Protest auch in der Bevölkerung

Ärger um die Kurve Kassel: Vier Bürgermeister sind gegen geplanten Streckenbau der Bahn

Für den Verlauf der Kurve Kassel gibt es mehrere mögliche Varianten.

Die Bürgermeister der Gemeinden Espenau, Fuldatal, Immenhausen und Vellmar sprechen sich gemeinsam in einem Schreiben gegen den Neubau einer eingleisigen Spange im Landkreis Kassel aus.

Sie wollen ein Zeichen setzen, klar Position beziehen und ihren Bürgern zeigen: Ihr seid nicht alleine. "Wir vier sind generell gegen die Planungen zur Kurve Kassel in unserer Region", sagt Espenaus Bürgermeister Carsten Strzoda (parteilos).

Beim Projekt Kurve Kassel geht es konkret darum, zwei Güterzugstrecken nördlich von Kassel so zu verbinden, dass die Züge nicht jedes Mal zum Rangierbahnhof in der Stadt fahren müssen. Rund 40 Minuten Fahrzeit sollen dadurch laut der DB Netz AG gespart werden.

Derzeit sondiert die Deutsche Bahn in einem Suchraum, welche Streckenführung sich eignet. Entstehen soll die Trasse im Dreieck zwischen Immenhausen, Kassel und Wilhelmshausen. Dabei stehen drei Varianten zur Debatte. Alle drei würden den Landkreis Kassel und die Kommunen stark belasten, erklären die Bürgermeister in dem Schreiben, das sie unter anderem an Vertreter von Kreis, Land, Bund und der Bahn verschickt haben.

„Es darf nicht sein, dass intakte Landschaft und Natur zerstört und betroffene Bürger neben der zerstörten Landschaft auch einem erhöhten Maß an Lärm ausgesetzt werden“, heißt es in dem Schreiben. „Wir werden es am Ende mit einer total zerpflückten Landschaft zu tun haben“, sagt Fuldatals Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU). Deshalb sei es wichtig, das Raumordnungsverfahren so schnell wie möglich zu stoppen, erklärt Vellmars Bürgermeister Manfred Ludewig (SPD).

Die Bürgermeister vermuten, dass sich die Deutsche Bahn längst auf die Strecke von Espenau-Mönchehof südlich an Fuldatal-Simmershausen vorbei bis nach Fuldatal-Ihringshausen festgelegt hat. „Die beiden anderen sind nur Scheinvarianten“, sagt Schreiber, da sie in der Umsetzung viel zu aufwendig und teuer seien. Die Bahn sei schon dabei, geologische und biologische Gutachten zu erstellen, die sie beim Runden Tisch am 25. Februar vorstellen wird. Die Bahn sage zwar, dass sich das Projekt noch in einem sehr frühen Zeitpunkt befinde. „Aber die Bahn arbeitet im Hintergrund weiter“, sagt Strzoda. So würden Fakten geschaffen.

Ein weiteres Argument der Bürgermeister gegen die Spange im Landkreis Kassel ist, dass es bereits bestehende Strecken gibt, die besser geeignet seien, den zusätzlichen Güterverkehr aufzunehmen. Die Varianten Altenbeken-Ottbergen-Northeim-Nordhausen-Halle zum Beispiel sei bereits vorhanden. Diese Trasse sei schon einmal zweigleisig gewesen und von der Bahn zurückgebaut worden.

„Es kann sich keiner von uns erklären, warum diese Trasse gar nicht ins Kalkül genommen wird“, sagt Strzoda. Ein Ausbau zerstöre hier keine Landschaft, die Strecke sei innerhalb der Bevölkerung akzeptiert und darüber hinaus sei sie auch in der Streckenlänge kürzer, argumentieren die Bürgermeister.

Grundsätzlich seien sie sich alle einig, dass mehr Verkehr auf die Schienen gebracht werden müsse. Aber gerade Fuldatal und Vellmar seien bereits durch die ICE-Strecke stark belastet. Am Ende werde die Wohnqualität in allen Kommunen entlang der Trasse leiden. „Wir haben eine Verantwortung für Generationen“, sagt Schreiber. Ihr Anliegen sei auch der Bevölkerung zu sagen, sich aktiv einzubringen.

Widerstand der Kommunen gegen die Kurve Kassel

In der Bevölkerung der betroffenen Kommunen regt sich bereits heftiger Widerstand gegen die Kurve Kassel. In Fuldatal und Vellmar gründen sich in diesen Tagen Bürgerinitiativen, deren Vertreter auch am Runden Tisch sitzen werden, der zum ersten Mal am Montag, 25. Februar, einberufen wird. Am Runden Tisch sollen laut Informationen der Deutschen Bahn Vertreter der lokalen Anrainer, Organisationen und Institutionen über den Fortschritt der Untersuchung und Planung informiert werden. Das Format soll auch Raum für einen Dialog und Diskussionen geben.

Auch in Espenau hat sich ein Bündnis formiert, dass den Widerstand der Espenauer Bevölkerung am Runden Tisch vertreten wird. In der vergangenen Gemeindevertretung wurde die Gründung eines Ausschusses beschlossen, in dem jeweils ein Vertreter der Fraktionen sitzt. In einem gemeinsamen Antrag sprachen sich die Gemeindevertreter (mit einer Gegenstimme) gegen den Neubau der Kurve aus. Der Ausschuss soll sicherstellen, dass alle alternativen Möglichkeiten geprüft werden.

Das ist das Projekt "Kurve Kassel"

Das Projekt "Kurve Kassel" soll nördlich von Kassel eine Verbindung zwischen den Eisenbahnstrecken Warburg - Kassel und Kassel - Hann. Münden schaffen. Dadurch sollen laut Deutscher Bahn Zeit und Kosten eingespart werden, da Güterzüge nicht mehr im Kasseler Rangierbahnhof die Fahrtrichtung ändern müssten.

Das Projekt befindet sich laut Deutscher Bahn noch in der "Vorplanung". Diese Stufe soll noch 2020 abgeschlossen sein. Wann genau die Strecke in Betrieb genommen wird, ist noch offen. Das Projekt ist Teil des "Frankfurt RheinMain plus" und hat im "Bundesverkehrswegeplan 2030 den Status als "Vordinglicher Bedarf" erhalten. 

Mehr Informationen zur "Kurve Kassel" gibt es bei der Deutschen Bahn.

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