Nahverkehr

Doch bald wieder Regiotram im Lossetal? NVV lotet Möglichkeiten weiter aus

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Noch nicht vom Tisch: Der NVV hält weiterhin an der Reaktivierung der Regiotram-Linie R2 durch das Lossetal von Kassel bis nach Hessisch Lichtenau fest. Allerdings müssen noch viele Fragen geklärt werden. Unser Bild zeigt eine Regiotram der Linie 1 am Bahnhof Hümme.

Auch wenn es 2017 so aussah, als sei die Reaktivierung der Regiotram-Strecke durch das Lossetal (Linie RT 2) gestorben, hält der NVV an den Plänen fest.

Der Nordhessische Verkehrsverbund sucht weiter nach Lösungen, um doch wieder eine Regiotram auf der 25 Kilometer langen Strecke von Kassel bis nach Hessisch Lichtenau als Ergänzung zum jetzigen Straßenbahnangebot (Linie 4) pendeln zu lassen.

„Aktuell laufen weitere Untersuchungen, um eine optimale Lösung zu finden“, bestätigt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Noch vor zwei Jahren hatte sich gezeigt, dass der NVV über nicht genug Hybridzüge mit Diesel- und Elektroantrieb verfügt, um diese Strecke zu bedienen. 

Der Zukauf von weiteren Hybridzügen war damals nicht möglich gewesen, weil für die Lossetalstrecke geeigneten Modelle nicht mehr gebaut wurden. Aktuell sind auf der Lossetalstrecke noch Hybridzüge notwendig, weil ein Teilstück zwischen Niederkaufungen-Mitte und Bahnhof-Oberkaufungen (Expressstrecke) nach wie vor nicht elektrifiziert ist.

Beauftragung von Kleinstserien stets sehr teuer

„Derzeit halten wir immer noch Ausschau nach anderen Zugmodellen, die auf der Strecke fahren könnten“, sagt Herms. Zu beachten sei dabei aber, dass der Bau und die Beauftragung von Kleinstserien stets sehr teuer seien. Zudem müssten komplizierte Zulassungskriterien erfüllt sein, zumal die Regiotramzüge nicht nur auf Überlandstrecken, sondern auch in der Stadt Kassel fahren sollen.

Derzeit werde geprüft, ob sich Hersteller finden, die adäquate Angebote machen können. Darüber hinaus werde ermittelt, in wieweit die vorhandene Strecke technisch nachrüstbar ist, um einen Regiotram-Verkehr beschleunigt, aber dennoch sicherer abwickeln zu können.

 „Eine Überlegung ist auch, statt des Zukaufs neuer Hybridzüge die Expressstrecke zwischen Niederkaufungen-Mitte und Bahnhof-Oberkaufungen nachträglich zu elektrifizieren“. Das mache die Anschaffung teurer Hybridzüge überflüssig, und sei deshalb womöglich der preiswertere Weg. „Auch dieser Sache gehen wir gerade nach.“

Tatsächlich handele es sich bei der geplanten Reaktivierung um ein Großprojekt, das stets im Kontext mit anderen Entwicklungen des NVV gedacht werden müsse. „Wir gehen zurzeit davon aus, dass wir die aktuell noch offenen Fragen bis Ende 2020 geklärt haben werden“, sagt Herms. Erst danach käme die Detailplanung mit dem Finanzierungskonzept, und dann der Bau der Infrastruktur an die Reihe – oder alternativ die Ausschreibung und Beschaffung von Neufahrzeugen. „Alle Verfahren dazu haben lange Vorläufe und müssen eine dauerhafte Finanzierung als Grundlage haben“.

Regiotram-Betrieb wurde im Juli 2017 eingestellt

Im Juli 2017 war der Regiotram-Betrieb nach nur eineinhalb Jahren eingestellt worden. Grund: Die Regiotram-Züge mussten wegen erhöhter Dringlichkeit auf der Strecke von Kassel nach Treysa eingesetzt werden (RT 9). Zuletzt war auf der Lossetalstrecke montags bis freitags noch ein Morgenzug gefahren, der vor allem Berufspendler von Hessisch Lichtenau nach Kassel brachte. 

Um die Fahrzeit zu verkürzen, wurden in Kaufungen mehrere Haltestellen ausgelassen. Ein eigens für rund 300.000 Euro saniertes Expressgleis der früheren Waldkappeler Bahn unweit des Steinertsees erlaubte es, an einem Teil Kaufungens vorbeizufahren. Dieses Teilstück ist bis heute nicht elektrifiziert, was den Einsatz von Hybrid-Zügen mit Diesel- und Elektroantrieben immer noch erforderlich macht. 

Die Lossetalstrecke war im Jahr 2006 komplett reaktiviert worden. Sie führte zu einer deutlichen Verbesserung des ÖPNV in den Anliegergemeinden Kaufungen. Helsa und Hessisch Lichtenau. Die KVG mit ihrer Tochterfirma RBK fährt dort aktuell im Auftrag des NVV ein Straßenbahn-Angebot, insbesondere zu Hauptverkehrszeiten mit einem Halbstunden-Takt ab Helsa und noch engeren Tramangeboten ab Kaufungen.

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