Patienten warten weiter auf Arznei

Medikamentenmangel: Apotheker im Landkreis Kassel fordern schnelles Handeln von Politik

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Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind nach wie vor ein Problem, das nun die Politik zu lösen versucht. 

Die Lieferengpässe bei Medikamenten sind nicht nur im Landkreis Kassel, sondern in ganz Deutschland nach wie vor ein Thema. Nun beschäftigt sich zunehmend auch die Politik damit.

Kreis Kassel – Die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz haben kürzlich gemeinsam einen Entschließungsantrag zur Vermeidung von Lieferengpässen bei Medikamenten im Bundesrat vorgestellt, der in den Gesundheitsausschuss ging. Zudem hat der Bundestag vergangene Woche das Faire-Kassenwettbewerb-Gesetz zur Bekämpfung der Lieferengpässe verabschiedet.

„Da hätte schon Jahre vorher etwas passieren müssen“, sagt Michael Bruske, Inhaber der Kunigunden-Apotheke in Kaufungen. Er beschreibt die Situation als untragbar und ist verärgert darüber, dass viele Medikamente nicht lieferbar sind und er Kunden oft vertrösten muss. Jetzt mit der Problemanalyse seitens der Politik zu beginnen, sei viel zu spät. „Es wird über die Köpfe der Verbraucher entschieden“, sagt Bruske. Es ist seiner Meinung nach unmöglich, dass teilweise lebenswichtige Medikamente nicht geliefert werden können.

„Wir hatten in Deutschland die Produktionsstätten“, berichtet Bruske, doch dann sei alles ins Ausland, zum Beispiel nach China und Indien, verlegt worden. Jetzt gebe es wieder die Forderung nach inländischer Medikamentenproduktion – für den Apotheker absurd, dass sie überhaupt verlegt wurde. Bruske vermutet, dass sich die Engpässe noch verschlimmern.

„Es ist gut, dass sich die Politik damit befasst“, sagt Alexandra Lorenz von der Neuen Apotheke und der Rathaus-Apotheke in Baunatal. Bis sich langfristig etwas ändert, dass die Produktion der Medikamente beispielsweise wieder nach Europa geholt wird und nicht mehr in China und Indien angesiedelt ist, dauere es aber sicherlich noch einige Zeit. Arzneimittel sind kein normales Handelsprodukt, gibt Lorenz zu bedenken, sondern dienen der Gesundheit.

Kurzfristig habe es geholfen, dass den Apotheken mehr Handlungsmöglichkeiten gegeben wurden: Indem der Arzt ein Medikament verschreibt, lege er einen sogenannten Preisanker fest, also wie viel es maximal kosten darf. Früher mussten die Apotheken laut Lorenz den Arzt anrufen, wenn dieser Anker nicht eingehalten werden konnten. Das sei nun nicht mehr der Fall. Trotzdem bestünden nach wie vor Probleme aufgrund der Lieferengpässe: Die Apotheken hätten dadurch etwa ein Drittel mehr Arbeit als zuvor.

Karim Ragab von der Loewen-Apotheke in Vellmar vermutet, dass es durch die politischen Entscheidungen kurzfristig erst einmal keine Veränderungen gibt, sondern eher langfristig. „Wenigstens wurde erkannt, dass Handlungsbedarf besteht“, sagt er.

Das sagt der Hessische Apothekerverband

„Gegenüber dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration weisen wir regelmäßig auf die Lieferengpässe und deren mittlerweile dramatisches Ausmaß hin“, sagt Katja Förster vom Hessischen Apothekerverband (HAV). Daher begrüße der HAV die Initiative der beiden Bundesländer ausdrücklich. Eine Analyse der Gründe für die Versorgungsengpässe dürfte jedoch nicht davon abhalten, kurzfristig wirksame Schritte die Wege zu leiten. 

„Diese wären aus unserer Sicht, den Krankenkassen Mehrfachvergaben von Rabattverträgen mit mehreren Wirkstoffherstellern vorzuschreiben“, erklärt Förster. Auch bräuchten Apotheken Spielräume beim Management von Lieferengpässen, inklusive Rechtssicherheit.

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