Organisierte Kriminalität

Luxusautos im Visier von Banden im Kreis Kassel - Sicherheitslücke im Schließmechanismus

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Oft eine Sicherheitslücke: Autodiebe haben es zunehmend auf Fahrzeuge mit dem Schließmechanismus „Keyless Go“ abgesehen.

Auf hochwertige Luxusautos haben es organisierte Diebesbanden im Landkreis Kassel abgesehen. Besonders beliebt sind Geländewagen, SUVs, Sportwagen und Limousinen der Marken VW, Audi, Mercedes und BMW.

Jetzt konnte die Polizei eine fünfköpfige mutmaßliche polnische Diebesbande in der Region festnehmen, die sich auf teure Autos spezialisiert hatte. „Die Tatverdächtigen waren uns an verschiedenen Stellen ins Netz gegangen“, berichtet Polizeisprecher Matthias Mänz.

Während des Einsatzes in der Nacht zu Donnerstag konnten drei kurz zuvor in Besse (Schwalm-Eder) gestohlene hochwertige VW T5 im Gesamtwert von 150.000 Euro beschlagnahmt werden. Die Fahrzeuge waren vermutlich auf dem Weg ins Ausland. Die Fahrer wurden festgenommen. 

„Zwei weitere mutmaßlich der Bande angehörende Täter, die mit einem polnischen Auto unterwegs waren, nahmen Polizeibeamte in Edermünde fest“, sagt Mänz. Bei den beiden Männern handelt es sich um einen 34- und einen 36-Jährigen. Zwei der gestohlenen Fahrzeuge konnten auf den Autobahnen in Nordhessen und Südniedersachsen gestoppt werden. Das dritte Fahrzeug, ein VW T5 Caravelle, konnte am Donnerstagmittag an der deutsch-polnischen Grenze angehalten und ein Tatverdächtiger festgenommen werden. 

T5 Multivan aufgebrochen und Zündschloss manipuliert

Nach ersten Erkenntnissen hatten die Täter die Wagen offenbar mit einem speziellen Werkzeug aufgebrochen und das Zündschloss manipuliert.

Einen der VW, ein in der Franz-Liszt-Straße in Besse gestohlener weißer T5 Multivan, hatte die Polizei bei der Großfahndung gegen 3.30 Uhr auf der Autobahn 49, zwischen den Anschlussstellen Baunatal-Nord und Kassel-Niederzwehren gestoppt und den 30-jährigen Fahrer festgenommen. Der zweite in der Großenritter Straße in Besse gestohlene Wagen, ebenfalls ein VW T5 Multivan, ging einer Streife der Polizeidirektion Göttingen kurz darauf auf der A 7 ins Netz. Sie nahmen den Fahrer, einen 26-Jährigen, ebenfalls fest.

Autos im Wert von 220.000 Euro gestohlen 

Seit Anfang Oktober wurden allein im östlichen Altkreis vier Autos im Gesamtwert von rund 220.000 Euro gestohlen. Offenbar nutzen die Autodiebe bevorzugt die gute Autobahnanbindung aus. Das bestätigt auch der Polizeisprecher: „Autobahnnähe ist ein Kriterium, außerdem kundschaften die Täter die Orte aus, bevor sie zuschlagen.“ Deshalb – betont Mänz – sei es immens wichtig, dass sich Zeugen melden, wenn sie etwas beobachten, beispielsweise ein verdächtiges Fahrzeug mit osteuropäischem Kennzeichen. Diese Hinweise hätten in der Vergangenheit schon oft dazu beigetragen, mutmaßliche Täter zu ermitteln. „Im Zweifel immer den Notruf 110 wählen." 

Bei den im östlichen Altkreis gestohlenen Fahrzeugen handelt es sich um die SUVs BMW X5 und Audi Q7. In diesen Fällen hatten die Täter eine Sicherheitslücke beim Schließmechanismus „Keyless Go“ ausgenutzt.

Nordhessenweit ist die Zahl der Autodiebstähle in diesem Jahr auf einem ähnlich hohen Niveau wie 2017 (159 Fälle). Im Jahr 2013 war die Zahl der Straftaten mit insgesamt 245 Fällen noch deutlich höher.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Sicherheitslücke "Keyless Go"

Komfort-Schließsysteme wie Keyless Go erlauben es Autofahrern ohne aktive Benutzung des Schlüssels (engl. „keyless“) ihr Gefährt zu entriegeln und das Auto durch Drücken eines Knopfs zu starten. Diese Technologie macht Fahrzeuge laut Polizei mitunter aber anfällig für Diebstahl mit Funkwellenverlängerern. 

Und das funktioniert so: Ein Dieb steht an der Fahrertürmit einem Gerät, der andere in der Nähe des Schlüssels, dessen Signal weitergeleitet werdensoll. Die Tipps der Polizei, umsich zu schützen: 

  • Der Abstellplatz des Autos sollte sorgfältig ausgewählt werden: am besten sind abschließbare Garagen und helle, videoüberwachte Parkplätze. 
  • Der Schlüssel sollte nicht in der Nähe der Haus- oder Wohnungstür oder an Fenstern abgelegt werden.
  • Der Schlüssel kann zum Schutz in einem Schlüsseltresor, einem speziellen Schlüsselmäppchen oder schlicht in Alufolie aufbewahrt werden. 
  • Bei einigen Modellen kann der Komfortzugang temporär oder dauerhaft deaktiviert werden. Hersteller oder Fachwerkstatt wissen mehr.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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