Mittel gegen plötzlichen Herztod 

Es kommt auf jede Minute an: Kreis-CDU fordert mehr Defibrillatoren

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Kennt sich mit Erster Hilfe aus: Sascha Mardorf, Ausbildungsleiter beim ASB Kassel, zeigt die Herz-Druck-Massage an einer Puppe und lässt den Automatisierten Externen Defibrillator zum Einsatz kommen. 

Defibrillatoren können Leben retten. Doch aus Sicht der CDU-Politiker im Landkreis Kassel ist der Kreis in Sachen Defis unterversorgt. Das will die Fraktion ändern. 

„Bleiben Sie ruhig und folgen Sie den Anweisungen“ – diese Worte aus dem AED (Automatisierter Externer Defibrillator) dürften vielen Menschen Sicherheit geben, wenn sie gerade neben jemandem knien, der nicht mehr ansprechbar ist und möglicherweise Kammerflimmern hat. In solchen Fällen können AED-Geräte Leben retten. Doch laut CDU-Kreisfraktion gibt es davon viel zu wenige im Landkreis Kassel. Sie fordert „eine flächendeckende Versorgung“. Doch wie ist die Defi-Abdeckung in der Region? Wo ist Handlungsbedarf? Wir haben bei CDU, Landkreis und ASB nachgefragt.

Das sagt die CDU

In ihrem Antrag für die nächste Kreistagssitzung stellt die CDU-Fraktion eine klare Forderung: Um die Gefahr des plötzlichen Herzstillstands zu verringern, müsste in jeder öffentlich zugänglichen kommunalen Einrichtung im Landkreis ein Defibrillator zur Verfügung stehen, heißt es von der sozialpolitischen Sprecherin Anna-Lena Habel. Und zwar so, dass jeder jederzeit an die Geräte herankommen könnte. Das sei aktuell nicht der Fall. Der CDU sei bewusst, dass die Bereitstellung von Defibrillatoren in vielen Kommunen bereits auf einem guten Weg sei. „Allerdings sind wir kreisweit noch deutlich von einer flächendeckenden Versorgung entfernt.“ Zwar sei der Landkreis nur für die Defis seiner Liegenschaften verantwortlich und nicht für die Geräte an rein kommunalen Gebäuden. Doch die übergeordnete Behörde sollte mit „gutem Beispiel vorangehen“.

Das sagt der Landkreis

„Wir haben vier Defibrillatoren in drei Gebäuden“, sagt Landkreissprecher Harald Kühlborn auf HNA-Anfrage. Damit bestehe keine vollständige Abdeckung an den Liegenschaften, die der Landkreis unterhält, wie beispielsweise Schulen und Sporthallen. „Es wäre sinnvoll, an jedem unserer Gebäude einen jederzeit zugänglichen AED anzubringen.“ Kühlborn gibt aber zu bedenken, dass die Anschaffung eines AED-Gerätes mindestens 1200 Euro koste, plus Wartungs- und Instandhaltungskosten. Dennoch halte er das Vorhaben in einem Zeitraum von fünf Jahren für realistisch.

Das sagt der ASB

Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) führt eine Liste über die AED-Geräte in der Region (Südniedersachsen und Nordhessen), die in der App „Kassel schockt“ (Hintergrund) zu finden ist: „Wir haben aktuell 235 Geräte in unserem Verzeichnis“, sagt ASB-Geschäftsführer Michael Görner. Davon sind 124 im Landkreis Kassel und 71 in der Stadt. Görner bewertet die AED-Abdeckung im Altkreis Kassel schon als sehr gut. „Weiße Flecken haben wir allerdings in den Altkreisen Wolfhagen und Hofgeismar. Je nördlicher und westlicher man kommt, desto schlechter ist die Versorgung.“ ASB-Ausbildungsleiter Sascha Mardorf fügt hinzu: „Der CDU-Vorstoß, mehr Defis zu verlangen, ist also in der Sache gut.“ Schließlich entschieden bei Herz-Kammerflimmern Minuten über Leben und Tod. Deswegen sei es gerade in den dünner besiedelten Gebieten wichtig, die Abdeckung zu verbessern, „denn Rettungskräfte brauchen deutlich länger, um dort hinzukommen.“ Es sei wünschenswert, dass Landkreis und Kommunen für mehr Defis sorgten, sagt Görner, „aber auch Bürger und Sportvereine sollten sich daran beteiligen.“

Über den CDU-Antrag zum Thema Defibrillatoren in Landkreis und Stadt Kassel wird in der kommenden Kreistagssitzung diskutiert. Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 28. Februar, im Bürgersaal Weimar, Dörnbergstr. 23, in Ahnatal ab 13 Uhr statt.

Fragen und Antworten: So funktionieren Defibrillatoren

In welchen Fällen ist der Einsatz von Defibrillatoren notwendig? So funktionieren die Geräte. 

Wann wird ein automatisierter Defibrillator (AED) gebraucht? 

Wenn ein Mensch Herzrasen (Kammerflimmern) bekommt, führt das bei Nicht-Behandlung zum sofortigen Herz-Kreislaufstillstand und zum Herztod. Dieser gilt als häufigste Todesursache in Deutschland. Jährlich sterben daran bis zu 100.000 Menschen. 

Wie muss man reagieren? 

Die einzige Behandlung ist eine frühzeitige elektrische Defibrillation, also ein Elektroschock. Der Stromstoß bewirkt, dass das flimmernde Herz wieder in einen Rhythmus kommt und Körper und Gehirn mit Blut und Sauerstoff versorgen kann. 

Wann weiß man, dass ein AED gebraucht wird? 

Der AED sollte eingesetzt werden, wenn eine Person leblos, über acht Jahre alt und schwerer als 35 Kilogramm ist. „Eine leblose Person erkennt man daran, dass sie sich nicht bewegt, nicht auf Ansprechen oder Berühren reagiert und nicht atmet“, heißt es seitens des ASB. 

Das sind die nächsten Schritte? 

Zuerst sollte man prüfen, ob die Person bewusstlos ist, atmet oder mit ihrer Atmung etwas nicht stimmt. Dann sollte man schnell einen Notruf absetzen oder absetzen lassen und mit der Herzdruckmassage in der Mitte der Brust beginnen (Brustbein fünf bis sechs Zentimeter runterdrücken und zwei Mal pro Sekunde wiederholen). Wichtig ist eine Herzdruckmassage, damit das Blut im Körper mitsamt Sauerstoff weiter zirkuliert. Aufhören sollte man erst, wenn Hilfe eintrifft. 

Wie funktioniert ein AED? 

Das Gerät ist batteriebetrieben und selbsterklärend. Nach dem Einschalten (grüne Taste) können die Elektroden auf die Brust des Opfers aufgeklebt werden (genaue Positionen sind auf den Elektroden aufgezeichnet). Das Gerät analysiert dann automatisch den Herzrhythmus. Wird ein lebensgefährliches Herzrasen festgestellt, fordert das AED über Sprachanweisung zum Schock auf (rote Taste).

Wo der nächste Defibrillator zu finden ist, sagt die App „Kassel schockt“ des ASB.

Im Notfall den nächsten Defi finden

Ob im Notfall schnell genug ein Defibrillator zur Hand ist, kann über Leben und Tod entscheiden. Doch woher weiß ein Helfer, wo sich das nächste entsprechende Gerät befindet? Dabei hilft die kostenfreie App „Kassel schockt“ des ASB-Regionalverbands Kassel Nordhessen. 

Über die App haben Benutzer die Möglichkeit, auf einer Karte den nächsten Defi zu sehen und zu erkennen, ob er aktuell öffentlich zugänglich ist. Aktuell sind 235 Defis darin eingetragen. Ebenso lässt sich über das Programm ein Notruf absetzen. Obendrein bietet die App kurz und bündig Tipps rund um das Thema Erste Hilfe. Für Android-Geräte ist die „Kassel-schockt“-App im Google Play Store und für Apple-Geräte im App Store erhältlich. Es können sich übrigens auch Kommunen oder Firmen melden, die einen Defibrillator registrieren möchten. Dafür gibt es online ein Anmeldeformular: www.kassel-schockt.de

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich an den ASB in Kassel wenden, Tel. 0561/728 000, per Fax. 0561/728 00 60 oder per E-Mail an info@kassel-schockt.de

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