Hitzige Debatte über Gymnasialplätze

CDU-Antrag zu festen Kontingenten für Landkreis-Kinder an Kasseler Schulen abgelehnt

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Nicht jedes Kind bekommt seinen Wunsch auf einen Platz auf dem Gymnasium erfüllt. Darum streiten sich die Fraktionen im Kreistag. 

Ideologische Grabenkämpfe, soziale Spaltung, Klassenkampf – bei der Debatte um die Gymnasialplätze im Landkreis wurde jetzt im Kreistag über alle Parteigrenzen hinweg beim Vokabular gleich die ganz große Keule geschwungen.

„Man merkt, dass die Debatte einen gewissen Sprengstoff in sich hat“, bilanzierte Grünen-Fraktionsmitglied Edmund Borschel.

Die CDU-Fraktion hatte einen Antrag zur „Schaffung erforderlicher Gymnasialplätze“ eingereicht. Ziel des Antrags: Mit der Stadt Kassel zu verhandeln, feste und ausreichende jährliche Kontingente für Kinder aus dem Landkreis an städtischen Gymnasien zur Verfügung zu stellen. Um es vorwegzunehmen: Der Antrag wurde mit einer Mehrheit von Freien Wählern, Linken, SPD und Grünen abgelehnt. CDU, AfD und FDP stimmten dafür. Doch erst einmal lieferten sich die Fraktionen einen hitzigen Schlagabtausch.

Als Begründung für den Antrag erklärte Andreas Mock, Fraktionsvorsitzender der CDU, dass für den Großteil der Eltern, die sich für ihre Kinder einen Platz auf einem Gymnasium wünschten, ein Platz im gymnasialen Zweig der Gesamtschule keine Alternative sei. „Deshalb müssen wir schauen, ob wir mit der Stadt Kassel eine Lösung finden, wenn wir kein zweites grundständiges Gymnasium bekommen.“ Die Aufnahme an den Kasseler Gymnasien bedrohe dank steigender Schülerzahlen nicht die Gesamtschulen im Landkreis.

Heftigen Widerspruch bekam er von Petra Voß (SPD). „Nehmen sie bitte zur Kenntnis, dass alle Gesamtschulen ihre Kapazitäten nicht ausschöpfen.“ Im Schuljahr 2018/19 hätte es 286 freie Plätze in den 5. Klassen der Gesamtschulen im Landkreis gegeben. Die Diskussion sei ideologisch fehlgeleitet. „Das ist ein wirklich überflüssiger Antrag.“ Zumal es einen Lehrplan gebe, der am Gymnasium und an den Gymnasialzweigen der Gesamtschulen gleich sei, wie zuvor auch schon Malte Fehling von den Freien Wählern betont hatte.

Wie tief die Gräben zwischen den Fraktionen sind, ließ sich an den Reaktionen auf die Aussagen Klaus Albrechts (Linke) ablesen, der sagte, dass sich die soziale Spaltung in der Gesellschaft in den Schulen abbilde. „Die Vorstellung, dass auf dem Gymnasium eine Kaste unter sich ist, ist genauso ideologisch wie zu behaupten, dass die Durchmischung nur auf der Gesamtschule möglich ist“, erwiderte Björn Sänger (FDP). Der Elternwille müsse ernst genommen werden. In der ganzen Diskussion scheine durch, dass „die Eltern einen an der Waffel hätten“, wie Sänger es ausdrückte, wenn sie sich für ihr Kind einen Platz auf dem Gymnasium wünschten. „Das ist unglaublich arrogant.“ Man könne den Leuten nicht etwas verkaufen, was sie nicht wollten, und nahm dafür als Beispiel den VW Phaeton, dessen Produktion 2016 beendet wurde und der – anders als erwartet – keine Erfolgsgeschichte wurde.

Am Ende schaltete sich Landrat Uwe Schmidt (SPD) in die Debatte ein. Niemand versuche, das Gymnasium kaputtzureden. „Im Gegenteil, wir sind stolz auf das Lichtenberg Gymnasium, aber auch an unseren Gesamtschulen wird gute Arbeit gemacht.“ Denn: „Der Unterschied zwischen dem Phaeton und den Gesamtschulen ist, dass der Phaeton immer ein Ladenhüter war. Unsere Gesamtschulen sind das nicht.“

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