Verband warnt vor Apothekensterben

Ein Drittel der 60 Apotheken-Inhaber im Kreis Kassel wird bald das Rentenalter erreichen

Kreis Kassel – Der Hessische Apothekerverband schlägt Alarm: Die Zahl der Apotheken sinkt. Mehr Apotheken-Inhaber denn je nähern sich dem Rentenalter und suchen Nachfolger. So auch in der Region, sagt Katja Förster vom Apothekerverband.

„Die Apothekendichte im Kreis Kassel liegt leicht unter dem Durchschnitt der Landkreise. „Ein Geschäft versorgt hier 3970 Einwohner“, erklärt Förster. Gleichzeitig liege das Alter der Apothekeninhaber leicht über dem hessischen Durchschnitt von fast 63 Jahren. Ein gutes Drittel der knapp 60 Inhaber im Landkreis Kassel werde voraussichtlich in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter erreichen.

„Viele Jung-Apotheker ziehen allerdings das Angestelltenverhältnis der Selbstständigkeit vor und wollen weder eine Apotheke gründen, noch übernehmen“, sagt Förster. „Mehr und mehr entscheiden sich stattdessen für eine Tätigkeit in der Pharmaindustrie. Das ist ein Problem.“ Unterstützung bekommen die Vor-Ort-Apotheken deshalb nun von Landräten und Bürgermeistern aus ganz Deutschland. Auch Uwe Schmidt, Landrat im Kreis Kassel, ist dabei. Ein Plakat mit einem Foto von ihm und dem Schriftzug „Unverzichtbar, sichere Perspektive für junge Apotheker“ hängt bereits am Hauptbahnhof in Berlin. In den nächsten Tagen erhalten die Apotheken im Landkreis ebenfalls Plakate mit der Aufschrift.

„Für uns sind Apotheken ein ganz wichtiger infrastruktureller Faktor“, sagt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel. „Sie erfüllen eine Beratungsfunktion für den Bürger. Das Internet leistet dies nicht.“ Mit der Teilnahme an der Plakatkampagne wolle man die Menschen in den Orten für das Thema sensibilisieren.

Gründe, warum sich viele Jung-Apotheker nicht mehr selbstständig machen wollen, seien vor allem ordnungspolitische Rahmenbedingungen. „Es fehlt an Planungssicherheit“, sagt Katja Förster. Durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2016, wonach sich ausländische Arzneimittelversender nicht mehr an die einheitlichen Preise für rezeptpflichtige Medikament halten müssen, seien unfaire Wettbewerbsbedingungen zu Lasten der öffentlichen Präsenzapotheken entstanden. Auch die Unklarheit, wie sich die Vergütung in der Zukunft entwickeln wird, spiele eine Rolle, sagt Förster vom Apothekerverband. 

Rubriklistenbild: © dpa

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