Es geht um offene Gruppenangebote

Ehrenamtliche Helfer für psychisch Kranke im Kreis Kassel gesucht

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Wollen Menschen motivieren, sich für psychisch Kranke stark zu machen: PSKB-Mitarbeiterin Birgit Bechtel (von links), Ehrenamtlicher Leon Mixon, Ehrenamtliche Andrea Bolle und PSKB-Mitarbeiterin Sinikka Jarohs. 

Die Psychosoziale Beratungs- und Begegnungsstätte (PSKB) des Gesundheitamts Kassel sucht dringend ehrenamtliche Helfer für ihre offenen Gruppenangebote. 

„Für einige Menschen ist das der einzige soziale Kontakt, der einzige Halt.“ So beschreibt Birgit Bechtel die offenen Gruppenangebote der Psychosozialen Beratungs- und Begegnungsstätte (PSKB) des Gesundheitamts Kassel. Doch dieser Halt droht vielerorts aufgrund fehlender Helfer wegzubrechen. Besonders dringend werden Ehrenamtliche, die bei der Organisation dieser Gesprächsgruppen für psychisch kranke Menschen helfen, in Wolfhagen, Baunatal, Kaufungen und Hofgeismar gesucht.

Ein- bis zweimal im Monat treffen sich die Teilnehmer. „Die Gruppenangebote existieren schon seit Jahrzehnten und werden sehr gut angenommen“, sagt Sinikka Jarohs von der PSKB. Trotz der hohen Nachfrage gibt es heute aber weniger häufig Treffen als früher, zuletzt musste das Angebot in Wolfhagen eingeschränkt werden. Es fehlt am Nachwuchs bei den Ehrenamtlichen.

Bei den offenen Gruppen geht es weniger um fachliche Beratung als um Gemeinschaft und Austausch. „Wir unterhalten uns, essen Kuchen, spielen Karten“, erklärt die Ehrenamtliche Andrea Bolle. Mitunter werde auch Musik gemacht oder Ausflüge geplant, es gebe Platz für kreative Ideen.

Sozialpädagogen und -arbeiter stehen zur Seite

Bechtel betont die positive Atmosphäre der Zusammenkünfte: „Selten habe ich so viel Empathie und Sensibilität, soviel Toleranz und Respekt im Umgang miteinander – trotz aller Unterschiede zwischen den Personen – erlebt, wie bei den Treffen.“ Jarohs und Bechtel gehören zu den Sozialpädagogen und -arbeitern, die den Freiwilligen stets zur Seite stehen. Außerdem gibt es regelmäßig Austausch- und Organisationstreffen für die Teams, die die Angebote betreuen. Wer sich engagieren will, wird im Vorfeld natürlich auch die Begegnungsstätten kennenlernen.

„Das finde ich besonders wichtig“, sagt Bolle, die selbst psychisch erkrankt ist. Denn: „Manche Leute haben Angst vor psychisch Kranken. Sie schreckt das ab, obwohl sie uns nicht kennen“. Es gebe immer etwas zu erzählen, was die alltäglichen Probleme und schweren Schicksale der Betroffenen in den Hintergrund treten lassen. Es würde sehr viel gemeinsam gelacht. 

„Oft hilft es schon, mit anderen zu sprechen, die Ähnliches erlebt haben“, sagt Bolle. Daher ist eine psychische Vorerkrankung kein Hindernis für ein ehrenamtliches Engagement, sagt Jarohs. In den Gruppen arbeiteten psychisch kranke und gesunde Menschen zusammen.

Oft friedlich, nicht aggressiv

In den 21 Jahren, die sich Bolle bereits engagiert, sei es nur einmal zu einem Zwischenfall mit einem Mann, der die Kontrolle verloren hatte, gekommen. Das findet sie wichtig zu betonen. Auch Leon Mixon stört, dass auch in der medialen Berichterstattung Gewalt und psychische Erkrankung sehr oft in Zusammenhang gestellt würden. 

Dabei seien psychisch kranke Menschen meist friedlich. Er schätzt besonders den vertrauensvollen Umgang miteinander. In den Gruppen solle jeder die Chance haben, so zu sein, wie er ist, ergänzt Bechtel.

Mixon engagiert sich erst seit Kurzem für die Begegnungsstätten und gehört zu den jüngsten Ehrenamtlichen. „Das ist ein Problem. Viele der Helfer sind zwischen 65 und 80 Jahren. Es kann langfristig aber nur funktionieren, wenn sich junge und gesunde Menschen engagieren.“

Informationen: Wer sich engagieren möchte, kann sich bei Sinikka Jarohs (05 61/7 87 53 65) oder bei Birgit Bechtel (0561/7 87 53 67) melden. Ab dem 17. September werden Schulungen für Ehrenamtliche angeboten.

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