Durchschnittlich 6500 Euro

Sozialbestattungen nehmen zu: Viele können sich Beerdigung nicht leisten

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Keine Seltenheit: Sozialbestattungen nehmen in Hessen zu, weil die Hinterbliebenen oftmals nicht das nötige Geld haben, um eine Beerdigung samt Trauerfeier zu bezahlen.

Bestattungen sind ein wichtiges Ritual des Abschiednehmens. Idealerweise für einen großen Kreis von Familie, Freunden und Bekannten. Doch Beerdigungen sind teuer.

Laut Hessischem Bestatterverband kostet eine Bestattung im Durchschnitt 6500 Euro. Immer mehr Menschen in Hessen können sich das nicht leisten. Daher steigen die Zahlen der Bestattungen, bei der der Staat einspringen muss. Auch im Landkreis war das im vergangenen Jahr so.

Wie oft zahlt der Staat für die Bestattung im Landkreis Kassel?

Im vergangenen Jahr waren es 74 Bestattungen, die teils oder ganz aus Kreismitteln bezahlt wurden, 2017 waren es 58 Bestattungen, sagt Jochen Kilian, Leiter des Fachbereichs Soziale Dienste & Angebote. Allerdings ist das – anders als in ganz Hessen – kein Langzeittrend. Die Anzahl der Sozialbestattungen schwanke seit vielen Jahren zwischen 86 und 50 pro Jahr, sagt Kilian.

Wer trägt die Kosten?

Der Landkreis als Träger der Sozialhilfe übernimmt die Kosten. Sie gehen laut Kilian zu 100 Prozent zulasten des Kreishaushaltes, sofern nicht andere Kostenträger, wie zum Beispiel Versicherungen diese mitfinanzieren. Pro Jahr fallen im Schnitt Kosten von 100.000 bis 150.000 Euro an.

Wann springt der Kreis ein?

„Bestattungen werden dann vom Sozialhilfeträger übernommen, wenn hierfür der Nachlass der Verstorbenen und das eigene Einkommen und Vermögen der Verpflichteten nicht ausreichen, die Kosten voll oder teilweise zu decken“, sagt Kilian. Das können vertraglich Verpflichtete aber eben auch die Erben, Unterhaltspflichtige oder in Hessen auch der Träger der Einrichtung sein, in dem der Verstorbene untergebracht ist. Automatisch passiere das aber nicht. Damit die Kosten übernommen werden, muss ein Antrag beim Sozialamt gestellt werden.

Was wird bezahlt?

„Es sind die Kosten einer Bestattung zu übernehmen, die der Würde des Menschen entsprechen“, sagt Kilian. Was genau das bedeutet, dazu gebe es mittlerweile umfangreiche Rechtsprechung mit teils sehr detaillierten Regelungen.

Grundsätzlich gehörten dazu sämtliche öffentlich-rechtliche Gebühren, die im Rahmen einer Bestattung anfallen etwa für Leichenschau, Krematorium und Friedhofsgebühren. Auch die Kosten für den Sarg und einen einfachen Sargschmuck trägt der Staat. Im Kreis Kassel werden aufgrund einer Entscheidung von Landrat Uwe Schmidt auch die Kosten für den Organisten übernommen.

Was wird nicht bezahlt?

Nicht übernommen werden Kosten für eine Trauerfeier und den Leichenschmaus, Kondolenzlisten, die Ausstattung der Trauerhalle mit Blumenschmuck, weitere Sterbeurkunden oder Traueranzeigen in der örtlichen Presse.

Der Landkreis trägt die Kosten für die erstmalige Herrichtung der Grabstätte angelehnt an den Vorgaben, die die jeweilige Friedhofssatzung des Bestattungsortes vorgibt. Allerdings fordert kaum eine Gemeinde oder Stadt im Kreis die Aufstellung eines Grabsteines. Daher wird lediglich die Aufstellung eines einfachen Grabkreuzes bezahlt.

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