E-Mobilität in der Region: „Es ist Luft nach oben bei Ladesäulen“

Experten fordern mehr Stromtankstellen, vor allem in städtischen Gebieten

+
Ein Elektroauto bekommt neuen Saft an einer Stromtankstelle. 

E-Mobilität ist in aller Munde, Alternativen zu Verbrennungsmotoren sind immer gefragter. Doch ein E-Fahrzeug will geladen werden. Was ist dran an der Kritik der fehlenden Ladeinfrastruktur?

Mit der E-Mobilität ist es wie mit der berühmten Henne und dem Ei. Was muss zuerst in ausreichender Zahl vorhanden sein: die E-Autos oder die Ladesäulen? Vor allem Letztere sind immer wieder im Gespräch: Was sagen Experten zu der Forderung nach mehr E-Tankstellen in Landkreis und Stadt Kassel?

Der E-Mobilist

„Aus meiner Sicht ist bei der Zahl der Ladesäulen in der Region noch Luft nach oben“, sagt Guy Weemaes, Betreiber des Elektroauto-Blogs GoingElectric. Auf seiner Seite bietet der Hofgeismarer neben einem Forum für E-Mobilisten auch eine Ladesäulen-Übersichtskarte an. Sie zeigt Säulen über Europas Grenzen hinaus an – die Karte wird von Seitennutzern aktualisiert, hat also keinen Anspruch auf absolute Vollständigkeit.

Aus eigener Erfahrung als E-Autofahrer und aus Foreneinträgen seines Blogs sagt Weemaes: „Gerade in den Städten sind die Menschen auf öffentliche Säulen angewiesen, da sie seltener bei sich zu Hause einen Anschluss schaffen können.“

Diese frei zugänglichen Ladepunkte seien aber beispielsweise in Kassel und in Hofgeismar Mangelware. „Will man dort sein Auto laden, muss man lange warten, weil die Säulen bereits belegt sind. Es gibt einfach zu wenig.“ Vor allem für diejenigen, die ihr Fahrzeug über Nacht laden möchten, sei das ein Problem. „Aktuell sieht es so aus, dass man mehrere Kilometer von der E-Tankstelle nach Hause laufen müsste. Das will keiner.“

In den Gemeinden im Osten Kassels fehlen laut Weemaes ebenfalls Säulen: „Hier haben viele Menschen zu Hause einen Anschluss, aber für Menschen auf der Durchreise ist die Lade-Infrastruktur dünn.“ Im Süden sei man besser ausgestattet.

Der Verkehrsclub

Beim ADAC scheint man die Meinung von Guy Weemaes zu teilen: „In unseren Mitglieder-Umfragen haben wir vor allem drei Kritikpunkte am Thema E-Mobilität in Hessen ausgemacht“, sagt Manuela Türoff, Sprecherin des ADAC Hessen-Thüringen.

Ganz vorn sei die fehlende Infrastruktur zum Laden, die auch Weemaes moniert. „Es gibt aus der Sicht vieler Menschen einfach noch zu wenig Säulen.“ Oder der Ladevorgang dauere schlichtweg zu lang.

Hinzu komme der Preis der Stromer: „Vielen sind die E-Autos schlichtweg zu teuer. Da muss sich etwas ändern.“ Und als zusätzlichen Knackpunkt nennt Türoff die Reichweite mit einer Ladung, die weiterhin bei einigen Modellen zu gering sei. An diesen drei Rädchen müsse aus Türoffs Sicht noch weiter geschraubt werden.

Die Energieexperten

„Aus unserer Sicht ist die Region gut mit Ladesäulen ausgestattet“, sagt Nicolas Spengler, E-Mobilitätsexperte beim Energieversorger EAM. Das treffe auf den ländlichen Bereich vor allem im Vergleich mit anderen Regionen zu. „Natürlich sieht man das in manchen Kommunen anders, aber es muss sich auch wirtschaftlich lohnen.“ Eine besondere Herausforderung sieht er hingegen im städtischen Raum: „Hier gilt es, für Menschen Ladeplätze zu schaffen, die keinen Park- und Ladeplatz haben“, sagt Spengler. Mittel der Wahl seien Quartierslösungen, die durch eine neue EU-Verordnung angetrieben werden solle.

Jürgen Schilling von der Hessischen LandesenergieAgentur hält das Thema Ladeinfrastruktur in vielen Fällen für überschätzt: „Die meisten Autos stehen 23 Stunden am Tag irgendwo rum.“ Auch er sieht aber das Problem der fehlenden Infrastruktur für Personen ohne eigenen Stellplatz zu Hause oder am Arbeitsplatz oder für berufliche Vielfahrer.

Schilling betont: Deutschland – „und inzwischen auch die deutsche Autoindustrie – sind auf einem unumkehrbaren Weg“. Es wurde und wird „so viel in die Elektromobilität investiert, dass die Autos nun auch tatsächlich verkauft werden müssen.“ Preis und Marketing sollten dem angepasst werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.