Vectoring macht Internet schneller

Netcom Kassel kann jetzt bis zu 100 MBit pro Sekunde anbieten

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Das Glasfasernetz der Breitband Nordhessen endet an den Verteilerkästen, die „letzte Meile“ zum Endkunden bleibt ein Kupferkabel. Mithilfe der Vectoring-Technik können im Kupferkabel die Übertragungsraten von 50 auf bis zu 100 MBit pro Sekunde gesteigert werden.

Schnelleres Glasfasernetz: Statt der bisher angebotenen 50 MBit pro Sekunde ist ab sofort ein Datentransfer mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 MBit pro Sekunde möglich.

Das ist zwar längst noch nicht moderner Standard, der inzwischen bei bis zu 1000 MBit pro Sekunde anzusiedeln ist. Doch handelt es sich immerhin schon um eine Verdopplung der zunächst geplanten Übertragungsleistung.

Wie die Breitband Nordhessen als Netzeigentümerin mitteilt, gilt das Angebot ab sofort und für das gesamte Ausbaugebiet in den fünf Landkreisen Nordhessens – Kassel, Werra-Meißner, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg. Zwar wird in einzelnen Bereichen immer noch gebaut oder geplant. Doch dort, wo – wie im Altkreis Kassel – Endkunden bereits Zugriff auf die Internetdienste der Netzbetreiberin Netcom Kassel haben, „stehen bis zu 100 MBit pro Sekunde ab sofort zur Verfügung“, sagt Netcom-Sprecherin Heidi Hamdad. Entsprechende Tarife seien bereits buchbar.

Hinter der Verdopplung der Datenraten steckt die sogenannte Vectoring-Technologie. Bekanntlich verlegt die Breitband Nordhessen schon seit 2016 Glasfaserkabel in den Boden – allerdings immer nur bis zu den Verteilerkästen. Die „letzte Meile“ zum Endkunden bleibt ein altes Kupferkabel.

Es sind genau diese Kupferkabel, die das transportierbare Datenvolumen stark limitieren. Die Kabel arbeiten analog und beeinträchtigen sich untereinander. Es entstehen Störgeräusche, die das Datenvolumen auf maximal 50 MBit pro Sekunde begrenzen. Mithilfe der Vectoring-Technik können diese Störgeräusche kompensiert werden, sodass wieder größere Bandbreiten übertragen werden können.

Breitbandausbau geht weiter

Wie Ralph Jäger, kaufmännischer Geschäftsführer der Netcom Kassel, sagt, war die Vectoring-Technik schon von vornherein eingebaut worden. „Wir waren bereits im Besitz dieser Technik, durften diese aus rechtlichen Gründen aber nicht anwenden“, ergänzt Hamdad. Erst kürzlich sei die Freigabe durch die Bundesnetzagentur sowie die Genehmigung des Bundesministeriums für Verkehr und Digitale Infrastruktur für die Vectoring-Technik erteilt worden.

Indessen geht der Breitbandausbau in Nordhessen weiter. Nach wie vor werden in Teilen der Landkreise Kassel, Werra-Meißner, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg Glasfaserkabel verlegt. Nach Angaben der Breitband Nordhessen wurden bereits 50 von 62 Bauabschnitten mit über 420 Ortsteilen bautechnisch fertiggestellt und an die Netcom Kassel für eine Inbetriebnahme übergeben. Weitere 150 Ortsteile sind noch im Bau oder in Planung für einen Baubeginn bis Herbst 2019. Voraussichtlich bis Ende 2019 sollen alle Tiefbauarbeiten abgeschlossen sein.

In den von der Breitband Nordhessen ausgebauten Ortslagen im Altkreis Kassel – Vollmarshausen (Lohfelden), Wattenbach und Wellerode (Söhrewald), Wahnhausen (Fuldatal), Ober- und Niederkaufungen (Kaufungen), Großenritte (Baunatal), Elgershausen und Hoof (Schauenburg) sowie Nieste – sind die Bauarbeiten seit Herbst 2018 abgeschlossen.

Netcom bekommt Konkurrenz

Bislang ist es allein die Netcom Kassel, die auf dem Netz der Breitband Nordhessen ihre Internetdienste anbietet. Konzipiert ist das Netz jedoch als sogenanntes Open-Access-Netz, das heißt, dass grundsätzlich auch andere Anbieter (Provider) das Glasfasernetz für ihre Angebote und Produkte nutzen dürfen. Tatsächlich steht die Netcom Kassel, die das Netz der Breitband Nordhessen bislang als Monopolist nutzt, derzeit in Verhandlung mit wenigstens einem weiteren Provider. Mit anderen Worten: Die Netcom könnte schon bald Konkurrenz bekommen. Bei den Verhandlungen ginge es zunächst um Zugangspunkte zum Netz der Breitband Nordhessen, sagt Netcom-Sprecherin Heidi Hamdad. Wo genau in Nordhessen und um welchen Provider es sich handelt, will die Netcom aber noch nicht sagen. „Darüber hinaus liegen uns Anfragen weiterer Provider vor“, ergänzt Hamdad.

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