Tradition befindet sich im Wandel

Zahl der Taufen im Landkreis Kassel geht seit Jahren zurück

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Die Zahl der Geburten sinkt. Doch das ist nicht der alleinige Grund, warum heute weniger Taufen stattfinden als früher. 

Kreis Kassel. Die Taufe ist eines der ältesten Rituale der Kirche und hat für viele Menschen eine hohe Bedeutung. 

Gerade Ostern ist schon immer ein beliebtes Taufdatum gewesen. Doch die Zahl der Taufen geht sowohl bei den Katholiken als auch bei den Protestanten zurück.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich im evangelischen Kirchenkreis Kaufungen laut Dekanin Carmen Jelinek etwa 7000 Menschen taufen lassen, in den achtziger und neunziger Jahren gab es während eines Jahrzehnts noch jeweils über 10.000 Taufen. „Damals, vor 30 bis 40 Jahren, lagen die Zahlen der Geburten aber auch wesentlich höher“, sagt Jelinek. Bei den Katholiken haben sich in Stadt und Landkreis Kassel nach Angaben von Christof Ohnesorge, Sprecher des Bistums Fulda, im Jahr 1997 noch 671 Menschen taufen lassen, 2017 waren es 533.

„Neben den gesunkenen Geburtenzahlen kann ein Grund für den Rückgang der Taufen sein, dass diese Tradition früher selbstverständlicher war und gar nicht hinterfragt wurde“, sagt Jelinek. „Außerdem ist manchen Eltern der Glaube nicht so wichtig, sodass sie ihre Kinder deshalb nicht taufen lassen. Das kann ich aber nur vermuten.“

Zeitpunkt der Taufe hat sich verändert

Auch der Zeitpunkt der Taufe im Leben eines Menschen hat sich verändert. „Familien lassen ihre Kinder eher erst ab dem vierten Lebensmonat taufen und nicht mehr so sehr in den ersten Wochen, wie das früher der Fall war“, sagt Ohnesorge.

Das bestätigt auch Jelinek. „Heute sind die Kinder etwas älter, vier Monate bis ein Jahr, oder auch mal eineinhalb Jahre alt. Ich habe den Eindruck, die Familien schauen erst einmal, dass sie mit der neuen Situation der Geburt eines Kindes zurechtkommen und wenn dann alles in guten Bahnen verläuft, denken sie an die Taufe.“

Damals sei die Angst stärker gewesen, wenn ein ungetauftes Kind stirbt, dass es dann von Gott nicht angenommen sei. „Wir als Theologen haben aber viele Jahre deutlich vermittelt, dass ein Kind, das von Gott geschenkt wird, auch nach dem Tod wieder in Gottes Hände zurückkehrt“, sagt Jelinek.

Taufe heute als Familienfest gefeiert

Die Taufe bedeute auch die Eingliederung in der Gemeinde, sagt Pfarrer Peter Bulowski, Leiter der Pfarrei Sankt Elisabeth in Kassel. „Das Ereignis wird als Familienfest gefeiert. Früher war der vorherrschende Grund der Taufe, vor Gott gut dazustehen und seine Gnade zu erlangen.“

Seit vielen Jahren konstant ist die Zahl der Taufen im Erwachsenenalter und bei Jugendlichen. Im Kirchenkreis Kaufungen gibt es pro Konfirmandengruppe ein bis drei Taufen unmittelbar vor der Konfirmation, also im Alter von 14 oder 15 Jahren. „Das hat sich seit 20 Jahren nicht verändert“, sagt Gottfried Bormuth, Pfarrer in Niederkaufungen.

Im Alter von 14 Jahren werden Jugendliche religionsmündig, das heißt, ab dann können sie sich eigenständig für eine Taufe entscheiden. „Interessant ist aber, dass auch kleinere Kinder, die im Religionsunterricht oder in der Jungschar etwas über die Taufe erfahren, den Wunsch entwickeln, selbst getauft zu werden. Das kann natürlich dann nur in Abstimmung mit den Eltern geschehen“, sagt Dekanin Carmen Jelinek.

Bei den Katholiken hat sich die Zahl der Erwachsenentaufen ebenfalls nicht signifikant verändert. „Das sind vielleicht zwei bis drei im Jahr“, sagt Ohnesorge.

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