Plätze fehlen

Engpässe bei der Kurzzeitpflege im Landkreis Kassel 

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Die Kurzzeitpflegeplätze in der Region sind nur eingeschränkt verfügbar. Vor allem Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen wurden, sind betroffen.

Es gibt viel zu wenig Kurzzeit-Pflegeplätze. Laut dem Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz sinkt die Anzahl der verfügbaren Plätze.

Schaut man sich die Zahlen im Landkreis Kassel an, müsste die Situation eigentlich entspannt sein. Laut Sprecher Harald Kühlborn stehen 274 Betten für Kurzzeitpflege im Kreis zur Verfügung. Nur 200 Plätze würden nach einer aktuellen Bedarfsermittlung aus dem Jahr 2019 gebraucht. 

„Allerdings hört man aus der Praxis unseres Pflegestützpunktes, dass sich immer mehr Menschen melden, die keine Einrichtung finden, die ihre Angehörigen aufnimmt.“

In der Kurzzeitpflege im Landkreis Kassel fehlen die Plätze 

Der Bedarf ist also höher, die Plätze fehlen. Das betreffe vor allem auch Patienten, die infolge eines Krankenhausaufenthaltes, vor einer möglichen Rückkehr nach Hause, eine Zwischenstation benötigen. Laut Kühlborn ist das einer der Gründe für die Engpässe. 

Ein weiterer sei der Personalmangel, mit dem Pflegeeinrichtungen besonders zu kämpfen haben.

Patientenschützer Brysch sieht das Problem anderswo: „Für die meisten ist es schlichtweg nicht lukrativ, solche Plätze vorzuhalten“. Der Aufwand sei durch häufig wechselnde Bewohner mit oftmals hohem Pflegebedarf deutlich größer als für einen Dauerpflegeplatz.

Hohe Nachfrage nach Kurzzeitpflege im Landkreis Kassel

Die Nachfrage sei konstant höher als die angebotenen Plätze, sagen angefragte Einrichtungen im Altkreis. Angelika Kersten-Wittig, Leiterin einer privaten Pflegeeinrichtung in Kaufungen erklärt: Diese Plätze seien meist keine festen Kurzzeitpflegeplätze, sondern sogenannte eingestreute Plätze, die unter Umständen nur für einen begrenzten Zeitraum für Kurzzeitpflegepatienten zur Verfügung stehen. Kündigt sich im Anschluss ein weiterer Dauerpatient an, fällt der Kurzzeitpflegeplatz weg.

Keine Kurzzeitpflege im Landkreis Kassel Lösung in Sicht

Eine mögliche Lösung zu finden, fällt offenbar schwer. Häuser, die nur Kurzzeitpflege anbieten, scheinen kaum realisierbar. Schwierig mache das die Unberechenbarkeit, erläutert Kühlborn. Die Einrichtungen könnten nicht planen, wann wie viele Patienten kommen.

Rund 10 Anfragen pro Woche seien laut Kühlborn auch in kleineren Häusern keine Seltenheit. „Die weitaus meisten Anfragen kommen von Krankenhäusern“, teilt Christiane Gahr, Sprecherin der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen, mit.

Förderung für Kurzzeitpflege im Landkreis Kassel notwendig 

Ein gangbarer Weg könnte sein, mehr Einrichtungen auf Geriatrie und altersspezifische Rehamaßnahmen zu spezialisieren und das zu fördern, meint Kersten-Wittig. Die eventuell nötige Zwischenstation nach einem Krankenhausaufenthalt könnte dort einen Platz finden, wodurch die Kurzzeitpflege entlastet würde.

Die Probleme in der Kurzzeitpflegeversorgung haben offenbar auch die Parteien auf Bundesebene erkannt. Union und SPD sehen neben Pflegekassen und Einrichtungen auch Länder und Kommunen in der Verantwortung. Um sie bei dem Ausbau der Kurzzeitpflegestruktur zu unterstützen, brachten die Koalitionsfraktionen eine Initiative in den Bundestag ein, die die Umsetzung dieses Vorhabens vereinfachen soll.

Patientenschützer Brysch meint: Bund und Länder müssen die finanzielle Verantwortung übernehmen. Dadurch würde auch bestehenden Einrichtungen ermöglicht, innerhalb von fünf Jahren eine feste Anzahl von Kurzzeitpflegeplätzen garantieren zu können.

Was ist Kurzzeitpflege?

Ist eine private Pflegeperson verhindert, übernimmt die Pflegekasse die nachgewiesenen Kosten einer notwendigen Ersatzpflege. Für bis zu sechs Wochen (42 Tage) pro Kalenderjahr werden dann 1612 Euro an den Pflegebedürftigen gezahlt, wenn dieser mindestens den Pflegegrad 2 hat. 

Wenn der Betrag für die Kurzzeitpflege nicht ausgeschöpft wurde, können bis zu 806 Euro (50 Prozent) aus diesem Topf zusätzlich für die Verhinderungspflege genutzt werden. 

Kurzzeitpflege erfolgt vollstationär, also in einer Pflegeeinrichtung. Auch hier gilt der Satz von 1612 Euro im Jahr ab Pflegegrad 2, allerdings für acht Wochen pro Jahr. Hat man die Verhinderungspflege nicht in Anspruch genommen, dann kann diese der Kurzzeitpflege zugeschlagen werden und auf insgesamt bis zu 3224 Euro erhöht werden. Bei der Kurzzeitpflege muss ein Eigenanteil für die sogenannten „Hotelkosten“ übernommen werden.

Von Sarah Schnieder

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