Elektromobilität

Betreiber müssen E-Ladesäulen nachrüsten

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Wer an einer öffentlichen Säule sein E-Auto lädt, muss Preis und Menge nachvollziehen können.

Weil eine Übergangsregelung ausläuft, sind Hersteller von E-Ladesäulen nun verpflichtet, dem Kunden eine exakte Abrechnung zu bieten. Das stellt sie vor technische Herausforderung.

Kreis Kassel – An der E-Ladesäule in Dörnhagen gibt es erst mal keinen Strom. Obwohl am Rathaus alles bereitsteht, darf noch nicht geladen werden. Der Grund: Die Säule muss nachgerüstet werden, um den rechtlichen Vorgaben zu entsprechen. Demnach muss der Verbraucher genau und im Nachhinein nachvollziehen können, wie viel Strom er wann geladen hat – zumindest wenn er dafür bezahlen muss. Bisher galt eine Übergangsregelung.

Laut EAM, die die Säule bereitstellt, ist das kein Einzelfall. Alle ihre 13 Ladesäulen im Landkreis müssten nachgerüstet werden. Das Problem: An den bestehenden Ladesäulen ist das technisch nicht möglich. „Die EAM wird nicht mehr kundenfreundlich nach Energie, also Kilowattstunden, abrechnen können“, heißt es vom Unternehmen. Man werde das Bezahlmodell wechseln müssen. Angedacht ist eine pauschale Abrechnung. Man prüfe zurzeit das beste Modell, heißt es.

Zurück nach Dörnhagen: Damit hier rechtlich einwandfrei Strom geladen werden kann, fehlt der Säule noch ein Speicher- und Anzeigemedium, erklärt Achim Mihr vom Bürgerservice der Gemeinde. Das kann hier nachträglich eingebaut werden – für 1600 Euro. Die Kosten trägt die Gemeinde.

Würde sie den Strom den Bürgern schenken, könnte sie die Regelung umgehen. Doch mit dem Verschenken haben Nachbargemeinden laut Mihr schlechte Erfahrungen gemacht. Bürger stellten ihre Fahrzeuge teilweise jede Nacht an die Säule. Deshalb hat sich die Gemeinde dafür entschieden, dass der Strom Geld kostet.

Für die Stadt Baunatal ist Nachrüsten noch kein Thema. Die fünf Säulen, die die Stadt betreibt, kosten den Verbraucher bisher nichts. Laut Saskia Skaley, Energiebeauftragte der Stadt, steht in den Sternen, wann ein Bezahlsystem kommen soll. Doch dann müssten auch diese Säulen nachgerüstet werden. „Sie würden so nicht den Vorgaben entsprechen.“ Und Nachrüsten kostet Geld. Solange es sich die Stadt also noch leisten kann, verschenkt sie den Strom, anstatt kostenaufwendig die Säulen nachzurüsten.

Die Gemeinde Ahnatal hatte Glück – oder einfach ein gutes Timing. Zwei Stationen betreibt die Gemeinde seit dem Frühjahr selbst. Beide sind bereits so ausgerüstet, dass nur noch eine SIM-Karte, also eine Speicherkarte wie im Handy, in die Säulen gesteckt werden muss. Darauf werden dann die Tankdaten der Verbraucher gespeichert. 

So kann der E-Autofahrer aus Hamburg, der auf der Durchreise in Ahnatal lädt, nachher im Internet quasi seinen Kassenbon einsehen, erklärt Sven Katzauer, Energiebeauftragter der Gemeinde.

Drei Fragen an das Eichamt 

Über die gesetzlichen Vorgaben zu E-Ladesäulen haben wir mit Dr. Reinhard Hund, stellvertretender Leiter der Hessischen Eichdirektion, gesprochen. 

Welche Vorgaben müssen E-Ladesäulen erfüllen? 

Nach Gesetz muss eine unabhängige Stelle, wie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, das Baumuster geprüft haben. Aus Sicht des Kunden muss die Rechnung verständlich sein. Er muss wissen, wie viel Energie er an welchem Ort geladen hat und zu welchem Preis. Das heißt, wenn sich der Tarif ändert, muss er das auch mitbekommen. Alles muss für ihn im Nachhinein prüfbar sein. 

Das erfüllen aber nicht alle. Warum taucht das Problem erst jetzt auf? 

Weil viele Anbieter erst jetzt auf Abrechnung umstellen. Viele haben den Strom davor verschenkt. Von 2014 bis 2018 gab es nur einen Hersteller, der das Problem erkannt hat, und eine entsprechende Ladesäule entwickelt und auf den Markt gebracht hat. Erst in den letzten Monaten haben die anderen Hersteller geeignete Säulen entwickelt und prüfen lassen. Inzwischen gibt es 16 Hersteller, die eichkonforme Ladesäulen anbieten. 

Was machen die, die nicht nachrüsten können? 

Die sollten ihren Vertrag mit dem Lieferanten prüfen, weil: Die rechtlichen Vorgaben sind schon seit 2013 da. Eigentlich dürfte nichts geliefert werden, was nicht eichkonform ist. Ansonsten bleibt der Neukauf oder das Umstellen auf eine pauschale Abrechnung, beispielsweise per Flatrate. Das heißt, ein Preis für einen vereinbarten Zeitraum ohne Grenze, wie viel geladen werden darf.

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