Notfallversorgung

Ersthelfer sollen für Tempo sorgen

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Das Deutsche Rote Kreuz ist bislang die einzige Organisation im Landkreis Kassel, die sogenannte First-Responder-Einheiten (Voraus- oder Ersthelfer-Einheiten) eingerichtet hat. Unser Bild zeigt die Ersthelfer Timo Jassmann und seine Frau Patricia. Als Ersthelfer sind sie im Bereich Naumburg unterwegs.

Kreis Kassel: Die Kreis-CDU will die Rettungsdienste bei der Einhaltung der Hilfsfrist durch den vermehrten Einsatz von Voraus- oder Ersthelfer-Einheiten unterstützen.

Ersthelfer-Einheiten sind schneller vor Ort und überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Erste-Hilfe-Maßnahmen.

Hintergrund ist, dass immer noch rund 5,6 Prozent aller Rettungsfahrten die vorgeschriebene Zehn-Minuten-Frist nicht einhalten können. Die Hilfsfrist ist die Zeit, die zwischen dem Eingang eines Notrufs in der Rettungsleitstelle bis zum Eintreffen der Rettungskräfte am Einsatzort vergeht. Laut Vorgabe müssen innerhalb von zehn Minuten 90 Prozent aller Einsätze ihren Zielort erreicht haben, binnen 15 Minuten mindestens 95 aller Einsätze. Während aktuell die 15-Minuten-Frist sogar in 96,5 Prozent aller Fälle eingehalten wird, ist dies bei der Zehn-Minuten-Frist nur in 84,4 Prozent der Fälle der Fall.

„Dabei zählt doch jede Sekunde, die die Einsatzkräfte früher beim Notfallpatienten sind, um helfen zu können“, sagt Anna-Lena Habel, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Kreistagsfraktion. Keinen Handlungsbedarf gibt es hingegen bei der 15-Minuten-Hilfsfrist.

Zwar stehe im Landkreis schon ein optimiertes Versorgungsnetz für die Notfallversorgung zur Verfügung. „Jedoch wäre eine Erweiterung wünschenswert“, sagt Habel. Weitere Voraushelfer-Einheiten könnten im Landkreis verteilt stationiert werden, um die räumliche Distanz zu potenziellen Einsatzorten zu minimieren. „Auf diese Weise können lebensrettende Erstmaßnahmen schon zwei bis fünf Minuten vor Eintreffen des eigentlichen Rettungsdienstes am Patienten durchgeführt werden“, sagt Habel. Diese Einsatzkräfte seien meist ehrenamtliche Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Feuerwehren und leisteten diese Erstmaßnahmen im Rahmen der satzungsmäßigen Aufgaben ihrer Organisation.

Bessere Erreichbarkeit für Rettungsdienste im Landkreis

Mit ihrem Vorstoß will die Kreis-CDU vor allem abseits gelegene und dünner besiedelte Teile des Landkreises für den Rettungsdienst besser erreichbar machen. „Weil hier die Entfernungen zwischen den Rettungsstationen und den potenziellen Einsatzorten größer ist als in den Ballungsgebieten, gewinnt gerade in diesen Bereichen des Landkreises der Einsatz von Voraushelfer-Einheiten stark an Bedeutung.“ In diesem Sinne sei es auch erforderlich, Hilfsorganisation, die solche Ersthelfer-Einheiten vorhielten, finanziell zu unterstützen. Einen entsprechenden Antrag will die CDU-Kreistagsfraktion im nächsten Kreistag einbringen.

Der nächste Kreistag findet am Montag, 8. April, von 13 bis 18 Uhr im „Haus des Gastes“ in Naumburg am Hattenhäuser Weg 10 statt. Die Sitzung ist öffentlich und kann von jedermann besucht werden.

Ersthelfer bislang nur in Naumburg und Zierenberg

Aktuell sind im Rettungsdienstbereich Kassel (Kassel und Landkreis Kassel) neben der Feuerwehr Kassel vier Hilfsorganisationen mit der Durchführung des Rettungsdienstes beauftragt – der ASB-Regionalverband Nordhessen (mit neun Rettungswachen), der DRK-Rettungsdienst (drei Rettungswachen), das DRK-Hofgeismar (drei Rettungswachen) sowie der JUH-Regionalverband Kurhessen (zwei Rettungswachen). Aktuell hält nur der DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen in Naumburg (DRK-Ortsverband Naumburg) und in Zierenberg (DRK-Ortsverband Zierenberg) Helfer vor Ort vor, die von der Leitstelle Kassel alarmiert werden. Hilfsorganisationen, die solche Ersthelfergruppen eingerichtet haben, tun dies freiwillig und ohne Rechtsanspruch.

 Die Verfügbarkeit ist bislang allein von den ehrenamtlichen Möglichkeiten der Mitglieder abhängig. Laut Erlass des Hessischen Sozialministeriums muss ein Ersthelfer eine Ausbildung zum Voraushelfer absolviert haben. Zur Ausstattung eines Voraushelfers zählen unter anderem eine Beatmungshilfe, eine Sanitätsausstattung und optional ein Defibrillator. Das Land sieht eine Unterstützungspauschale von lediglich 150 Euro pro Jahr pro Voraushelfergruppe vor. „Es funktioniert nicht, solche Gruppen einfach anzuordnen“, heißt es beim Landkreis. So sei die Etablierung von Ersthelfer-Einheiten von den Hilfsorganisationen selbst und den jeweiligen Wohnorten der Helfer abhängig. „In den letzten Jahren haben wir kontinuierlich daran gearbeitet, die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern“, sagt Kreis-Sprecher Harald Kühlborn. „Wir haben neue Rettungswachen beauftragt, so in Calden, Vellmar, Kaufungen und Kassel-Bettenhausen. Weiterhin setzen wir auf ein Mehrzweckfahrzeugsystem, um alle im Landkreis und der Stadt Kassel eingesetzten Fahrzeuge zu jeder Zeit für akute Notfälle einsetzen zu können. Und nicht zuletzt wenden wir eine flexible Fahrzeugstandortstrategie an, um dem aktuell hohen Einsatzaufkommen Herr zu werden.“ 

Eine Ausweitung des Ersthelfer-Systems im Landkreis mache eine intensive Abstimmung mit allen Beteiligten (Leitstelle, Rettungsdienste, Notärzte) erforderlich, um über Bedarfe und sinnvolle Förderungen zu diskutieren. Landespolitisch sei schon jetzt klar, dass damit keine Parallelstruktur mit eigenem Finanzierungsanspruch aufgebaut werden soll. Doch erkennt die Kreisverwaltung auch: „Tatsächlich erhöhen Voraushelfer-Einheiten die Motivation der ehrenamtlichen Helfer und sie bringen effektiv für den Patienten ein besseres Ergebnis“. Das sei inzwischen wissenschaftlich erwiesen.

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