Projekt der Deutschen Bahn

Kurve Kassel: Bürger setzen auf alternative Strecken

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Kurve Kassel weiter in der Kritik: CDU fordert weitere Prüfung

Es ist eines der umstrittensten Projekte im Kreis Kassel: die „Kurve Kassel“. Bürgerinitiativen fordern eine Prüfung von Alternativen.

Update am 29.09.2019 - Sollte die von der Deutschen Bahn geplante Güterzugtrasse nördlich von Kassel irgendwann gebaut werden, dann werden es vor allem die Menschen in Espenau, Fuldatal und Vellmar sein, die unter den Auswirkungen leiden werden. Deshalb ist in diesen Gemeinden der Protest gegen die sogenannte „Kurve Kassel“ besonders groß.

Die geplante Güterzugtrasse soll die Bahnstrecken von Westfalen nach Kassel und von Kassel nach Thüringen so miteinander verbinden, dass die Güterzüge nicht mehr in den Kasseler Rangierbahnhof einfahren müssen und damit Zeit sparen.

Kurve Kassel: Bürger fürchten Lärmbelästigung

„Den Menschen in Vellmar wird immer bewusster, welche zusätzliche Lärmbelastung durch noch mehr Güterzüge für sie entstehen würde und dass ein stadtnahes Erholungsgebiet zerstört wäre, wenn eine Kurve Kassel kommt“ sagt Klaus Werner, Sprecher der Bürgerinitiative Vellmar. Er verweist auf die hohe Bevölkerungsdichte in dem nur 14 Quadratkilometer großen Stadtgebiet, und die schon bestehenden Bahnstrecken durch Ober- und Niedervellmar. Deshalb fordert die Bürgerinitiative, dass die Bahn den Ausbau der bereits vorhandenen Bahnstrecke Altenbeken-Northeim-Nordhausen als Alternative zur Kurve Kassel gleichwertig prüft.

Damit ist die Bürgerinitiative aber nicht allein. Verbände, Bundes- und Landtagsabgeordnete und auch Bürgermeister der jeweils betroffenen Kommunen entlang dieser Strecke haben sich mit einer Ausnahme dafür ausgesprochen, dass eine gleichwertige und vergleichende Prüfung der Sollingbahn als Alternativroute durchgeführt wird.

Bürgerinitiativen starteten Petitionen gegen Kurve Kassel

Das Bundesverkehrsministerium hat dies allerdings abgelehnt. Der zuständige Staatssekretär Enak Ferlemann begründete das laut BI-Sprecher Werner mit dem im Jahr 2016 beschlossenen Bundesverkehrswegeplan 2030. Die Bürgerinitiative hält dies aber nicht für stichhaltig und hat gegen die Ablehnung einer Prüfung der alternativen Streckenführung eine Petition beim Deutschen Bundestag eingelegt.

Nach Auffassung von Vellmars BI-Sprecher Klaus Werner ist die Geschäftsgrundlage des Bundesverkehrswegeplans entfallen: „Die Bahn soll nach den aktuellen Planungen sehr viel mehr Investitionsmittel für den Schienenwegeausbau erhalten, als seinerzeit geplant. Der Neubau einer eingleisigen Verbindungsstrecke ausschließlich für den Güterverkehr nördlich von Kassel macht doch vor diesem Hintergrund gar keinen Sinn.“ 

So könnte die Kurve Kassel verlaufen.

Auch die Bürgerinitiative Fuldatal hat bereits eine Petition an den Petitionsausschuss des Bundestages versandt, in der sie die Prüfung von den Alternativrouten (siehe Grafik) fordert. „Wir wissen von den Petitionen wechselseitig“, erklärt Werner. „Aber wir waren der Meinung, dass es ein stärkeres Zeichen setzt, wenn wir jeweils eine eigene Petition einreichen.“ In der Summe ziehe man bei dem Protest aber zusammen an einem Strang.

So haben die Bürgerinitiativen in Fuldatal und Vellmar auch bereits mehrere tausend Unterschriften gesammelt, um gegen den geplanten Bau zu protestieren. Über 1000 Unterschriften haben die Mitglieder der Bürgerinitiative Vellmar für ihre Forderungen zur „Kurve Kassel“ allein in der Bevölkerung von Vellmar gesammelt. In Fuldatal hat die Bürgerinitiative bereits 2280 Unterschriften zusammengetragen.

Kurve Kassel weiter in der Kritik: CDU fordert weitere Prüfung 

Bei dem geht es darum, zwei Güterzugstrecken nördlich von Kassel so zu verbinden, dass die Züge nicht jedes Mal zum Rangierbahnhof in der Stadt fahren müssen.

Die CDU im Landkreis Kassel fordert nun hinsichtlich des Bahnprojektes „Kasseler Kurve“ von der Bundesregierung eine gleichgestellte Prüfung der gegenwärtig im Planungsverfahren anvisierten Korridore mit möglichen Alternativrouten. Einen entsprechenden Antrag der räumlich betroffenen CDU-Verbände (Fuldatal, Grebenstein, Hofgeismar, Immenhausen, Liebenau, Trendelburg und Vellmar) hat der CDU-Kreisvorstand in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen.

Kurve Kassel: CDU kritisiert Projekt der Deutschen Bahn

„Dabei ist es uns wichtig zu betonen, dass wir das grundsätzliche Ziel einer Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene für richtig halten. Auch erachten wir eine Entlastung der schienengebundenen Ost-West-Achse entsprechend des Bundesverkehrswegeplans 2030 und die Aufnahme in den vordringlichen Bedarf angesichts der Verkehrsprognosen als zielführend“, erklärt der stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende Alexander Lorch, der federführend für die CDU-Verbände den Antrag zur Kurve Kassel erarbeitet hatte.

„Wir sind daher nicht grundsätzlich gegen die von der Deutschen Bahn vorgestellten Suchräume im nördlichen Landkreis Kassel, halten es aber für inakzeptabel, dass denkbare Alternativplanungen, wie etwa über die Bestandsstrecke in Altenbeken, gegenwärtig aus formalen Gründen ausgeschlossen sind.“

Auch Bürgermeister wollen Prüfung von Alternative zur Kurve Kassel

In den vergangenen Monaten hatten sich bereits mehrere Teilnehmer des Runden Tisches, zu dem die Deutsche Bahn Anfang des Jahres geladen hatte, dafür ausgesprochen, eine weiträumige Umfahrung über Altenbeken-Northeim-Nordhausen als Alternative zur Kurve Kassel zu prüfen. Auch mehrere Bürgermeister aus den betroffenen Gemeinden im Landkreis Kassel sowie entlang der Sollingbahn hatten sich bereits für eine Prüfung dieser Strecke als mögliche Alternative zur Kurve Kassel ausgesprochen.

„Für uns ist die Frage entscheidend, wie anhand nachweisbarer Kriterien die Streckenführung gefunden werden kann, die für Mensch, Natur und Wirtschaftlichkeit die in Summe besten Ergebnisse liefert“, erläutert Alexander Lorch die Position der CDU. Daher sollten bei einer ergebnisoffenen Prüfung folgende vier Aspekte berücksichtigt werden:

  • Lärm- und andere Immissionsbelastungen für die Anwohner entlang der neuen und der bestehenden Streckenführungen,
  • entsprechende Sekundärauswirkungen auf die geplanten und bestehenden Bahnstrecken im Landkreis Kassel durch die prognostizierte fast Verdreifachung des Schienengüterverkehrs,
  • Flächenverluste für Landwirtschaft und Naturschutz sowie
  • Nutzung und Ertüchtigung vorhandener Bahnanlagen.

„Bislang fehlen uns in der Gesamtdiskussion über das Projekt vor allem Informationen dazu, welche konkreten Mehrbelastungen für die Bevölkerung entstehen und mit welchen Beeinträchtigungen an den Bahnübergängen zu rechnen ist“, schreibt Lorch. Gerade die schwierigen topografischen Bedingungen im Suchraum der Gemeinde Fuldatal würden erhebliche Eingriffe in Natur und Landschaft zur Folge haben.

Erst wenn nach Berücksichtigung solcher Kriterien klar nachgewiesen werden könne, dass ein Ausbau entlang bestehender Gleisverbindungen keine ökologisch und wirtschaftlich vertretbare Entlastung darstelle, mache eine konkretere Planung im Bereich nördlich der Stadt Kassel überhaupt Sinn, heißt es vonseiten der CDU.

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