Ein Grund ist die gute Wirtschaftslage 

Kaum noch Kräfte auf dem Markt: Rathäuser im Kreis Kassel klagen über Personalnot

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Viele Verwaltungen im Kreis Kassel suchen Mitarbeiter. Eine Stichprobe bei den Gemeinden zeigt, dass es schwieriger wird, geeignete Leute zu finden.

Viele Verwaltungen im Altkreis Kassel suchen Mitarbeiter. Eine Stichprobe bei den Gemeinden zeigt, dass es schwieriger wird, geeignete Mitarbeiter zu finden.

„Es ist wie überall in Deutschland, man spürt den Fachkräftemangel“, sagt Schauenburgs Bürgermeister Michael Plätzer. Noch könnten Stellen nachbesetzt werden, einfacher werde es aber nicht. „Wir bilden inzwischen selber mehr aus“, sagt er. So werde gerade ein Auszubildender für den Beruf des Verwaltungsangestellten gesucht.

In Söhrewald setzt man auch auf Interkommunale Zusammenarbeit, um den Bürgern einen möglichst umfänglichen Service bieten zu können. Die kleine Verwaltung hat große Probleme. Das hat auch mit dem plötzlichen Tod zweier Mitarbeiter zu tun. Aber auch schon davor lief es nicht rund: „Eine Stelle in der Bauverwaltung war sechs Monate lang vakant“, sagt Bürgermeister Michael Steisel. 

Kreis Kassel: Grund für Misere ist auch gute Wirtschaftslage

Glücklicherweise habe man nun endlich eine geeignete Kandidatin gefunden. Ein Grund für die Misere, sei die gute Wirtschaftslage. So entschieden sich viele Kandidaten gegen einen Job in der Verwaltung und für die Privatwirtschaft. Verständlich, sagt Steisel. „Wir sind im Gehaltsgefüge nicht so flexibel wie die Wirtschaft.“ Auch das Zahlen von Boni sei in einer Verwaltung schwieriger.

Aber nicht nur mit der Wirtschaft trete man auf dem Arbeitsmarkt in Konkurrenz, sondern auch mit größeren Verwaltungen. „Bei uns erwarten die Bürger denselben Service wie in Kassel. Wir haben aber viel weniger Mitarbeiter, die dadurch oft unter einer überproportionalen Arbeitsbelastung leiden.“ Insbesondere wenn es längere Ausfälle gebe und wenige Mitarbeiter das ausgleichen müssten. In größeren Verwaltungen gebe es einen höheren Grad der Spezialisierung und so mitunter eine geringere Arbeitsbelastung.

Keine Probleme in Vellmar

Und tatsächlich, aus Vellmar, der zweitgrößten Kommune im Landkreis mit über 300 Beschäftigten, heißt es, man habe bisher keine Probleme. Aber auch in mittelgroßen Gemeinden wird es mitunter eng. Lohfeldens Bürgermeister Uwe Jäger: „Für uns ist es schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden“. Besonders Spezialisten: So habe die Gemeinde lange eine Fachkraft für Wasserversorgungstechnik gesucht. Vergeblich. 

Stattdessen habe man Leiharbeiter beschäftigt und Mitarbeiter zu Fortbildungen geschickt. Gleichzeitig wird die Gemeinde selbst aktiv: „Wir haben ein neues Personalentwicklungskonzept erarbeitet, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben.“ Dies enthalte einen Katalog von Ideen, der von privat nutzbaren Tablets für Auszubildende, über einen Zuschuss für E-Bikes und Betriebspaten für Neueinsteiger bis hin zur Einführung der Telearbeit und freiwilliger Teilnahme an leistungsbezogener Bezahlung reichen.

"Kaum noch Kräfte auf dem Markt"

Auf einiges könne man allerdings keinen Einfluss nehmen. Etwa auf die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte. Das sei besonders bei Erziehern ein Problem. Die werden momentan fast überall gesucht. „Da gibt es kaum noch Kräfte auf dem Markt“, sagt Espenaus Büroleiter Albrecht Bertelmann.

Seine Gemeinde habe bisher alle Stellen besetzen können, aber es werde zunehmend schwieriger. Verschärft habe sich die Situation noch durch die gestiegene Nachfrage bei der U 3-Betreuung, die besonders personalintensiv sei. Als Gemeinde sei man dazu übergegangen, möglichst unbefristete Verträge anzubieten. Man hoffe nun aber besonders auf die bundesweit angedachten Reformen, die den Beruf attraktiver machen sollen.

Das sagt die Stadt Kassel 

„Die Stadt Kassel profitiert von der regionalen Lage als einzige große Stadtverwaltung in der näheren Umgebung“, sagt Sprecher Michael Schwab. Aufgrund der demografischen Entwicklungen Man sei stabil aufgestellt, aber habe auch mit dem demografischen Wandel zu kämpfen. „Wir setzen auf gute Ausbildung sowie die ständige Weiterqualifizierung des Personals“. 

Mit einer Ausbildungsquote von sieben Prozent und mehr, bilde man im gehobenen Dienst für die allgemeine Verwaltung seit Jahren über Bedarf aus. „Freie Stellen könnten dadurch in der Regel problemlos nachbesetzt werden.“ In Einzelfällen, etwa bei Stellen im technischen Bereich würde man mitunter auch von der üblichen formalen Qualifikation abweichen und so eine gute Personalauswahl ermöglichen.

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Kommentare

Emma GlückAntwort
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Dann sieht der Bürger es aber falsch.

InuxinaAntwort
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Die HNA kann die Fehler nicht beheben. Aber diese anzusprechen ist vielleicht der erste Schritt solche Fehler zu beheben, wenn es auch Verantwortliche geben sollte: die darauf eingehen. Bei aller Kritik: hier hat unsere Tageszeitung den richtigen Anfang gemacht. (Glückwunsch)

Inuxina
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Aus wirklich persönlicher Erfahrung weiss ich: Es gäbe gute Mitarbeiter - die aber nicht als Beamte augebildet sind und wieder entlassen werden".
Da gibt es welche. denen muss man nur einen Begriff nennen; und sie haben mit einem photographischen Gedächtnis die Orte, Vorgänge, Zahlen oder Gegebenheiten im Kopf. Die sehen nur ein Foto und sagen; wie, wo oder was. In cm oder strucktueller Eigenschaft. Aber solche Leute möchte man nicht. Wie auch immer :-)

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