Bergshäuser Brücke und A 7-Baustelle sind die Ursachen - A49 bleibt Umleitung bis 2028

Kaum Mittel gegen Staus auf Autobahnen rund um Kassel

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Die Bergshäuser Brücke nach der Sanierung: Nur das Südbauwerk der Brücke (rechte Seite) kann den A 44-Verkehr weiterhin zweispurig aufnehmen. Das Nordbauwerk (linke Seite) ist selbst nach der Sanierung so schwach, dass es nur noch die Verkehrslast einer Fahrspur aufnehmen kann.

Lkw-Waage, Vollsperrungen, Unfälle, Umleitungen, Staus: Das alles gab es während der gut 20-wöchigen Sanierung der Bergshäuser Brücke im Winter und Frühjahr dieses Jahres. 

Seit Ende Mai ist das A44-Bauwerk über der Fulda wieder befahrbar. Doch an den Staus auf der A49 und A7 hat sich nichts geändert. Warum? Wir haben nachgefragt.

Wieso kommt es auch nach der Brückensanierung immer noch zu kilometerlangen Staus?

Ein Grund dafür ist, dass die Bergshäuser Brücke auch nach ihrer Sanierung nur noch drei, und nicht mehr vier Fahrspuren aufnehmen kann. Hinzu kommt aktuell noch die A 7-Baustelle zum vierstreifigen Ausbau der A 7 in Richtung Norden. Es ist diese Kombination, die in jüngster Zeit wiederholt zu kilometerlangen Staus auf der A 7 und der A 49 führt.

Wie lange wird denn die A7-Baustelle noch dauern?

Laut Hessen Mobil soll der vierstreifige Ausbau der A7 in Richtung Hannover Ende 2022 abgeschlossen sein – also in rund dreieinhalb Jahren. So lange wird es voraussichtlich im Bereich Kreuz Kasse-Mitte weiterhin sehr eng zugehen – auf der A 7 ebenso wie auf der A 49.

Und wieso kann die Bergs- häuser Brücke nicht mehr vierspurig genutzt werden?

Ursache dafür ist, dass die 57 Jahre alte Stahlfachwerk-Konstruktion des Nordbauwerks trotz erfolgter Sanierung mit Stahlseilen so marode ist, „dass sie den Belastungen des heutigen Schwerverkehrs nicht mehr gewachsen ist“, heißt es bei Hessen Mobil.

Und was bedeutet das jetzt für die Verkehrsführung auf der Brücke?

Zwei Fahrstreifen leiten den von Dortmund kommenden A 44-Verkehr über das Südbauwerk der Brücke. Die dritte Fahrspur auf dem Nordbauwerk nimmt jetzt den aus Richtung Würzburg kommenden A 7-Verkehr in Richtung Dortmund auf (siehe Foto oben). Der A 7-Verkehr aus Richtung Hannover wird dagegen weiterhin die Umleitung über die A 49 ab Kreuz Kassel-Mitte bis zur A 44 am Kreuz Kassel-West nehmen müssen. Für diesen Verkehr bleibt die Bergshäuser Brücke weiterhin gesperrt. Das Nordbauwerk kann diese Verkehrslast nicht mehr tragen.

War dieser Mangel schon vor der Sanierung bekannt?

Ja. Hessen Mobil hat von Anfang an mitgeteilt, dass die Bergshäuser Brücke auch nach der Sanierung nur noch drei Fahrspuren aufnehmen kann (siehe HNA vom 20. April 2017). Allerdings ging Hessen Mobil damals noch von nur einer Fahrspur in Fahrtrichtung Hannover und Würzburg und zwei Fahrspuren in Richtung Dortmund aus. „Zwischenzeitlich wurde einer Verkehrsführung mit zwei Spuren in Richtung Würzburg und Hannover sowie einer Spur in Richtung Dortmund der Vorzug gegeben“, sagt Hessen Mobil-Sprecher Horst Sinemus.

Stau auf der A7: Fast täglich zieht sich vor dem Kreuz Kassel-Mitte die Lkw-Schlange rauf bis nach Lutterberg. Das Foto entstand in Höhe Kassel-Nord am vorvergangenen Mittwochmorgen.

Kann denn die Brücke überhaupt noch so repariert werden, dass sie wieder vier Fahrspuren tragen kann?

Nein. Hessen Mobil äußert sich an dieser Stelle ganz klar: Es wird nicht möglich sein, die noch bestehenden Mängel so zu beheben, sodass wieder eine vierspurige Verkehrsführung erreicht werden kann, sagt Sinemus. Eher müsse damit gerechnet werden, dass bis zum Bau der neuen Bergshäuser Brücke weitere Sanierungsmaßnahmen notwendig werden, um die jetzige Stabilität weiter zu gewährleisten.

Wann soll denn die neue Brücke gebaut werden?

Wie Lutz Günther von der Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) mitteilt, „stabilisieren die jüngsten Verstärkungsmaßnahmen die Bergshäuser Brücke mindestens bis ins Jahr 2028“. Mit anderen Worten: Vorher wird es auch keine neue Brücke geben. Tatsächlich ist die Deges nach wie vor mit der Variantenprüfung beschäftigt. Erst Ende 2019 soll feststehen, wo genau die neue Bergshäuser Brücke gebaut wird – entweder an genau der alten Stelle, oder etwas weiter südlich.

Heißt das, dass damit der ganze A 7-Verkehr aus Richtung Hannover bis zur Fertigstellung der neuen Bergshäuser Brücke ab Kreuz Kassel-Mitte über die A 49 umgeleitet wird?

„Ja, der Verkehr aus Richtung Hannover wird voraussichtlich bis zum Neubau der Brücke über die A 49 zur A 44 geführt werden“, sagt Sinemus.

Hat Hessen Mobil noch Ideen in der Schublade, um die Situation auf den Autobahnen rund um Kassel zu entschärfen?

Erst jüngst hat Hessen Mobil im Bereich der A7-Baustelle Fahrbahnmarkierungen und auch die Ausschilderung der Umleitungsstrecke über die A 49 verbessert. Doch ein Effekt scheint bislang auszubleiben.

Aktuell sei Hessen Mobil dabei, weitere Feinjustierungen der A7-Baustelle vorzunehmen. So soll der Verkehr durch zusätzliche Lkw-Überholverbote und Geschwindigkeitsbeschränkungen (Tempo 100 für Pkw und Tempo 60 für Lkw) schon weit vor der Baustelle entsprechend entzerrt werden, um im Bereich des Kreuzes Kassel-Mitte für Entspannung zu sorgen. Sinemus: „Derzeit prüft Hessen Mobil, wie der hohe Lkw-Verkehr durch weitere verkehrstechnische Vorhaben im Bereich der A 7-Baustelle besser abgewickelt werden kann. Hierzu dauern die Untersuchungen aber noch an und werden erst in den nächsten Wochen spruchreif sein.“

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