Händler wollen nichts verschwenden

Wie Supermärkte mit ihrer Ware umgehen: „Essen wegschmeißen ist unwirtschaftlich“

+
Niemand wirft wohl gerne Lebensmittel weg, es passiert aber trotzdem jeden Tag: Händler aus der Region versuchen nach eigenen Angaben, die Verschwendung so gering wie möglich zu halten.

Wer mit Lebensmitteln handelt, wirft am Ende zwangsläufig Essen weg. Elf Millionen Tonnen sollen Schätzungen zufolge jedes Jahr auf dem Müll landen.

Doch viele Verkäufer versuchen nach eigenen Angaben, die Verschwendung von Lebensmitteln zumindest so gering wie möglich zu halten.

„Ich werfe so gut wie gar nichts weg“, sagt Thomas Hauffe, Inhaber einer Bäckerei in Fuldabrück-Dörnhagen. Übrig gebliebene Brötchen würden zu Paniermehl verarbeitet, Kuchen und Hefestückchen verteilt Hauffe innerhalb der Familie. Das Paniermehl nehmen ihm Gastronomen ab.

„Ich betreibe eine kleine Bäckerei und kann mit Ware, die ich nicht mehr verkaufen kann, natürlich anders umgehen, als große Filialen“, sagt Hauffe. Ein weiterer Vorteil sei, dass er eine eigene Backstube in seinem Geschäft habe und so nach Bedarf nachproduzieren könne. „Ich stelle einfach von Anfang an nicht zu viel her und wenn die Ware nicht reicht, mache ich noch welche.“

Rewe-Gruppe

Laut eigenen Angaben versucht auch die Rewe-Gruppe möglichst wenig Ware wegzuwerfen. „Das ist ja auch nur in unserem Sinne“, sagt Sprecherin Anja Krauskopf. „Alles andere wäre unwirtschaftlich. Das, was wir laut Gesetz abgeben dürfen, bekommen die Tafeln.“ So zum Beispiel auch die Baunataler-Schauenburger-Tafel.

Die Rewe-Gruppe arbeitet nach Angaben von Krauskopf mithilfe eines intelligenten Bestellsystems, das zum Beispiel Wetterprognosen, Wochentage und Jahreszeiten miteinbeziehe. „Das System funktioniert so gut, dass am Ende wirklich wenig Ware übrig bleibt.“ Mittlerweile würden auch die Tafeln merken, dass sie von den Geschäften weniger Ware als früher erhalten. Angaben, wie viele Lebensmittel bei Rewe zur Tafel gehen oder auch in der Tonne landen, nennt Krauskopf nicht. „Das wird nicht protokolliert.“

Die Baunataler-Schauenburger Tafel kann Schwankungen in Lieferungen von Lebensmittelmärkten derweil nicht auf einzelne Geschäfte oder Gruppen beziehen. „Die Menge ist so unterschiedlich, dass wir nicht sagen können, ob sie in jüngerer Vergangenheit weniger geworden ist“, sagt Wolfgang Rodermund, Vorsitzender der Tafel.

Edeka Hessenring

Der Geschäftsführer der Edeka Hessenring, Hans-Richard Schneeweiß, weiß zwar um die Lebensmittelverschwendung insgesamt, sieht aber das Hauptproblem nicht in den Geschäften. „Wir haben vergleichsweise wenig Ware übrig, wenn man dies daran bemisst, mit welchen Massen wir handeln.“ Große Container, in die Lebensmittel geworfen werden, gebe es bei Edeka nicht. „Wir haben 240-Liter-Mülltonnen, mehr Platz ist gar nicht nötig“, sagt Schneeweiß.

Verpackte Ware mit Mindesthaltbarkeit würde bei Edeka kurz vor Überschreiten des Datums speziell gekennzeichnet zum vergünstigten Preis angeboten. „Diese Sachen werden von den Käufern sehr gut angenommen“, so der Geschäftsführer. „Wenn dann am Ende in einem Geschäft mal ein Päckchen Frischkäse übrig ist, lohnt sich das gar nicht, die Ware zum Beispiel zu den Tafeln zu bringen.“ Der Edeka-Großhandel arbeite jedoch mit den Tafeln zusammen.

Die Sache mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum

Laut Schneeweiß dürften die Geschäfte auch „unkritische Ware“ noch verkaufen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum schon überschritten ist. Unkritisch sind alle verpackten und unbeschädigten Lebensmittel, außer Obst, Gemüse, Molkereiprodukte, Wurst, Fleisch und Fisch. „Kaffee zum Beispiel ist auch einen Monat nach Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums noch absolut genießbar. Doch die meisten Menschen denken immer noch, die Ware ist dann schlecht. Das bekommt man aus den Köpfen schlecht raus. Deshalb bieten wir sie in solchen Fällen nicht mehr an.“

Obst und Gemüse, das zum Beispiel verschimmelt ist, müsse natürlich weg und könne weder verkauft, noch an Bedürftige abgegeben werden. „Wenn eine Orange in einem Netz verschimmelt ist, schmeißen wir aber nicht das ganze Netz weg, sondern verwenden das restliche Obst weiter.“

Schneeweiß betont, dass gerade in kleineren Edeka-Märkten oft Ware am späteren Tag nicht mehr vorrätig sei, statt übrig. „An der Lebensmittelverschwendung ist der Handel mit fünf Prozent beteiligt, der größte Teil fliegt beim Verbraucher in den Müll“, sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.