Ein Tag mit den Verkehrshelfern im Einsatz

A44-Lkw-Waage: Viele Fahrer verstehen Verkehrsführung nicht

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Mit dem „Lichtschwert“ in Richtung Abfahrt: Mariucz Zadylak ist einer von vier Verkehrshelfern, die pro Schicht für Hessen Mobil an der Lkw-Waage vor der Bergshäuser Brücke im Einsatz sind. Ist ein Fahrzeug schwerer als 3 ,5 Tonnen, lotsen Zadylak und seine Kollegen die Fahrer mithilfe ihrer grünen Signalstäbe zur Behelfsabfahrt. 

Erst zehn Tage ist die Lkw-Waage an der Bergshäuser Brücke auf der A44 in Betrieb. Seitdem gab es bereits drei Vollsperrungen nach Unfällen. Wie kann man das Chaos in den Griff bekommen?

Ein weißer Transporter mit Südharzer Kennzeichen passiert die unscheinbaren Wiegestäbe der Lkw-Waage auf der A 44. Wenige Sekunden später springt die Ampel auf Rot. Das ist das Zeichen für Mariucz Zadylak: Der Transporter ist zu schwer. Zadylak, einer der vier Verkehrshelfer von Hessen Mobil, die an diesem Freitagvormittag auf der A 44 im Einsatz sind, greift zu seinem grünen Signalstab.

„Wir nennen sie Lichtschwerter“, sagt Ron Günther, Personalleiter an der Lkw-Waage, während Zadylak den Transporter mithilfe seines Signalstabes von der Autobahn zur Behelfsabfahrt lotst. Lichtschwerter gibt es normalerweise nur auf der Kinoleinwand, wenn die Jedi-Ritter aus den „Star Wars“-Filmen für Recht und Ordnung in der Galaxie sorgen. Die Verkehrshelfer auf der A 44 haben es zwar nicht mit den Machtfantasien des bösen Imperiums zu tun, sorgen mit ihren „Lichtschwertern“ aber für Recht und Ordnung vor der Bergshäuser Brücke.

Die darf nämlich seit dem 11. Januar von aus Fahrtrichtung Dortmund kommenden Fahrzeugen, die schwerer als 3,5 Tonnen sind, nicht mehr passiert werden. Grund dafür ist die Sanierung des Nord-Bauwerks der Bergshäuser Brücke, die Ende April abgeschlossen sein soll.

Im Container der Verkehrshelfer hat Ricardo Gräb alles im Blick. Auf drei Monitoren überwacht er den Verkehr rund um die Lkw-Waage.

In den zehn Tagen seit Inbetriebnahme der Waage kam es zu drei Unfällen mit Lkw (Unfall 12. Januar, Unfälle 14. und 18. Januar), in deren Folge die A 44 in Richtung Osten zeitweise voll gesperrt war. Und das, obwohl mehrere Schilder und LED-Tafeln auf das Durchfahrtsverbot für Lkw hinweisen. Weil diese Hinweise offensichtlich von vielen Fahrern übersehen wurden, hat Hessen Mobil am Dienstag vergangener Woche die Verkehrsführung geändert. Nun werden die Lkw bereits an der Baustelle auf Höhe des VW-Werks auf die rechte Spur geleitet und haben, bis sie am Kreuz Kassel-West abfahren, gar nicht mehr die Möglichkeit, wieder nach links zu wechseln.

„Wir hatten an dieser Stelle keine Erfahrungswerte, aber seit dem Umbau kommen viel weniger Lkw bis zur Waage“, sagt Günther. In den ersten Tagen nach Inbetriebnahme seien es bis zu 40 Sattelschlepper pro Stunde gewesen, die die Verkehrshelfer hinter der Waage ableiten mussten. Genau kann Günther das aber nicht sagen. „Wir zählen hier nicht die Lkw, wir sind zum Ableiten da.“ Wegen der Lkw war es immer wieder zu Staus an der Anlage gekommen. Durch die veränderte Verkehrsführung habe sich das inzwischen jedoch so gut wie erledigt, sagt Günther. „Mal abgesehen von den Stoßzeiten während des Berufsverkehrs.“

Auch an diesem Freitagvormittag läuft der Verkehr. Von Stau keine Spur. Doch gerade Lkw-Fahrer aus dem Ausland verirren sich immer noch häufig auf die verengten Spuren und müssen dann zwangsweise die Behelfsabfahrt nehmen. „Viele fahren nur nach Navi“, sagt Günther, gerade als Zadylak einen Lkw mit tschechischem Kennzeichen mit seinem Signalstab rauswinkt. „Da kann es auch schon mal sein, dass jemand mehrmals hier vorbei kommt.“ Tatsächlich kann ein Fahrer, der über die Behelfsabfahrt abgeleitet wird und nicht direkt die Ausfahrt zur Umleitung nimmt, am Kreuz Kassel-West eine Runde drehen und kurze Zeit später erneut auf der Waage landen. „Einer aus Litauen ist drei Mal hintereinander durchgefahren“, sagt Günther. „Der hat’s einfach nicht verstanden.“

Zwar gibt es an diesem Freitagvormittag kein Wiedersehen mit einem der Brummifahrer, aber trotzdem verpassen innerhalb einer Stunde gleich vier Sattelschlepper die Umleitung. Immer wenn das passiert und die Waage eine Gewichtsüberschreitung erkennt, ertönt bei Ricardo Gräb im Container der Verkehrshelfer ein akustisches Signal. An drei Monitoren überwacht Gräb hier die Anlage und bekommt Bilder von allen sieben Kameras rund um die Waage angezeigt.

Mit dem „Außendienst“ wechseln sich die Verkehrshelfer ab. Im beheizten Container gibt es Kaffee und eine Mikrowelle. „Warmes Essen ist bei einer Acht-Stunden-Schicht wichtig“, sagt Günther. Denn die vergangenen zehn Tage und die Unfälle haben gezeigt, dass der Job Aufmerksamkeit erfordert – an den Monitoren wie auf dem Asphalt.

Wieder schrillt der Signalton durch den Container. Einen schwarzen Pickup mit Anhänger hat es erwischt. Gräbs Bildschirm zeigt an: 4,4 Tonnen. Und draußen zückt Zadylak sein grünes Lichtschwert.

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