Baumbestand ist labil

Förster fürchten eine Käferplage für das Jahr 2019

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Friederike richtete in Nordhessen schwere Schäden an: Unser Foto entstand im März 2018 an Beberbecker Allee im Reinhardswald.

Sturm Friederike traf die nordhessischen Wälder hart. Seitdem haben die hiesigen Forstbetriebe alle Hände voll zu tun, die Schäden zu beseitigen und müssen mit Problemen kämpfen.

Welche das sind und wie es heute und künftig in den Wäldern aussieht zeigt dieser kurze Überblick zu den jeweiligen Jahreszeiten.

Ganze Waldabschnitte in den vier Forstämtern Reinhardshagen, Wolfhagen, Melsungen und Hessisch Lichtenau waren völlig verwüstet. „Den Sturm aufzuarbeiten war unser Arbeitsschwerpunkt und hat uns ein hartes Jahr beschert“, sagt Matthias Dumm vom Forstamt Hessisch Lichtenau. Erst musste das Ausmaß der Schäden überblickt werden, dann war handeln angesagt: „Mit der Aufarbeitung hatten wir im Winter und Frühling alle Hände voll zu tun.“ Im April breitete sich zudem der Borkenkäfer rasant aus.

„Der trocken-heiße Sommer hat den Bäumen ziemlich zugesetzt“, sagt Melsungens Forstamtsleiter Steffen Wildmann. Die Witterung habe obendrein perfekte Bedingungen für den Borkenkäfer geboten, der in den geworfenen und geschwächten Bäumen den optimalen Nährboden fand, um sich zu vermehren. Um die Ausbreitung der Käfer zu unterbinden, musste das geworfene Holz schnell aus dem Wald abtransportiert und weiterverarbeitet werden. „Doch ab dem Sommer wurde das zunehmend schwerer“, sagt Wildmann. Die Transportunternehmen waren überlastet, der Holzmarkt übersättigt, vor allem mit Holz minderer Qualität. Auch die Sägewerke kamen nicht hinterher.

Winter

Mittlerweile ist ein Großteil des geworfenen Holzes von allen vier Forstämtern aufgearbeitet, also „die unmittelbaren Folgen des Sturms“, erläutert Theodor Arend vom Wolfhager Amt. Dadurch könnten Waldbesucher zwar wieder ausgedehnte Spaziergänge machen, allerdings „muss jedem bewusst sein, dass der Baumbestand durch den Sturm immer noch labil ist“, sagt Wildmann, Leiter des Forstamts Melsungen. Bei weiteren Stürmen könnten jederzeit Äste abbrechen oder Bäume umfallen.

Weil kaum noch Sturmholz in den Wäldern liegt, ist dem Borkenkäfer eine Nahrungs- und Brutgrundlage genommen. An Aufatmen ist aber nicht zu denken: „Der Käfer überwintert auch im Boden, da kommen wir nicht dran“, wie Dr. Markus Ziegeler vom Forstamt Reinhardshagen warnt. „Wir können also nichts dagegen tun, dass ab April eine Vielzahl Borkenkäfer-Larven schlüpft“, ergänzt Matthias Dumm aus Hessisch Lichtenau. „Dann heißt es, schnell reagieren und den Befall eingrenzen, indem wir betroffenes Holz aus dem Wald holen.“

„Friederikes Folgen werden uns dieses Jahr also maßgeblich beschäftigen“, prophezeit Wildmann. „Angesichts des Borkenkäfers wird 2019 wohl ein heftiges Jahr“, sagt Arend vom Wolfhager Forstbetrieb. „Wie sich die Situation für die Forstämter entwickelt, ist wie ein Blick in die Glaskugel. Das hängt von der Witterung ab.“ Der beste Fall wären Nässe und Milde im Frühling und Sommer, „auch wenn das nicht so gut fürs Freibad ist“, sagt Arend. Der schlimmste Fall sei ein Sommer wie 2018. 

Alle vier Leiter sind sich einig: „So oder so werden in den kommenden Monaten viele Harvester und Arbeiter im Wald unterwegs sein.“ Das bedeutet: gesperrte und verdreckte Wege. „Da bitten wir um Verständnis.“

Die Aufgabe für die Zukunft ist, die Wälder auf zunehmende Klimaextreme vorzubereiten. Dazu müsse stärker darauf geachtet werden, welche Bäume für welche Böden geeignet sind.

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Am 18. Januar 2018 tobte das Sturmtief Friederike. Rund 27 Millionen Kubikmeter Holz fielen dem Orkan in Hessen zum Opfer, teilte Michael Gerst, Leiter des Landesbetriebs Hessenforst, mit. 

Schaut man auf die Forstämter vor Ort, wird das Ausmaß der Zerstörung in Nordhessen deutlich: Das Forstamt Reinhardshagen wurde in Hessen am härtesten getroffen. 400 000 Kubikmeter Holz fielen dem Sturm hier zum Opfer. „Circa 100 000 Kubikmeter liegen davon noch im Wald“, sagt Leiter Dr. Markus Ziegeler. I

m Forstamt Hessisch Lichtenau waren es 180 000 Kubikmeter Holz, die umgeworfen wurden. „Davon haben wir den Großteil aus dem Wald und ins Sägewerk gebracht“, erläutert Matthias Dumm, Chef des Amtes. Wie viel im Forstamt Melsungen geworfen wurde, wollte der Leiter Steffen Wildmann nicht sagen. „Der Großteil ist aber aufgearbeitet“, versichert er. Auch das Forstamt Wolfhagen blieb nicht verschont: „160 000 Kubikmeter sind bei uns betroffen, und zwar alle Fichtenflächen. Das sind 25 Prozent der Gesamtfläche“, sagt Theodor Arend. 

„Um den Holzmarkt zu entlasten, haben wir im vergangenen Januar sofort die Frischholzernte für Nadelholz im Staatswald gestoppt, damit zunächst die umgeworfenen Bäume genutzt werden konnten“, sagte Gerst. Das sorgte für ein Überangebot an Nadelholz, das hauptsächlich vom Sturm betroffen war.

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