Dadurch werden auch die Preise für Lebensmittel reguliert

Damit sich Landwirtschaft lohnt: EU zahlt jedes Jahr 20 Millionen Euro Agrarsubventionen für den Landkreis

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Nicht nur vom Wetter abhängig: Unter anderem als Ausgleich für den stark schwankenden Markt, mit dem die Landwirte Jahr für Jahr zu tun haben, gibt es Fördergeld von der EU. Unser Archivfoto zeigt, wie bei heißem Wetter auf einem Feld bei Calden Wintergerste gedroschen wird.

Kreis Kassel – Auch in diesem Jahr kommen wieder knapp 30 Millionen Euro von der EU in der Region an. Etwa zwei Drittel der Fördersumme und damit der dickste Brocken fließt in die Landwirtschaft. Diese Zahl gab jetzt Harald Kühlborn vom Landkreis Kassel auf Anfrage der HNA bekannt.

„Der größte Betrag geht über die sogenannten Direktzahlungen an die Landwirte, darüber hinaus gibt es noch kleinere Förderprogramme, die bei verschiedenen Dingen greifen können“, erklärt Kühlborn. „Das kann zum Beispiel Geld für den Bau eines neuen Viehstalls sein oder für besonderes Engagement im Umweltschutz.“

Das Fördergeld ist laut Kreisbauernverband Kassel sehr wichtig für die Landwirte. „Diese Zahlungen machen ungefähr die Hälfte ihres Einkommens aus“, sagt Geschäftsführer Reinhard Schulte-Ebbert. Das Geld sei unter anderem ein Ausgleich für einen sehr stark schwankenden Markt. „Die Preise können auch mal 50 Prozent rauf oder runter gehen, durch das Fördergeld wird diese Situation für die Landwirte etwas erträglicher.“ Ohne Hilfe sei es denkbar, dass manche Bauern nicht weitermachen würden, weil sich die Arbeit für sie dann nicht mehr lohnen würde.

Durch diese festen Beihilfen werden auch die Preise für die Verbraucher reguliert“, erklärt Martin Geldmacher vom Fachbereich Landwirtschaft des Landkreises Kassel. „Ein Wegfall dieser Subventionen würde vermutlich eine Erhöhung der Lebensmittelpreise nach sich ziehen.“ Das bestätigt auch der Kreisbauernverband.

Beim Anspruch auf die Direktzahlungen ist es egal, ob es um Ackerland, Grünland oder Dauerkulturen geht. Voraussetzung ist nur, dass der Landwirt mindestens einen Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet. „Pro Hektar gibt es 170 Euro, dazu kommt noch die sogenannte Greeningprämie (etwa 85 Euro pro Hektar) und die Umverteilungsprämie, (jeweils 50 Euro für die ersten 30 Hektar, für die folgenden Landstücke 30 Euro je Hektar)“, sagt Geldmacher. Diese Prämie wird bis zum 46. Hektar bezahlt. Das ist eine Fläche von fast 65 Fußballfeldern. Wer mehr Fläche hat, bekommt darüber hinaus keine Prämie mehr.

Laut aktuellen Zahlen gibt es im Landkreis Kassel 447 Betriebe mit unter zehn Hektar landwirtschaftlicher Fläche, 144 Betriebe mit mehr als 100 Hektar und 37 Betriebe mit mehr als 200 Hektar Fläche. „Oft sind die Flächen der Landwirte zersplittert, also eher klein parzelliert“, sagt Geldmacher. „Große, zusammenhängende Landstücke, die von ein und demselben Bauern bewirtschaftet werden, gibt es in der Region seltener.“

Viele Flächen seien auch gepachtet und gehören gar nicht dem, der sie bewirtschaftet. Das sei auch ein Grund, warum die Hilfe der EU so wichtig für die Bauern ist. „Die Fördersumme reicht dann vielleicht gerade, um die Pacht zu zahlen.“ Die Summe, die ein Landwirt von der EU erhalte, sage also nichts darüber aus, wie es dem Betrieb wirtschaftlich geht.

Laut dem Kreisbauernverband ist die historische Begründung für eine Förderung der Landwirtschaft, die Sicherstellung der Ernährung. „In der Nachkriegszeit herrschte schlicht die Sorge, die Leute überhaupt sattzubekommen“, sagt Schulte-Ebbert. Die Begründung heute sei die Sicherstellung der Einhaltung europäischer Standards. „Landwirte müssen über 140 europäische Verordnungen befolgen, insbesondere die Einhaltung von Umweltauflagen. Der Weizenpreis wird aber nicht in der EU gemacht, sondern in Chicago“, sagt Schulte-Ebbert. Die Förderung sei also auch dafür ein Ausgleich.

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