Weniger Mitglieder und Kirchensteuereinnahmen

Kirchenkreis Kaufungen muss sparen: Drei Pfarrstellen werden gestrichen

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In Vellmar wird bis 2022 eine Pfarrstelle wegfallen: Ob es die Adventskirche in Niedervellmar (Bild) trifft, steht noch nicht fest.

Die evangelische Kirche schnallt den Gürtel enger: Von 2020 bis 2026 sollen im Kirchenkreis Kaufungen drei Pfarrstellen gekürzt werden, sodass noch 29 Stellen bestehen.

Das wurde kürzlich in der Kreissynode entschieden. Grund für die Pfarrstellenkürzung sind schwindende Mitgliederzahlen und sinkende Kirchensteuereinnahmen, die die Landeskirche unter Druck setzen. Deshalb hat sich die Institution ein 50 Millionen Euro umfassendes Sparprogramm auferlegt, das erhebliche Einsparungen beim Personal, aber auch beim Unterhalt der Kirchengebäude vorsieht. Das schlägt nun auch hier im Kirchenkreis durch.

In Vellmar muss beispielsweise bis 2020 und 2022 je eine halbe Stelle gekürzt werden, sodass statt vier noch drei volle Posten besetzt werden. „Wir müssen natürlich mit dem Trend der Mitgliederzahlen gehen “, sagt Pfarrer Matthias Risch von der Johanneskirche Vellmar. „Bei 8000 evangelischen Kirchenmitgliedern bedeutet das aber, dass auf eine Stelle knapp 2700 Menschen kommen.“ 

Die Pfarrer – auf vier Stellen verteilt – seien aber schon jetzt überlastet, „keiner kommt mit seinen vertraglich geregelten 48 Wochenstunden hin“. Es rollt aus Rischs Sicht eine größere Welle Arbeit auf die Geistlichen zu. Risch fordert: „Die Aufgaben der Pfarrer müssen auf den Prüfstand, sonst sind sie völlig überfordert.“

Obendrein fehle bereits Nachwuchs bei den Geistlichen, wie Pfarrer Dirk Muth moniert, Vorsitzender des Kirchenbezirks Baunatal. „Einerseits sollen wir Nachwuchs für unseren Beruf werben, andererseits machen wir das Amt aber nicht gerade attraktiver.“ Denn durch die Mehrarbeit müssten sich Pfarrer künftig stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren: nämlich Gottesdienste, Beerdigungen und Taufen. 

„Die Mitarbeiterpflege, der persönliche Kontakt zu den Menschen, die Seelsorge, all das werden wir reduzieren müssen“, sagt Muth. Ebenso kreidet er an, dass es den Gemeinden überlassen werde, die Stellen abzubauen. „Das erfordert viele Sitzungen.“ Auch Muth wisse, dass ein Sparprogramm sein muss, „aber ich wünsche mir mehr Lösungen von der Kirchenleitung auf Landesebene.“

Auch Dekanin Carmen Jelinek sieht die Entwicklung mit Bedauern, muss sie aber durchsetzen. „Zwischen 2012 und 2017 hatten wir jährlich einen Mitgliederverlust von 1,8 Prozent.“ Die Einsparungen beim Personal seien also notwendig, zumal der Nachwuchs nicht gerade Schlange stehe: „Wir werden ohnehin Probleme bekommen, die Posten zu besetzen.“ Denn spätestens 2023 gingen einige Pfarrer im Kirchenkreis in den Ruhestand. „Die Stellen werden sozialverträglich abgebaut“, versichert die Dekanin.

Um mit Mehrarbeit und Umstrukturierungen umzugehen, schlägt sie vor, dass die Geistlichen stärker Prioritäten setzen und enger zusammenarbeiten. „Vielleicht müssen künftig mehr Gottesdienste und Konfirmationsgruppen zusammengelegt werden.“ Ihr Fazit: Kirche werde auch mit weniger Pfarrstellen vor Ort stattfinden und „es wird trotzdem einen Ansprechpartner und somit eine Identifikationsfigur für die Menschen geben.“

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