Gesundheitsämter kämpfen mit Ärztemangel 

Ärzte meiden Amtsstuben – Forderung nach besserer Bezahlung

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Auch Impfungen gehören zu den Aufgaben der Gesundheitsämter. Dort wird es immer schwieriger freie Stellen nachzubesetzen. 

Die Gesundheitsämter in Hessen haben Probleme Ärzte als Mitarbeiter zu gewinnen. Auch im Kreis Kassel gibt es das Problem. 

Sie überwachen die Hygiene in Einrichtungen, reagieren, wenn meldepflichtige Infektionskrankheiten auftreten und impfen gegen Reisekrankheiten wie Gelbfieber. Das sind nur drei der vielfältigen Aufgaben, die Gesundheitsämter erfüllen. Mitarbeiter dafür zu finden, fällt den Gesundheitsämtern aber immer schwerer. Das geht aus einer Anfrage der FDP im Hessischen Landtag hervor. Auch im Gesundheitsamt Region Kassel hat man mit dem Ärztemangel zu kämpfen.

Hauptgrund ist laut Pressesprecher Michael Schwab der Unterschied in der Bezahlung von Ärzten im Öffentlichen Dienst und angestellten Ärzten in Kliniken und Praxen. Für sie gelten unterschiedliche Tarifverträge. Laut Sozialministerium verdient daher ein Facharzt in einem Krankenhaus rund 1000 Euro brutto mehr als ein Kollege im Öffentlichen Dienst.

„Um hier Abhilfe zu schaffen, zahlt die Stadt Kassel seit einigen Jahren Zulagen an Ärzte mit einer Facharztqualifikation und eine weitere Zulage, wenn eine Leitungsfunktion wahrgenommen wird“, erklärt Schwab. Damit sei die Lücke deutlich verkleinern worden.

Außerdem habe das Amt im Bereich Aus- und Weiterbildung aufgerüstet, um die Rekrutierung zu verbessern. Laut Schwab gebe es eine Traineestelle für einen Arzt, der direkt aus dem Studium kommt. Auch kooperiere das Amt mit Kliniken zur Weiterbildung in den klinischen Fächern und sei selbst weiterbildungsberechtigt für den Facharzt im Öffentlichen Gesundheitswesen und für den Weiterbildungsteil Psychiatrie. Zur Attraktivität trage auch bei, dass es beim Gesundheitsamt keine Schicht-, Nacht- und Wochenenddienste gibt, dafür aber flexible Arbeitszeiten.

Bisher sei es immer gelungen, alle Stellen nachzubesetzen. „Die Situation kann sich in den nächsten Jahren aber aufgrund von Pensionierungen durchaus ändern“, sagt Schwab. Momentan gebe es eine halbe Stelle in der Abteilung sozialmedizinische Gutachten zu besetzen, ab Januar seien zwei weitere Arztstellen frei.

Laut Sozialministerium haben andere Ämter in Hessen teils noch größere Probleme. Wie viele Ärzte fehlen, das weiß das Ministerium nicht, weil diese Daten nicht erhoben werden. Allerdings hätten Abfragen ergeben, dass „inzwischen viele Stellen über längere Zeit nicht besetzt sind, weil sich keine geeigneten Kandidaten finden.“

Schwab fordert: „Damit die Gesundheitsämter auch in Zukunft für die Ärzteschaft attraktiv bleiben, muss die Bezahlung solide und nicht lediglich auf der Grundlage von Zulagen analog dem Ärztetarif in den Klinken erfolgen.“

Die Chance dazu gibt es bald. Laut Schwab beginnen die Tarifverhandlungen des Marburger Bundes, der die Ärzte vertritt, mit der Arbeitgeberseite am 12. Dezember.

Das sagt der Arbeitgeberverband

Der Kommunale Arbeitgeberverband kennt die Nöte der Ämter. Allerdings sieht Burkhard Albers, Geschäftsführer des Hessischen Ablegers, den demografischen Wandel und allgemeinen Fachkräftemangel als Hauptursache und sagt: „Die Situation ist mithin in den Gesundheitsämtern schwierig, aber sie ist nicht prekärer als in anderen Bereichen.“ Linderung könnte eventuell die angestrebte Überarbeitung der Zulassungsregeln für das Medizinstudium bringen. 

„Dass die Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst ,schlecht‘ bezahlt würden, muss ich entschieden zurückweisen“, sagt Albers. Schließlich betrage das monatliche Grund-Entgelt zwischen 3.996,72 und 6854,95 Euro. Zusätzlich werde durch den Arbeitgeber eine betriebliche Altersvorsorge finanziert, es gäbe noch immer Weihnachtsgeld, in vielen Fällen würden individuelle Zulagen gezahlt und flexibele Arbeitszeitmodelle angeboten. In den Gesundheitsämtern gebe es auch keine Schicht- oder Wechselschichtdienste, bis auf wenige Ausnahmen keine Rufbereitschaften und die Ärzte seien auch nicht heilend tätig. 

Fachkräftemangel gebe es in allen medizinischen, aber auch nicht-medizinischen Bereichen. „Das ist unter anderem dem demografischen Wandel geschuldet, aber auch der zunehmenden Arbeitsverdichtung.

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