Aktuell vermutlich nur noch ein Tier in der Region

Jetzt ist es nur noch einer: Der Luchs in Nordhessen droht auszusterben

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Seit Sommer 2018 aus Hessen verschwunden: Luchs Yuki ist wieder in den Harz zurückgewandert, möglicherweise auch deshalb, weil es seit 2015 keine weiblichen Luchse mehr in den heimischen Wäldern gibt. Yuki war erst 2016 aus dem Harz nach Nordhessen zugewandert. Das Foto entstand im Mai 2017 bei Rotenburg. Im Harz gibt es schon seit 2000 wieder Luchse.  

Der Luchs in Nordhessen droht auszusterben. Mit dieser Nachricht hatte der Göttinger Luchs-Forscher Markus Port vom Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie für Aufsehen gesorgt.

Schon zum Zeitpunkt der Warnung im August hielten sich nur noch zwei Kuder (Luchsmännchen) in den heimischen Wäldern rund um Kassel auf – Yuki und Felux. Inzwischen steht fest: Yuki gibt es dort nicht mehr. Der rund dreieinhalb Jahre alte Luchs, der noch bis vor wenigen Monaten durch die Wälder zwischen Meißner und Rotenburg zog, ist wieder abgewandert – zurück in den Harz. „Erst vor Kurzem gelang dort sein genetischer Nachweis an einem gerissenen Reh“, sagt der Göttinger Luchsforscher.

Und was ist mit Felux? Über das zweite Luchs-Männchen können aktuell keine genauen Angaben gemacht werden. Grund: Über den Sommer waren die Fotofallen in seinem Streifgebiet im Kaufunger Wald kurzzeitig abgebaut und erst wieder im Oktober neu installiert worden. „Ergebnisse gibt es noch keine, die Auswertung der Bilder dauert noch an“, sagt Port.

Über die Gründe, warum Yuki wieder in den Harz zurückgewandert ist (dort gibt es seit 2000 wieder Luchse), lässt sich nur spekulieren. „Das Fehlen von Weibchen muss aber als Möglichkeit in Betracht gezogen werden“, sagt Port. Denn weibliche Luchse gibt es tatsächlich seit Wüten der für Luchse tödlichen Fuchsräude in den heimischen Wäldern Ende 2015 nicht mehr. Zu dieser Zeit war der Luchsbestand in Nordhessen von ehedem sechs auf nur noch zwei Tiere zusammengeschrumpft.

Das Problem dabei: Weibchen sind deutlich weniger zugfreudig als männliche Luchse. „So sieht es aktuell nicht danach aus, dass neue weibliche Tiere zuwandern“, sagt Port. Grund: Nach derzeitigem Kenntnisstand werden die über 50 Kilometer zwischen dem Harz-Südrand und dem Kaufunger Wald von weiblichen Luchsen bestenfalls in seltenen Ausnahmen überwunden. Daher sei in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht mit der natürlichen Zuwanderung eines weiblichen Luchses aus dem Harz zu rechnen.

Im Gegensatz dazu seien die Luchsmännchen wesentlich mobiler. „Von Januar bis März zur Paarungszeit sind vor allem die männlichen Luchse sehr zugfreudig, weil sie auf der Suche nach einem Weibchen sind“, sagt Port. So sei das Untersuchungsgebiet in Nordhessen nun auf 1000 Quadratkilometer vergrößert worden. „Zunächst wollen wir klären, ob wenigstens Felux seiner nordhessischen Heimat treu geblieben ist. Wir werden dann aber auch Aussagen darüber machen können, ob es noch weitere Luchse in Bereichen Nordhessens gibt, die bislang noch nicht systematisch untersucht wurden.

„Doch selbst wenn Felux nach wie vor in Nordhessen leben sollte, ist klar, dass die Hoffnungen auf den Fortbestand des hessischen Luchsvorkommens nicht allein auf den Schultern eines einzigen Luchses ruhen können“, sagt Port. „Wenn der nordhessische Luchsbestand gänzlich zusammenbrechen sollte, wäre dies ein herber Rückschlag. Nicht nur für Hessen, sondern für die Ausbreitung des Luchses in Mitteldeutschland“.

Was daher dringend gebraucht würde, sei eine länderübergreifende Strategie für eine erfolgreiche Ausbreitung des Luchses in Deutschland.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

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