Wehren wollen sensibilisieren

Parkende Autos blockieren oft Feuerwehren im Kreis Kassel

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Wie in der Realität aus: Wie unser Symbolbild zeigt, müssen Brandschützer auf dem Weg zum Einsatz Nadelöhre durchfahren und geraten ins Stocken. Hier lotst Kaufungens Gemeindebrandinspektor Benjamin Tornow seinen Kollegen an einem parkenden Auto in Oberkaufungen vorbei. 

Bei einem Feuerwehreinsatz zählt jede Minute. Doch leider blockieren oft parkende Autos die Zufahrt zum Einsatzort.

Alarm, ein Großbrand, die Feuerwehr ist im Lkw unter Blaulicht auf dem Weg zum Einsatzort. Jetzt zählt jede Minute. Doch plötzlich geht’s nicht weiter. Ein Pkw steht so ungünstig, dass das Feuerwehrfahrzeug nicht zum Einsatzort kommt. Eine Geduldsprobe in einer Stresssituation. 

„Leider passiert es uns immer mal wieder, dass Autofahrer ihre Fahrzeuge nicht so parken, wie man’s in der Fahrschule lernt “, sagt Benjamin Tornow, Gemeindebrandinspektor der Freiwilligen Feuerwehr Kaufungen. „Das ist ein konstantes Problem.“

Feuerwehrzufahrten im schlimmsten Fall zugeparkt

Mal stünden Autos auf beiden Fahrbahnseiten zu dicht beieinander, mal so weit auf der Straße, dass der Abstand zu einer Mauer auf der gegenüberliegenden Seite zu gering ist. „Im schlimmsten Fall sind Feuerwehrzufahrten zugeparkt“, sagt Tornow.

Der Pressesprecher der Feuerwehr, Rudi Viehmann, erläutert: Ob Ernst-Abbe-Schule, Neue Straße und Querstraße oder der Bereich rund um die Niederkaufunger Kommune – „wir bitten drum, an öffentlichen Gebäuden und beim Parken an engen Straßen dran zu denken, dass hier beim Einsatz große Feuerwehr-Lkw durch müssen.“

Nicht ermahnen, sondern sensibilisieren

Tornow, Viehmann und Tim Weißenborn (stellvertretender Gemeindebrandinspektor) betonen: „Wir wollen niemanden ermahnen, sondern sensibilisieren.“ Und loben: Man höre zwar immer wieder, dass die Stimmung gegenüber Feuerwehrleuten und Rettungskräften feindseliger werde. „Das ist bei uns aber nicht der Fall. Die Menschen hier im ländlichen Bereich haben oft Wertschätzung für uns.“ In städtischeren Regionen, die anonymer sind, sehe das mitunter schon ganz anders aus.

Die angesprochene Feindseligkeit hätten die Feuerwehrleute in der Stadt Vellmar dieses Jahr noch nicht erlebt, sagt der stellvertretende Stadtbrandinspektor Thorsten Vogler. „Es gab vor rund einem Jahr einen Vorfall. Ein Familienvater hat Rettungskräfte zweimal ziemlich vehement aufgefordert, ihren Rettungswagen wegzufahren, während sie eine Frau reanimierten“, sagt Vogler.

Thematisieren der Probleme trägt Früchte

Seitdem sei aber nichts Ähnliches passiert. Auch problematischere Vorfälle mit geparkten Autos, die den Weg versperren, hätte es nicht gegeben. Hier setze die Feuerwehr ohnehin auf Prävention. „Mit dem Ordnungsamt fahren wir regelmäßig mit unserer Drehleiter durch Vellmar und prüfen, ob wir überall durchkommen.“ Sei das nicht der Fall, wiesen sie Autofahrer darauf hin. Insgesamt stellt Vogler fest, dass solche Arbeit und ein Thematisieren solcher Probleme in den Medien Früchte trage, „auch in Sachen Rettungsgasse. Darauf achten die Menschen mittlerweile mehr.“

Auch Schauenburgs Chef-Brandschützer spricht ein Lob aus: Manchmal parkten Menschen im Ort unglücklich. „Sie kommen aber sofort, um ihr Auto wegzufahren, wenn wir hupen“, sagt Carsten Borowski. Verzögerungen, Behinderungen oder auch aggressives Verhalten habe er noch nicht erlebt.

Das sagt der Landkreis

Laut Landkreissprecher Andreas Bernhard sind keine konkreten Fälle bekannt, in denen Einsatzkräfte besonders stark behindert wurden. Dennoch nimmt man beim Landkreis eine schlechtere Stimmung gegenüber Rettungskräften wahr, als in den Kommunen: 

„Tendenziell ist festzustellen, dass vor allem unbeteiligte Dritte vermehrt mit Unverständnis auf einsatztaktische Maßnahmen reagieren“, sagt Landkreissprecher Andreas Bernhard. Zu nennen seien beispielsweise Sicherungsaktionen an Einsatzstellen.

Das sagt die Leitstelle in Kassel

„Die Leitstelle Kassel hat die Feuerwehren und Rettungsdienste der Stadt Kassel und des Landkreises Kassel im vergangenen Jahr zu rund 75.000 Alarmfahrten alarmiert“, sagt Stadtsprecher Michael Schwab für die Leitstelle Kassel. Durch zunehmende Verkehrsdichte komme es bei diesen Fahrten insbesondere in den Städten immer häufiger zu Behinderungen bei Einsatzfahrten. 

Problematisch seien vor allem kleine Anliegerstraßen, wo durch falsches Parken ein Durchkommen für Einsatzfahrzeuge nur schwer möglich sei. Die Feuerwehr beobachte, dass Autofahrer teils überfordert seien und an Ort und Stelle stehen blieben, ohne Platz zu machen. 

„Die Behinderungen sind ,normales Tagesgeschäft‘“, sagt Schwab. Eine Steigerung der Behinderungen sei insofern spürbar, als dass immer mehr Fahrzeuge die gleichen Verkehrs- und Parkflächen nutzten. „Zusätzlich kann man feststellen, dass ein Teil der Verkehrsteilnehmer rücksichtsloser geworden ist“, sagt Schwab. „Behinderungen werden nur in Ausnahmefällen beziehungsweise in schweren Fällen dokumentiert“, erläutert Schwab. Zahlen dazu seien nicht vorhanden.

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