Wartung, starker Wind und Kosten

Der Wind bläst, die Rotoren stehen: Darum drehen Windräder manchmal nicht

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Luftige Höhe: Unser Bild zeigt Windrad im Windpark Söhrewald/Niestetal, dass ebenfalls von den Städtischen Werken Kassel betrieben wird.

Im Herbst gibt’s bekanntlich viel Wind. Umso erstaunlicher ist es dann, wenn trotz stetiger Brise Windkraftanlagen nicht laufen. Warum ist das so?

Ein Leser hatte laut eigenen Angaben mehrfach im Kaufunger Wald beobachtet, dass Anlagen still standen. Wir haben bei den Städtischen Werken Kassel nachgefragt, die über den Windpark Stiftswald neun Anlagen im Kaufunger Wald betreibt und an 20 weiteren Anlagen im Landkreis Kassel beteiligt sind.

Wann laufen die Anlagen nicht, beziehungsweise werden aus dem Wind gedreht?

Die Räder springen ab einer Geschwindigkeit von drei Metern pro Sekunde (10,8 Kilometer pro Stunde) an. Bei weniger Wind stehen sie still. Die Vestas V112 im Windpark Söhrewald/Niestetal arbeiten bis 25 Meter pro Sekunde (90 km/h), die Anlagen des Typs Enercon E115 bis 34 Meter pro Sekunde (rund 122 km/h). Bläst der Wind stärker, müssen die Maschinen weggedreht werden, um zu starke Belastungen zu vermeiden.

Wartung der Windräder

Wie sieht’s mit Wartungen aus?

Auch bei Wartungsarbeiten werden die Anlagen abgestellt. Laut Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke Kassel, prüfen die Hersteller die Anlagen mindestens zwei Mal pro Jahr. Außerdem werden regelmäßige Inspektionen durchgeführt.

Gibt’s in den windigeren Monaten mehr Überprüfungen?

Nein, die Wartungen sind eher für die windschwächere Zeit vorgesehen. Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Weiterhin ist es für die Wartungsteams in den windärmeren Monaten schlichtweg angenehmer, ihren Job zu machen. Sonst sind sie an der Gondel zu krassen Witterungen ausgesetzt.

Müssen die Anlagen auch abgeschaltet werden, wenn bereits zu viel Windstrom im Netz ist?

Nein. Der Strom, den die Windkraftanlagen erzeugen, wird zu 100 Prozent direkt von den Verbrauchern im Oberzentrum Kassel verbraucht. Die Last im Kasseler Netz nimmt den Strom aus den Anlagen problemlos auf.

Wie viel Strom produzieren Windräder?

Ab welchem Windtempo laufen die Räder am besten?

Die Nennleistung (3000 kW oder auch 3 MW) beider Typen wird ab zwölf Metern pro Sekunde Windtempo erreicht. Bis 90 Stundenkilometer laufen sie laut Pijanka am besten. Wird der Wind stärker, reduzieren Anlagen vom Typ Enercon E-115 ihre Leistung langsam, produzieren aber weiter.

Wie teuer ist ein Windrad eigentlich und wie viel Strom produziert es?

5,5 bis 6 Millionen Euro haben die bestehenden Anlagen jeweils gekostet. Inklusive aller Arbeiten wie Zufahrtsstraße und Netzanschluss. Über die jährlichen Unterhaltungskosten könne keine allgemeingültige Aussage gemacht werden, sagt Pijanka.

Wie viel ein Strom Windrad produziert, hängt vom Standort ab. Über den Daumen gepeilt sind es laut Pijanka aber jährlich rund acht Gigawattstunden. Das reicht etwa für 3200 Haushalte.

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