Zeichen des Klimawandels

Landkreis Kassel verbietet ab sofort Entnahme von Wasser aus Flüssen und Bächen

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Nur noch wenige Zentimeter tief: Noch Mitte Mai war der Wahlebach in Lohfelden über die Ufer getreten. „Heute, keine drei Monate später, plätschert nur noch ein kleines Rinnsal durch das Bachbett“, sagt Gabriele Lemmer, zuständig für Wasser- und Bodensch utz beim Landkreis Kassel.

Ab sofort ist die Entnahme von Wasser aus Bächen und Flüssen im gesamten Landkreis Kassel verboten.

Am Freitag hat Vize-Landrat Andreas Siebert (SPD) einen entsprechenden Erlass unterzeichnet. Kassel hatte schon am Mittwoch ein Wasserentnahmeverbot ausgesprochen, die Landkreise Werra-Meißner und Schwalm-Eder werden folgen.

Verboten ist damit nicht nur das Abpumpen von größeren Wassermengen zum Beispiel für die Bewässerung von Gärten, sondern auch das Schöpfen kleinerer Mengen von Hand, auch nicht zum Tränken von Tieren. „Das Verbot gilt für den Gemein-, Anlieger- und Eigentümergebrauch“, sagt Siebert. Von dem Verbot zunächst nicht betroffen seien die Fulda und die Weser.

Anhaltende Trockenheit

Grund für den Erlass sei die seit Juni anhaltende Trockenheit. „Die Pegel von Bächen und Flüssen sind inzwischen besorgniserregend niedrig“, sagt Gabriele Lemmer, zuständig für Wasser- und Bodenschutz beim Landkreis Kassel. Zwar sorgten regionale Schauer und Gewitter immer wieder für ein Anschwellen der Bäche. „In Summe aber ist das aber alles zu wenig, um die Situation zu entschärfen.“ Einige Bäche im Landkreis, wie die Espe, seien zeitweilig sogar ganz trockengefallen.

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Durch das extreme Niedrigwasser drohen ganze Lebensräume für im Wasser lebende Organismen zu verschwinden – von der Köcherfliegenlarve bis zur Bachforelle. So diene das Verbot zuerst dem Schutz der Tiere und Pflanzen, die von Oberflächengewässern abhängig sind.

Wasserentnahmeverbot erstmals 2018 erlassen

Erstmalig musste der Landkreis Kassel 2018 ein Wasserentnahmeverbot erlassen. Zwar sei die Situation in diesem Sommer nicht ganz so schlimm wie 2018. „Jedoch kommen wir auch diesmal um ein Wasserverbot nicht herum“.

Und daran werde sich voraussichtlich in den kommenden Wochen auch nichts ändern. Laut aktueller Wetterprognosen des Deutschen Wetterdienstes seien absehbar keine länger andauernden und flächendeckenden Regenfälle zu erwarten. „Dabei bräuchten wir jetzt nachhaltige Regenwetterlagen, die über viele Wochen täglich mehrere Stunden lang nicht übermäßig starken, dafür aber kontinuierlichen Regen bringen“, sagt Lemmer. Doch sei – so wie es derzeit aussehe – bis Oktober nicht damit zu rechnen.

Mit dem Verbot soll auch die Sensibilität der Menschen im Umgang mit Wasser erhöht werden. „Was wir hier erleben, ist wirklich besorgniserregend“, sagt Siebert. Denn dauerhaft ausbleibender Regen werde sich irgendwann auch auf die Trinkwasserversorgung auswirken.

Hohe Geldstrafen

Wer gegen das Wasserentnahme-Verbot des Kreises verstößt, für den kann es richtig teuer werden. Die Ordnungswidrigkeit kann im Einzelfall mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Euro geahndet werden. 

„Im vergangenen Sommer ist uns kein einziger Verstoß gemeldet worden“, sagt Gabriele Lemmer vom Landkreis Kassel. Lediglich drei Fälle von Wasserentnahmen habe es kurz vor der Aussprache des Verbotes gegeben. „Die Erfahrung zeigt, dass sich die Menschen daran halten“. Dafür sorge – so zeige die Erfahrung – allein schon die soziale Kontrolle in den Nachbarschaften.

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Kommentare

GWGSPMAntwort
(1)(0)

Hatten wir schon alles hier. Keine Windkraft im Wald!

DerArbeiter
(0)(0)

Eigentlich nicht zu verstehen, bei den Regenmengen was in den letzten Wochen runter gekommen ist. Also ehrlich das kann an zwei Wochen heiß Sommer nun wirklich nicht liegen. Die hatten wir nämlich schon vor über 40zig Jahren. Denke der Wasserverbrauch der einzelnen steigt stark an.

Lasse SvensenAntwort
(0)(0)

Wenn Sie wirklich das glauben was Sie hier zum Besten geben - warum fassen Sie vor lauter Bakterien noch Türklinken an, oder Geld? Und Chemtrails kommen nicht nur aus Strahtriebwerken sondern aus dem gewöhnlichen Auspuff.

Geld - sollte sie Sorge für die Nachkommen, dem Erhalt der eignen Dynastie, diesen. Hier sehe ich nur ein Nach.mir-die-Sintflut.
Ja es geht ums Geld. Um das (die Unsummen) was die Naturvernichtung wert ist aber an keiner Börse, in keiner Bilanz auftaucht.

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