Energiewende

Bürger-Energie Kassel & Söhre bringt Sonnenstrom ins Haus

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Rundum-Sorglos-Paket für den Klimaschutz: Die Bürger-Energie Kassel & Söhre hilft Hausbesitzern bei der Installation von PV-Anlagen für den eigenen Strombedarf. Bernd Eskuche aus Lohfelden-Vollmarshausen (links) hat davon Gebrauch gemacht und sich von Rainer Meyfahrt beraten lassen.

Als sich Familie Eskuche im Jahr 2017 dazu entschied, in Lohfelden-Vollmarshausen zu bauen, war klar: „Auf unser Dach kommt eine Fotovoltaikanlage“ (kurz: PV).

Kreis Kassel – Bernd Eskuche fand die Idee schon immer faszinierend, für den Eigenbedarf Strom zu erzeugen und dabei das Klima zu schonen. Nach seiner Meinung machen das in Kassel und im Landkreis immer noch viel zu wenig Hausbesitzer.

„Doch macht es der Gesetzgeber Leuten wie Eskuche nicht leicht“, sagt dazu Rainer Meyfahrt von der Bürger-Energie Kassel & Söhre. „Die bürokratischen und steuerrechtlichen Hürden sind immer noch hoch.“ So mancher schrecke deshalb davor zurück, sich eine PV-Anlage aufs Dach zu setzen, „was aber dringend erforderlich wäre, wenn wir die Energiewende schaffen wollen.“

Bernd Eskuche aber, schon seit 2013 Mitglied bei der Bürger Energie Kassel & Söhre, zögerte nicht. Er holte sich Hilfe bei den Energiegenossen. Denn tatsächlich bieten sie seit Kurzem Eigenheimbesitzern ein „Rundum-Sorglos-Paket“ an. Sie klären auf, sie informieren, planen und erledigen alle bürokratischen, steuerrechtlichen und finanzielle Dinge, wenn es um die Installation einer PV-Anlage aufs eigene Dach geht. „Wir wollen damit Eigenheimbesitzern die Entscheidung erleichtern“, sagt Meyfahrt.

Denn: Mit Blick auf private Hausdächer schlummere immer noch ein enormes Potenzial für die Installation von PV-Anlagen, sagt Meyfahrt. Ließe sich dieses Potenzial nutzen, wäre das ein Riesenschritt in Richtung Energiewende und Klimaschutz.

PV-Anlage gemietet, Sonnenstrom für den Haushalt: Via Laptop kann Bernd Eskuche genau verfolgen, wie viel Strom er gerade produziert und verbraucht. Foto: Boris Naumann

Vor genau zwei Jahren rannte Meyfahrt mit diesem Argument bei Bernd Eskuche offene Türen ein. Seit April stellt Eskuche nun sein Hausdach der Bürger-Energie Kassel-Söhre kostenfrei zur Verfügung. Diese wiederum finanziert die PV-Anlage und vermietet sie an Eskuche. Der Strom, den die Anlage erzeugt, gehört Eskuche. Einen Teil davon verbraucht er selbst und spart damit Geld. Statt der aktuell üblichen 30 Cent pro Kilowattstunde aus dem Netz zahlt er nun nur noch 12 Cent pro Kilowattstunde aus der Eigenproduktion. Strom, den er nicht benötigt, speist er ins Netz ein und erhält dafür von der EAM eine Einspeisevergütung von rund 10,4 Cent pro Kilowattstunde – und das 20 Jahre lang. Mit dieser Einnahme sowie mit den eingesparten Stromkosten finanziert er die Miete für die PV-Anlage auf seinem Dach.

Aber lässt sich damit Gewinn machen? „Unter dem Strich ist alles ein Nullsummenspiel“, sagt Eskuche, mit der PV-Anlage auf seinem Dach verdiene er kein Geld. „Aber ich weiß, dass ich etwas fürs Klima tue.“ In frühestens fünf Jahren wird er die Möglichkeit haben, die PV-Anlage komplett selbst zu übernehmen. Sie wird dann statt der ursprünglichen 8700 Euro nur noch 6525 Euro kosten, die Miete für die Anlage fällt dann weg. Zwar muss er sich dann wieder um alles selbst kümmern, aber das macht ihm nichts aus: „Den Betrieb der Anlage zu verwalten, ist nicht das Problem. Kompliziert war nur die ganze Bürokratie am Anfang.“

Wer sich für das Angebot der der Bürger-Energie Kassel & Söhre interessiert, kann sich unter Tel. 0561 / 45 03 576 oder via E-Mail unter info@be-kassel.de melden.

PV-Strom vom Dach: Ein erster Schritt Richtung Unabhängigkeit

Die PV-Anlage auf Bernd Eskuches Haus hat eine Spitzen-Leistung von 8,1 Kilowatt (kWp). Solch eine Anlage kostet heute rund 8700 Euro und erzeugt pro Jahr gut 8840 Kilowattstunden (kWh) Strom. Rechnerisch lassen sich damit zweieinhalb Haushalte versorgen. Eskuche produziert also mehr Strom, als er selbst verbraucht. Vor allem im Sommer macht sich das bemerkbar. 

Im Juni produzierte Eskuches Anlage 1353 kWh Strom, er verbrauchte aber nur 315 kWh. Im Winter (November, Dezember) dreht sich das Verhältnis um. Dann wird Eskuche aus dem Netz Strom zukaufen müssen, weil seine Anlage dann nicht mehr so viel Strom produziert (kurze Tage, niedriger Sonnenstand, oft schlechtes Wetter). Je mehr selbstproduzierten Strom er verbraucht, umso günstiger wird es. Interessant ist daher auch die Anschaffung eines Stromspeichers, um selbstproduzierten Strom nicht mit Verlust verkaufen, also einspeisen zu müssen, sondern ihn für sich für „dunkle Zeiten“ aufzuheben. 

Auch lässt sich mit einer PV-Anlage Mobilität neu denken. So lassen sich ein E-Auto oder E-Bikes über eine PV-Anlage aufladen. Wird ein durchschnittliches E-Auto mit 300 Kilometern Reichweite hauptsächlich für den Stadtverkehr genutzt (Tagesleistung zum Beispiel 30 Kilometer), muss der Wagen einmal pro Woche aufgeladen werden – zum Beispiel tagsüber am Sonntag. Der Zukauf von Netzstrom lässt sich somit weiter minimieren.

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