Kampf gegen Kies und Steine 

Kommunen im Kreis Kassel verbieten Schottergärten in Neubaugebieten 

Kreis Kassel - Schottergärten sind Gift für die Artenvielfalt. Deshalb setzen Kommunen im Landkreis Kassel zunehmend auf Verbote in Neubaugebieten. 

Sie sollen akkurat aussehen und pflegeleicht sein. Schottergärten sind seit einigen Jahren Trend. Besonders häufig zieren sie die Vorgärten in Neubaugebieten. Doch damit soll nun Schluss sein. Einige Kommunen im Landkreis Kassel haben erkannt, wie wichtig die Artenvielfalt ist und ihre Bebauungspläne dahingehend angepasst.

So müssen Hausbesitzer im Baugebiet Vellmar-Nord beispielsweise auf ihren Grundstücken mindestens 40 Prozent als Garten anlegen. „Die Vollversiegelung oder Befestigung der Vorgärten sowie das Anlegen von Schotter und Kiesbeeten ist verboten“, sagt Bürgermeister Manfred Ludewig.

Auch im Baugebiet Lehringsgrund in Espenau gibt es eine solche Vorgabe. Dort müssen laut Bebauungsplan mindestens 30 Prozent der privaten Grundstücksflächen als sogenannte Vegetationsfläche dienen und dürfen nicht mit Schotter oder Kies abgedeckt werden. Außerdem müssen in Espenau fünf Prozent der Flächen mit Sträuchern und Bäumen bepflanzt werden. Gegen Schottergärten sprach sich kürzlich auch das Baunataler Parlament in seiner Sitzung aus. Der Magistrat soll laut Beschluss Möglichkeiten prüfen, einer Gestaltung von Gärten mit Steinen, Schotter oder ähnlichen Materialien entgegenzuwirken.

Doch was ist mit Grundstücken außerhalb von Neubaugebieten? Auch dort werden Gärten immer öfter nachträglich umgestaltet. Entweder, weil das Lebensmodell keine Zeit für Gartenarbeit lässt, oder, weil die Besitzer älter werden und ihnen die Pflege der Grünflächen zu pflegeintensiv wird. Kann und darf auch außerhalb von Neubaugebieten reglementiert werden? Wenn es nach Siegfried Kopperschmidt, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Vellmarer Stadtparlament, geht, sollte das auch möglich sein. „Wir finden die Entwicklung schlecht, aber bislang traut sich keiner an den Bestand.“

Grundsätzlich haben die Kommunen die Möglichkeit, einzugreifen. Sie könnten die Vorgaben für die Gartengestaltung festschreiben. „Die Gestaltungssatzung kann nachträglich verschärft werden“, erklärt Bernd Kleibel vom Fachbereich Bauen und Umwelt beim Landkreis. „Die Änderung betrifft aber nur neue Anlagen, diese wären dann illegal.“ Für alle anderen Gärten gebe es Bestandsschutz.

Auch Kleibel findet Schottergärten problematisch – aber nur temporär. „Ich glaube, dass sie eine Modeerscheinung sind.“ Diese Form der Gartengestaltung werde zunehmend öffentlich diskutiert. Das führe, so glaubt er, zu einem Umdenken in der Bevölkerung.

Darauf hofft auch Vellmars Bürgermeister. „Wir können den Eigentümern Schottergärten im Bestand nicht verbieten, hoffen aber auf mehr Bewusstsein für die Artenvielfalt.“

Schottergärten müssen auch gepflegt werden

Tore Florin, Geschäftsführer eines Garten- und Landschaftsbauunternehmens in Fuldatal, beobachtet ebenfalls den Trend zum Garten mit viel Kies und wenig Pflanzen. „Viele Kunden in Neubaugebieten versuchen zu mischen, weil ihnen ein Hingucker aus Kies oder Findlingen gefällt.“ Einzelne Sträucher und Rasenflächen seien beliebter als das klassische Pflanzbeet. Dass Schottergärten keine Arbeit machen, bestätigt er nicht. Auch Kiesbeete müssten regelmäßig von Staub, Laub und Unkraut befreit werden. Wer pflanzt, habe zwar am Anfang mehr Arbeit. Wenn sich die Pflanze aber etabliert habe, nehme die Pflege nicht mehr viel Zeit in Anspruch. „Man kann da gezielt mit Bodendeckern, Sträuchern, Gehölzen und Sträuchern arbeiten.“ Die Umgestaltung einer 25 Quadratmeter großen Fläche in einen Schottergarten koste im Schnitt 2500 Euro. Der Preis variiere aber je nach Gegebenheit und Wahl des Materials. Für den Preis könne ein klassischer Vorgarten etwa fünf- bis sechsmal pro Jahr vier bis fünf Jahre lang extern gepflegt werden.

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