LEDs in Privatgärten

Kämpfen für dunklere Nächte: Naturschützer warnen vor den Folgen von Lichtverschmutzung

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In seinem kleinen Wäldchen: Martin Lange, Vorsitzender des Nabu Kaufungen-Lohfelden, verzichtet auf seinem Grundstück weitgehend auf Beleuchtung.

Was Lichtverschmutzung anrichtet und was man dagegen tun kann, darüber haben wir mit Naturschützern gesprochen. 

Wenn die Nacht hereinbricht, kommt man in Martin Langes Garten ohne Taschenlampe nicht weit. Aus gutem Grund, wie der Kaufunger findet: „Ich habe schlichtweg keine Lichter, weder an den Wegen, noch an meinen Beeten, am Hühnerstall, oder in meinem Waldstück“, sagt Lange, der auch Vorsitzender des Nabu Kaufungen-Lohfelden ist. „Ich möchte die künstliche Beleuchtung meines Gartens so gering wie möglich halten, um die Tier- und Pflanzenwelt nicht zu stören“, erklärt der Naturschützer. Wenn auch nur begrenzt auf sein 3500 Quadratmeter großes Grundstück wolle Lange etwas gegen Lichtverschmutzung tun.

Sabine Frank (Nachtbeauftragte)

Die nimmt laut BUND in Deutschland jährlich um rund sechs Prozent zu. „Mit der Folge, dass wir immer weniger Tiere und Pflanzen haben“, sagt Lange. Das weiß auch Sabine Frank: „Bekommen sie nachts Licht ab, bringt das Lebewesen durcheinaner.“ Sie gilt als Deutschlands einzige Nachtschutzbeauftragte, ist beim Landkreis Fulda Koordinatorin des Biosphärenreservats Rhön und hat mit dem Landkreis Kassel kürzlich eine Broschüre zum Thema Lichtverschmutzung herausgebracht.

Konkret wirke sich das Licht in der Nacht so aus: Bäume beispielsweise laubten nicht ab, wenn sie ständig im Licht stünden, was sich auch wiederum auf die Tierwelt auswirke. Ein anderes Beispiel seien Amphibien, die durch grelles Licht geblendet würden und lange brauchten, um sich wieder an die Dunkelheit zu gewöhnen. Das mache sie zu leichterer Beute für Fressfeinde.

„Trotz dieser Folgen verbauen viele immer mehr sehr helle Lichter, vor allem LEDs, die große Flächen ausleuchten und das teils die ganze Nacht“, sagt die Nachtschutzbeauftragte. „Da die Lampen einen geringen Stromverbrauch haben, werden sie auch mal brennen gelassen.“ Das beobachte sie in Gewerbegebieten, aber auch in Privatgärten, die hell seien wie Fußballstadien. „Es kommt das Argument auf, mehr Licht erhöhe die Sicherheit gegen Einbrecher.“ Das sei aber ein Trugschluss: „Dann müssen Diebe keine Lampe mitbringen, es ist ja schon alles für sie beleuchtet.“

Hinter der ganzen Entwicklung vermute Frank keinen bösen Willen, sondern eher Ahnungslosigkeit. „Ich glaube, dass einige Menschen schlichtweg nicht wissen, wie negativ sich die künstliche Helligkeit in der Nacht auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirkt.“

Info: Die Broschüre „...nachts, wenn alle schlafen!“, die der Landkreis herausgegeben hat, liegt aus in den Rathäusern, in der Kreisverwaltung, in den Naturparkzentren Habichtswald und Reinhardswald sowie im Tierpark Sababurg.

Das sagt der Landkreis Kassel

Der Landkreis Kassel habe gemeinsam mit Sabine Frank eine Broschüre zur Lichtverschmutzung herausgebracht, weil das Thema vielfach noch unbekannt und unterschätzt sei, sagt Kreissprecher Andreas Bernhard auf HNA-Anfrage. 

„Die Broschüre des Landkreises Kassel gibt Handlungsempfehlungen für eine umweltbewusste und insektenfreundliche Beleuchtung.“ Licht in Gewerbe- und Wohngebieten habe zwar oft eine sinnvolle Funktion, dennoch sei es wichtig, den „tatsächlichen Bedarf zu überprüfen und das Licht gegebenenfalls dorthin zu lenken, wo es tatsächlich gebraucht wird“.

Tipps: So vermeiden Sie Lichtverschmutzung

Wer die heimische Tier- und Pflanzenwelt schützen möchte, kann dies so tun: . Auf überflüssige Beleuchtung, wie Lichtkugeln oder Bodenstrahler verzichten. Sie verschwenden Licht meist ungenutzt. 

- Anstrahlen von Bäumen und Büschen vermeiden. Das zieht Insekten an und stört deren Tag-Nachtrhythmus, aber auch den der Menschen. 

- Licht nur dann einschalten, wenn es gebraucht wird. Helfen können Zeitschaltuhren, Schalter oder auch Bewegungsmelder. Letztere sollten so eingestellt sein, dass sie nicht bei jedem Passanten auslösen. 

- LED-Lampen eignen sich am besten als Leuchtmittel. Am umweltfreundlichsten sind hier diejenigen Lampen mit geringer Wattzahl. 

- Muss ein Gebäude beleuchtet werden, sollte das möglichst von oben nach unten geschehen, um den Lichteinfluss auf das Umfeld möglichst gering zu halten.

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