Antrag im Kreistag

Für mehr Artenschutz: Grüne fordern Fortbildungen für kommunale Mitarbeiter

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Wegränder als Teil des Artenschutzes: In den Kommunen ist noch viel Luft nach oben, was den Artenschutz angeht, finden die Grünen im Landkreis Kassel. Das Foto entstand in Hann. Münden-Hedemünden im Landkreis Göttingen.

Mehr Artenschutz – das wünschen sich die Grünen im Kreistag. Um das zu erreichen, bringen sie am Donnerstag, 19. September, einen Antrag in den Kreistag ein.

Kreis Kassel – Damit soll beschlossen werden, dass es regelmäßig Veranstaltungen gibt, die den Artenschutz fördern und unterstützen. Die Grünen denken dabei an Schulungen – vor allem für die Mitarbeiter der Kommunen, aber auch für Landwirte, die sich mit dem Thema noch nicht intensiv befasst haben, beispielsweise nebenerwerbliche.

„In der Natur sieht man, dass einige Tier- und Pflanzenarten gar nicht mehr vorkommen“, sagt Anja Käkel aus Ahnatal, die für die Grünen im Kreistag sitzt. Viele Projekte seien bereits angestoßen worden, aber überwiegend im landwirtschaftlichen Bereich. In den Kommunen – und auch auf den Feldern und Äckern sowie an den Ackerrandstreifen – könne sich noch viel tun, ist sie überzeugt, ebenso wie Susanne Regier, Vorstandsvorsitzende der Grünen im Landkreis Kassel und Stadträtin in Vellmar.

„Die Kommunen haben Flächen, die für den Artenschutz genutzt werden können“, betont Käkel – zum Beispiel Ackerrandstreifen an Wegeparzellen und auch auf Friedhöfen. „In Ahnatal gibt es mittlerweile eine Vogeltränke auf dem Friedhof“, berichtet die Kreistagsabgeordnete. 

Damit der Artenschutz für Tiere und Pflanzen in den Kommunen stärker vorangebracht wird und über das Verteilen von Samentüten für Streublumenwiesen hinausgeht, möchten die Grünen Veranstaltungen zum Thema Artenschutz und Schulungen anbieten. Viele Mitarbeiter in Gemeinden und Städten kennen laut Käkel gar nicht alle Möglichkeiten: „Dabei sind zum Beispiel Rückzugsflächen für Tiere gerade jetzt wichtig, weil alle Felder abgeerntet sind.“

Kommunen seien eine wichtige Schnittstelle für den Artenschutz und könnten das Augenmerk darauf legen – beispielsweise auch beim Thema Lichtverschmutzung. Da der Naturschutzbund (Nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) oft überlastet seien, habe man für die Schulungen der kommunalen Mitarbeiter die Nordhessische Gesellschaft für Naturkunde und Artenvielfalt angefragt sowie die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz.

 „Die Verantwortlichen waren begeistert, wir haben da offene Türen eingerannt“, sagt Käkel. Das Angebot sei kostengünstig – ein wichtiger Faktor für Städte und Gemeinden – und könne vom Landkreis Kassel angeboten werden. Auch eine Kooperation mit dem Verein für landwirtschaftliche Fortbildung Hofgeismar soll laut Antrag geprüft werden.

Artenschutz ist laut Käkel nicht schwer, vor allem wenn man etwas tun möchte: „Da reicht manchmal schon eine Ecke, die nicht gemäht wird.“ Dass allerdings auch etwas Geld in die Hand genommen werden muss, lässt sich nicht leugnen. Damit in dieser Sache etwas passiert, haben sich die Grünen für den Antrag im Kreistag entschieden. 

Das sagt der Kreisbauernverband Kassel

„Es gibt keinen Wissensunterschied zwischen Nebenerwerbs- und Haupterwerbslandwirten“, sagt Stefanie Wittich vom Kreisbauernverband Kassel. Beide Gruppen seien gleichermaßen gut informiert zum Thema Artenschutz, das auch immer wieder bei Vorträgen und landwirtschaftlichen Weiterbildungen behandelt wird. 

Grundsätzlich hält Wittich den Vorstoß der Grünen im Kreistag für eine gute Idee. „Bei den Landwirten ist das Wissen, dass Insekten benötigt werden, vorhanden“, sagt sie, denn Landwirte arbeiten mit der Natur und leben davon. Als Beispiele nennt Wittich Blühstreifen und die Feldrandpflege: Nicht alle Ränder würden gleichzeitig gemulcht, sondern zeitversetzt, auch um den Insekten Rückzugsräume zu bieten. 

Es gebe viele freiwillige Leistungen, aber auch feste Vorgaben, was Landwirte tun müssen – „da hat sich in den letzten Jahren viel getan“, so Wittich. Es sei wichtig, dass die Landwirtschaft mit ins Boot geholt wird, aber es gebe auch andere Einflussfaktoren wie die Lichtverschmutzung – „jeder kann etwas zum Artenschutz beitragen.“

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