Borkenkäferbefall

Landkreis Kassel: Holzpreise gehen in den Keller

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Kahle und vertrocknete Fichtenkronen: Überall in den Wäldern Nordhessens sind aktuell vom Borkenkäfer befallene Fichten zu finden – so wie hier im Habichtswald. „Durch den trockenen Sommer 2018 sind die Bäume stark geschwächt worden“, sagt dazu Hessen Forst-Sprecher André Schulenberg.

Im zweiten Jahr in Folge wird Hessen Forst mit Blick auf die Holzwirtschaft erhebliche Verluste hinnehmen müssen.

Schon 2018 erwirtschaftete der Landesbetrieb rund 50 Mio. Euro weniger als normal, „ähnliche finanzielle Auswirkungen erwarten wir auch für das Jahr 2019“, sagt aktuell Hessen Forst-Sprecher André Schulenberg.

Hatte 2018 noch die große Trockenheit zu einem Überangebot und damit zu einem Preisverfall bei Fichtenholz geführt, wird es 2019 in erster Linie der Borkenkäfer sein, der nun vor allem von Trockenheit geschwächte oder bereits geworfene Fichtenbestände angreift.

„Schon jetzt sind es rund eine Mio. Kubikmeter Fichten, die vom Borkenkäfer befallen und beschädigt wurden“, sagt Schulenberg. Dabei handele es sich zu 60 Prozent um stehende Fichten, sowie zu 40 Prozent um bereits vom Wind umgeworfene Fichten.

Der Schädling: Nur wenige Millimeter groß sind die Borkenkäfer. Die Larv en fressen sich durch die saftführenden Schichten zwischen Borke und Holzstamm der Fichte, und sorgen so für schwere Schädigungen des Baumes.

„Ein Ende ist noch nicht absehbar, eine seriöse Schätzung ist daher noch nicht möglich“, sagt Schulenberg. In den kommenden Monaten könnten durchaus noch weitere Bestände angegriffen werden. Im Jahr 2018 mussten insgesamt zwei Mio. Kubikmeter Fichtenholz geschlagen werden.

Das wirkt sich natürlich direkt auf den Holzpreis aus. Aktuell liegt der Fichtenholz-Preis bei rund 50 Euro pro Festmeter Stammholz, normalerweise liegt der Preis im langjährigen Mittel bei 90 bis 95 Euro pro Festmeter. Stabil bleiben die Preise derzeit noch für Holzarten wie Lärche (90 Euro pro Festmeter), Buche (75 bis 80 Euro) und Eiche (100 bis 500 Euro). „Bei der Buche müssen wir noch abwarten. Der Sommer ist ja noch nicht vorbei. Bei der Fichte müssen wir mit weiterem Preisverfall rechnen“, sagt Schulenberg. Schon jetzt seien Produkte wie Paletten oder Industrieholz kaum noch absetzbar.

Borkenkäfer: Intensität ist extrem

Nicht zuletzt seien zusätzliche Kosten zur Bekämpfung der Schädlinge sowie für die Lagerung von Holzüberschüssen zu stemmen. „Diese zusätzlichen Aufwendungen werden ebenfalls erheblich sein“, sagt Schulenberg. Doch auch hierzu könnten aktuell noch keine konkreten Angaben gemacht werden, weil zunächst die weitere Entwicklung abgewartet werden müsste.

Sicher ist indessen: Der Befall mit Borkenkäfern ist derzeit mindestens so stark wie noch im Februar angenommen. Zwar habe die kühle Witterung im April und Mai die Entwicklung der Käfer etwas geschwächt, „aber die Intensität, mit der die Käfer derzeit den Wald angreifen, ist extrem“. Betroffen seien vor allem die Forstämter in Nord- und Osthessen, aber auch im Taunus, Odenwald und im Rheinischen Schiefergebirge. Schulenberg: „Im Grunde ist der Borkenkäfer in ganz Hessen, Deutschland und Mitteleuropa ein Problem – denn alle waren gleichermaßen von Trockenheit und auch von Stürmen betroffen.

Und wie sieht es in Zukunft aus? Wird das aktuelle Überangebot an Fichtenholz langfristig wieder zu einer deutlichen Verteuerung führen, nämlich dann, wenn möglicherweise erntereife Bäume knapp werden? „Das wird der Markt zeigen. Nach Extremereignissen hat es immer mehrere Jahre gedauert, bis sich die Preise wieder normalisiert hatten“.

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