Bauern vermieten ihren Boden

Hilfe für Insekten: Landwirte im Kreis Kassel suchen Paten für Blühflächen

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Wollen mehr Lebensraum für Insekten schaffen: Landwirt Erich Schaumburg und Stefanie Wittich vom Kreisbauernverband Kassel setzen sich für Blühstreifenpatenschaften im Landkreis Kassel ein. 

Der Kreisbauernverband hat im Landkreis Kassel eine neue Initiative ins Leben gerufen. Landwirte vermieten ihren Boden, sodass jeder für ein Stück Land eine Blühpatenschaft übernehmen kann. 

Noch ist das Weizenfeld von Landwirt Erich Schaumburg aus Niestetal mit einem etwa zwölf Meter breiten Erdstreifen umrahmt. Doch schon bald wird es dort, wo zurzeit nur der braune Boden zu sehen ist, bunt und zu einem Paradies für Insekten.

Denn Schaumburg ist gerade dabei, die Saat für einen Blühstreifen einzubringen – davon soll es durch eine Initiative des Kreisbauernverbandes bald noch viel mehr geben.

„Jeder, der möchte, kann ab sofort eine Blühstreifenpatenschaft übernehmen“, erklärt Stefanie Wittich vom Verband. Das heißt: Interessierte melden sich, sagen, wie viel Fläche sie haben möchten, und der Landwirt, dem der Boden gehört, verdoppelt ihn freiwillig und verwandelt ihn in Blühfläche. Je Quadratmeter zahlt man 50 Cent, ab 1000 Quadratmeter reduziert sich der Preis um 5 Cent, ab 10.000 Quadratmeter um 10 Cent. Die Patenschaft gilt bis zum 1. Oktober, dann ist der Bestand abgeblüht und die Fläche wird für das nächste Jahr vorbereitet.

„Wir wollen der Bevölkerung die Gelegenheit geben, sich aktiv daran zu beteiligen, die Artenvielfalt zu unterstützen, Nahrungsquellen für Insekten zu schaffen und die Attraktivität der Landwirtschaft zu steigern“, erklärt Erich Schaumburg als Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Kassel. Gerade für Menschen, die in der Stadt leben und keine Möglichkeit haben, sich einen Garten anzulegen, sei das eine gute Gelegenheit.

„Als Pate hat man damit einen Ort für Insekten geschaffen, auf den natürlich kein Dünger kommt und nicht gespritzt wird“, sagt Schaumburg. Die blühenden Flächen grenzen zwar an die bewirtschafteten an, jedoch sei durch präzise Spritz- und Düngetechnik sichergestellt, dass weder Pflanzenschutzmittel noch Dünger auf die Blühflächen gelange.

Imker freuen sich besonders über Blühflächen 

Was die Initiative des Bauernverbandes für die Zukunft der Insekten bringt, kann auch Schaumburg nicht abschätzen. „Das ist ein Pilotprojekt. Wir müssen in ein paar Jahren sehen, inwiefern eine dann hoffentlich größere Blühfläche die Umwelt beeinflusst und ob sich dadurch etwas zum Positiven verändert hat.“

Für die Landwirte ist es indes kein Verlust, Fläche umzuwandeln. „Von der Gesellschaft wird zurzeit verlangt, dass wir mehr für die Umwelt tun. So kommen wir dem ein Stück nach und haben daran keine Nachteile.“ Denn ob der Bauer Weizen sät, erntet und verkauft oder das Geld für die Fläche durch eine Patenschaft einnehme, sei am Ende wirtschaftlich für den Betrieb kein Unterschied.

Wer sich über die neuen Blühflächen besonders freut, sind die Imker. „Gerade im Spätsommer finden Bienen in der Natur nur schwer Nahrung“, sagt Simon Gärtner aus Niestetal. „Da können die Flächen gut helfen.“

So wird man Pate 

Wer eine Blühstreifenpatenschaft übernehmen will, kann sich beim Kreisbauernverband Kassel telefonisch unter 05 61/4 14 11 (Montag bis Freitag von 8 bis 14 Uhr) oder per Mail unter Angabe des Wohnortes an wittich@kbv-kassel.de wenden. Ab 100 Quadratmeter Fläche gibt es ein Glas Honig vom Imker aus der Region dazu. Die Paten erhalten ein Zertifikat, Bilder der Blühfläche und die genaue Standortangabe. Je nach Wohnort des Paten wird versucht, eine Fläche in der Nähe zu vermitteln.

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