Tonnen auf der hessischen Seite abgeleitet.

Die Lkw-Waage an der Bergshäuser Brücke hat 4 Mio. Euro gekostet. Wieso ist diese Anlage so teuer?

Allein die Personalkosten betragen laut Hessen Mobil etwa eine Mio. Euro. Die installierten Anlagenkomponenten schlagen noch einmal mit 2,5 Mio. Euro zu Buche. Die begleitende Ausrüstung (Betonschutzwände, LED-Tafeln, Schilderbrücken, Kameras, Schilder, Baken) kosten noch einmal 0,5 Mio. Euro.

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