Thema soll auf politischer Ebene diskutiert werden

Ärztlicher Bereitschaftsdienst zu selten in Anspruch genommen: Notaufnahmen überlastet

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Stetig steigende Zahlen bei den Notarzt- und Rettungsdiensteinsätzen sowie immer häufiger überfüllte Notaufnahmen in den Krankenhäusern werden zunehmend zum Problem.

Nun soll das Thema auch auf politischer Ebene diskutiert werden. Die FDP-Kreistagsfraktion will die medizinische Notfallversorgung im Landkreis und in Kassel besser steuern. Ursache für die Überlastung sei, dass Notfalleinsätze inzwischen viel zu häufig auch für Bagatellfälle wie Erkältungskrankheiten oder Katheterwechsel gefahren würden, sagt FDP-Fraktionsvorsitzender Björn Sänger.

Dabei könnten viele solcher Fälle auch vom ärztlichen Bereitschaftsdienst oder vom Hausarzt zu dessen Sprechzeiten behandelt werden. Denn: „Durch das inflationäre Bedienen von Bagatellfällen mit Notfalleinsätzen stehen wertvolle Rettungsdienst- und Notarztkapazitäten für dringende Fälle möglicherweise nicht mehr zur Verfügung.“

Das Problem sei dabei aber: „Einerseits gibt es immer weniger Hausärzte auf dem Land, andererseits ist die Telefonnummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (Tel. 116 117) in der Bevölkerung nach wie vor nicht bekannt genug, als dass dieser Bereitschaftsdienst als wichtige medizinische Alternative zum Rettungsdienst wahrgenommen wird.“ Ein großes Problem sei dabei auch, dass schon in der Rettungsdienstleitstelle nicht ausreichend zwischen medizinischem Notfall und weniger dringlichen Fällen unterschieden würde. Durch eine verbesserte Steuerung der Fälle mithilfe kompetenter Ansprechpartner könnten die Notfallversorgung wie auch die Ambulanzen deutlich entlastet und vorhandene Ressourcen besser genutzt werden“ (siehe Text unten).

So fordert nun die FDP vom Kreisausschuss, in Verhandlung mit der Stadt Kassel zu treten, zumal Kassel und der Landkreis zusammen für die Organisation des Notfalldienstes zuständig sind. Ziel müsse es sein, in der Rettungsdienstleitstelle auch medizinisches Fachpersonal einzusetzen, um eingehende Notrufe richtig einschätzen und entsprechend passende Schritte einleiten zu können.

Zudem sei die Telefonnummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes gemeinsam mit den Kreiskommunen im Zuge einer Werbekampagne deutlich bekannter zu machen. „Nicht zuletzt muss es darum gehen, die hausärztliche Versorgung im Landkreis deutlich zu verbessern“, sagt Sänger. An dieser Stelle müsse der Kreis mit der Kassenärztlichen Vereinigung in Kontakt treten, und nach Lösungen suchen. „Es kann nicht sein, dass in Ermangelung eines Hausarztes ein Krankenwagen wegen eines Schnupfens gerufen wird, auch weil der Patient weiß, dass er in der Notaufnahme im Krankenhaus dann schneller drankommt“, sagt Sänger. Solch ein Szenario dürfe nicht Standard werden.

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