Nachfrage größer als Angebot 

Erzeuger kommen kaum hinterher: Regionale Produkte im Landkreis Kassel voll im Trend

+
Der Region verschrieben: Die Landwirte Bärbel und Manfred Opfermann vom Birkenhof Grebenstein – hier an ihrem Stand in der Markthalle Kassel – sind ein gutes Beispiel für regionale Produktion und Vermarktung.

Regio ist das neue Bio, heißt es für viele Verbraucher. Im Landkreis Kassel ist dieses Motto voll im Trend, denn die Erzeuger kommen mit regionalen Produkten kaum hinterher.

"Regio ist das neue Bio: In diesem Satz steckt nicht nur viel Wahrheit. Er überzeugt auch immer mehr Verbraucher“, sagt Lydia Schubert, Leiterin des Fachbereichs Landwirtschaft beim Landkreis Kassel.

Tatsächlich wollen immer mehr Menschen im Landkreis regional erzeugte Produkte kaufen. „Inzwischen ist die Nachfrage sogar größer als die vorhandenen Erzeuger produzieren können.“

Gemüse aus der Bio-Kiste, Obst vom Markthändler, Eier und Nudeln aus dem Hofladen, Ahle Wurst und Hühnerfleisch vom Metzger nebenan, Käse und Milch direkt vom Landwirt – all das wird immer populärer. Und auch Restaurants und Supermarktketten setzen längst auf regionale Angebote.

Kurze Wege zum Verbraucher 

Rund 90 landwirtschaftliche Betriebe gibt es inzwischen im Landkreis Kassel, die ihre erzeugten Produkte selbst vor Ort vermarkten. Egal ob in Bio oder in konventioneller Qualität – all diesen Produkten ist gemein, dass sie nicht erst lange Wege bis zum Verbraucher zurücklegen müssen. 

Allein schon aus diesem Grund sind sie relativ umweltfreundlich. „Hinzu kommt, dass die komplette Wertschöpfung in der Region bleibt, wovon langfristig alle Menschen hier profitieren“, sagt Schubert. Anders gesagt: An einer Tomate, die in Spanien produziert und via Lkw bis nach Deutschland gekarrt wurde, verdient hier kaum jemand etwas. Auch ist eine spanische Tomate bei Weitem nicht so umweltfreundlich, wie die Gewächshaus-Tomate vom Bauern nebenan – selbst dann nicht, wenn die spanische Tomate gemäß EU-Biorichtlinie erzeugt wurde.

Immer mehr Landwirte wagen den Wechsel 

„Genau das macht Regio so interessant“, sagt Schubert. Schon seit 1999 veröffentlicht sie deshalb zusammen mit ihren Kollegen in unregelmäßigen Abständen die Broschüre „Regionale Entdeckungen im Landkreis Kassel – Frische Lebensmittel aus der Region“. Das aktuelle Heft ist knapp 100 Seiten stark und stellt 65 Direktvermarkter, aber auch Märkte, Naturkost- und Bioläden vor. Ferner werden 26 Fleischerei- und Bäckereibetriebe sowie 21 Gaststätten, Restaurants und Cafés präsentiert.

„Regio ist definitiv im Trend“, sagt Schubert. Und auch immer mehr Landwirte wagten inzwischen den Wechsel. „Natürlich ist dieses Geschäftsmodell nach wie vor ein Randphänomen. Von den insgesamt 1200 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis Kassel haben erst 90 auf Direktvermarktung umgesattelt.“ Doch sei der Wechsel vergleichsweise leicht – viel leichter als zum Beispiel die Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Gute Verdienstmöglichkeiten 

„Landwirte, die ihre Direktvermarktung geschickt, qualitätsorientiert und mit vielen guten Ideen aufziehen, müssen auch keinesfalls am Hungertuch nagen“, sagt Schubert. Die Verdienstmöglichkeiten seien gut. Bei vielen gelänge der Wechsel zum Beispiel im Zusammenhang mit einem Generationenwechsel innerhalb eines Betriebs.

„Was allerdings noch immer zu kurz kommt, sind die weiterverarbeitenden Betriebe, die heimische Produkte weiter veredeln“, sagt Schubert. Immer mehr Bäckereien und Metzgereien fänden keine Nachfolger. Auch seien die bürokratischen Hürden außerordentlich hoch, wenn ein Landwirt zum Beispiel eine kleine Käserei oder Schlachterei auf seinem Hof einrichten möchte. „Das sind dann schon enorme Investitionen, die auf einen zukommen“. Unbestreitbar sei aber die wachsende Nachfrage an regionalen Produkten bei den Menschen. „Das Angebot und der Kaufwille sind längst bei einer breiten Bevölkerungsschicht angekommen“, sagt Schubert. „Die Leute sind inzwischen dazu bereit, 20 Cent mehr für ein landwirtschaftliches Produkt auszugeben, wenn sie wissen, dass sie damit der Region einen Gefallen tun.“

Frische Lebensmittel aus dem Landkreis Kassel

Die Broschüre „Regionale Entdeckungen im Landkreis Kassel – Frische Lebensmittel aus der Region“ ist in der aktuellen Ausgabe nur noch schwer zu bekommen. Die Auflage von 7000 Exemplaren ist fast vollständig vergriffen. Jedoch kann die Broschüre hier heruntergeladen werden. Folgende Betriebe – hier nur aus dem Altkreis Kassel und aus Kassel – werden in der Broschüre vorgestellt: 

  • Erzeuger: Genusshof Grün (Ahnatal) Bauernhof Koch (Baunatal) Sonnenhof-Lädchen Hellmuth (Baunatal) Bioland-Hof Eisenach Baunatal) Hof Pfläging (Espenau) Gärtnerei Ullrich (Fuldatal) Jüttes Weidberghof (Fuldatal) Biolandhof Range (Kassel) Hof Birkengrund (Kaufungen) Joachim Gundelach (Lohfelden) Bott Eier (Schauenburg) 
  • Läden: Schmackes-Bioladen (Kassel) Schmanddippen Kirchditmold (Kassel) Biomarkt Greger (Kassel) Naturkostladen Quer Beet (Kassel) Günther‘s Natur Pur (Kaufungen) Kreuder‘s Hofladen (Schauenburg) Imkerei Reiter (Schauenburg) 
  • Restaurants: Weissenstein Biorestaurant (Kassel) 
  • Metzgerei: Biometzgerei Armbröster (Kassel) 
  • Brennerei/Brauerei: Fuldabrücker Landbrauerei Hess (Fuldabrück) Brennerei & Sekt Döhne (Schauenburg).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.