Apotheken kriegen Unmut der Patienten ab

Medikamentenmangel hält an: Apotheken sind bei Lieferschwierigkeiten erster Ansprechpartner

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Manche Arzneimittel sind in Deutschland immer schwerer zu bekommen, selbst bei Standardmedikamenten herrschen inzwischen Engpässe.

Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten häufen sich und die Situation wird nicht besser. Das berichten der Hessische Apothekerverband und die Apotheken im Landkreis Kassel.

„Patienten erhalten ihr verordnetes Medikament in der Apotheke nur mit Verzögerung oder gar nicht“, heißt es vonseiten des HAV.

Alexandra Lorenz von der Neuen Apotheke und der Rathaus-Apotheke in Baunatal berichtet, dass die Probleme massiv spürbar und viele Artikel betroffen sind. Sie benötigt inzwischen etwa ein Drittel mehr an Zeit. Kunden würden gern auf ihre bewährte Arznei zurückgreifen, das sei derzeit nicht immer möglich. „Die Apotheken kriegen den Unmut der Patienten ab“, sagt Lorenz. Der Impfstoff für Gürtelrose sei derzeit beispielsweise gar nicht lieferbar.

Täglich 100 fehlende Medikamente

„Wir haben durchschnittlich 100 Defekte“, sagt Andrea Dierkes von der Burg-Apotheke in Schauenburg, also 100 Medikamente, die fehlen. Das liege daran, dass Wirkstoffe zunehmend im Ausland produziert werden, was der HAV bestätigt und als einen der Gründe für die Lieferschwierigkeiten nennt. Zudem konzentriere sich die Produktion von Wirkstoffen oftmals auf sehr wenige Hersteller weltweit. Dierkes sagt aber auch, dass die lebensnotwenigen Medikamente immer noch vorhanden seien.

Einige Wirkstoffe besonders betroffen

Auch die Loewen-Apotheke in Vellmar kennt die Lieferengpässe. „Es gibt viele Lagerartikel, die nicht nachbestellt werden können“, sagt Inhaber Karim Ragab. Beim Einsetzen eines neuen Wirkstoffs müsse man immer Rücksprache mit dem Arzt halten. Einige Wirkstoffe seien besonders betroffen, zum Beispiel Psychopharmaka, Blutdrucksenker und Ibuprofen. Eine Besserung ist laut Ragab bisher nicht in Sicht. Das bestätigt Vanessa Pohl von der Elisabeth-Apotheke in Fuldatal – „es ist ein Herstellerproblem“, sagt sie.

Bürokratischer Aufwand wächst

Gerhard Peter von der Apotheke in Helsa berichtet, dass es vor allem schwierig sei, wenn Patienten das Medikament nicht wechseln wollen. Zudem wachse der bürokratische Aufwand durch die Lieferengpässe. Das kennt auch die Inhaberin der Aesculap-Apotheke Lohfelden Kirstin Döll. In ihrer Apotheke würden beispielsweise zunehmend auch Augentropfen knapp.

„Im Grundsatz verabschieden sich Arzneimittel-Hersteller aufgrund des zunehmenden Preisdrucks vom deutschen Markt“, sagt Mira Sellheim, Patientenbeauftragte des HAV. Deutschland sei schon länger kein Hochpreisland für Arzneimittel mehr. „Gerade im Gesundheitsbereich darf nicht um jeden Preis gespart werden“, findet Sellheim.

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