Stand der Internetversorgung im Kreisgebiet

Internetausbau im Landkreis Kassel bleibt ein Flickenteppich

Kreis Kassel. Der Breitbandausbau im Landkreis Kassel geht voran, mehrere Kommunen werden weiter gefördert. Fragen und Antworten zu dem Thema. 

Im Landkreis Kassel tut sich einiges in Sachen schnelles Internet: Die Informationen zum Stand des Ausbaus in den Kommunen – realisiert durch diverse Anbieter – sorgt bei vielen Bürgern für Verwirrung. Um den Einblick zu erleichtern, haben wir mit dem Landkreis Kassel über den Stand der Internetversorgung im Kreisgebiet gesprochen.

Warum ist die Internetinfrastruktur in den Kommunen im Landkreis so unterschiedlich?

Der Internetausbau erfolgte nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Dort wo Unternehmen schnelles Internet für lohnend erachteten, wurde die Infrastruktur ausgebaut. Dies war zuerst in den Ballungszentren mit vielen potenziellen Nutzern der Fall – der ländliche Raum kam dabei zu kurz. Um dies zu ändern, wurden staatliche Förderprogramme aufgelegt.

Wann begann der Ausbau im Landkreis Kassel?

Von 2010 bis 2012 nutzte der Landkreis ein Förderprogramm des Landes Hessen mit dem 74 Ortsteile in 23 Kommunen (33 000 Haushalte) an ein DSL-Netz mit min-destens 16 Mbit/s angeschlossen wurden. Der Ausbau erfolgte über Richtfunkstre-cken mit unterirdischen Leitungen (zum Teil bereits Glasfaser). Dem Ausbau war ein Bieterverfahren vorausgegangen, das die Firma ACO aus Kassel gewonnen hatte.

Warum gibt es die Breitband Nordhessen ?

Da die Datenmengen im Internet ständig steigen, reicht der 2012 erreichte Standard nicht mehr aus. Deshalb entschieden sich die nordhessischen Landkreise Kassel, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner, die Breitband Nordhessen GmbH zu gründen.

Wo baut die Breitband Nordhessen GmbH aus?

Breitband Nordhessen darf nur dort ausbauen, wo kein anderer Anbieter bereits tätig war. Es gab Markterkundungsverfahren, um festzustellen, wo keine privaten Anbieter tätig sind oder dies vorhaben. Außerdem durften keine Bereiche einbezogen werden, die durch den vorangegangen geförderten Ausbau versorgt waren.

Auf der Internetseite www.breitband-nordhessen.de gibt es eine Übersicht, wo Breitband Nordhessen ausbaut und wie der Stand ist. Der nach einem Ausschreibungsverfahren ausgewählte Kasseler Anbieter Netcom Kassel übernimmt den Vertrieb für die Leistungsangebote (30 Mbit/s oder 50 Mbit/s; für Unternehmen bis zu 100 Mbit/s).

Wer beteiligt sich noch an der Breitbandinfrastruktur?

Mittlerweile haben auch private Unternehmen den ländlichen Raum als Geschäftsfeld entdeckt. Nachdem bereits in den vergange-nen Jahren besonders in den Kommunen im direkten Umfeld von Kassel und auch in den Kernbereichen von Wolfhagen und Hofgeismar private Anbieter tätig wurden und Orts- und Stadtteile ausbauten, die eigentlich zum Bereich der Breitband Nordhessen gehörten, hat sich zuletzt das Unternehmen Glasfaser Deutschland mit Angeboten für einzelne Kommunen gemeldet.

Vorraussetzung für den Ausbau ist dabei eine Mindestanzahl von Vertragsabschlüssen (40 Prozent der Haushalte). Ist die Hürde genommen, werden Anschlussgeschwindigkeiten zwischen 100 Mbit/s und 1000 Mbit/s realisiert.

Auch andere Anbieter sind aktiv: So will die Telekom in zwei Fuldabrücker Ortsteilen alle Haushalte mit bis zu 1000 Mbit/s anschließen.

Gibt es aktuell noch laufende Förderprojekte?

Gemeinsam mit elf Kommunen und für bisher noch nicht mit Glasfaser angeschlossene Schulen hat der Landkreis Fördermittel des Bundes und des Landes Hessen beantragt. Auch hier ist wieder ein Markterkundungsverfahren erfolgt.

Es handelt sich dabei um weitere Teile von Orts- und Stadtteilen, die bisher weder von der Breitband Nordhessen noch einem anderen Anbieter versorgt wurden. Dieser Förderantrag wurde bewilligt. Das Ministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur hat mittlerweile mitgeteilt, dass statt des beantragten und bewilligten Antrags ein „Upgrade“ möglich sei. Dies bedeutet, dass nicht nur bis zum Bordstein sondern auch bis direkt zum jeweiligen Gebäude mit öffentlicher Förderung ausgebaut werden könnte. Dieses „Upgrade“ wird der Landkreis nutzen.

Wie wird sich der Ausbau weiterentwickeln?

Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Anbieter mit Angeboten aktiv werden. Auch im Bereich der Bundesförderung ist zu erwarten, dass weitere Förderprogramme aufgelegt werden. Hilfreich wäre aus Sicht des Landkreises, dass bei den Förderprogrammen des Bundes die Grenze, ab der die Förderung für schnelles Internet einsetzt auf mindestens 50 Mbit/s (besser 100 Mbit/s) erhöht wird. Dieses Vorgehen hätte den Vorteil, dass auch die Orts- und Stadtteile, die bisher mit einem langsameren Angebot versorgt werden, von den Förderprogrammen profitieren könnten.

Rubriklistenbild: © Pixabay

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