Notfalleinsätze nehmen stark zu

Rettungsdienst im Kreis Kassel gerät an seine Leistungsgrenzen 

Die Anzahl der Einsätze im Rettungsdienstbereich Kassel hat in den Jahren 2016 und 2017 erneut deutlich zugenommen. So stieg die Zahl der Einsätze seit 2015 von 93.427 auf 98.031 Einsätze im Jahr 2017.

Das entspricht einem Zuwachs von 4604 Einsätzen (fast 5 Prozent). Schon im Zeitraum zwischen 2011 bis 2015 war die Anzahl der Einsätze um rund 20 Prozent gestiegen. 

Zum Rettungsdienstbereich Kassel zählen ebenso die Stadt Kassel wie auch der gesamte Landkreis Kassel. Die aktuell erhobenen Zahlen gehen aus einem Bericht des Landkreises Kassel hervor, den die Kreis-FDP eingefordert hatte. Zahlen für das Jahr 2018 liegen noch nicht vor.

Insgesamt erkennt die Kreisverwaltung in dieser Entwicklung „einen bundesweiten Trend bestätigt“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Hauptgrund für die Zuwächse ist grundsätzlich der demografische Wandel. Das heißt: Die Bevölkerung wird zunehmend älter und muss entsprechend häufiger medizinisch versorgt werden.

Hinzu komme, dass nach wie vor oft die 112 statt die 116117 für den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (Arzt-Notdienst) angerufen werde, auch wenn kein medizinischer Notfall vorliege, sagt Kühlborn. Beides zusammen führe schnell zu einer Überlastung der Notfall-Infrastruktur – angefangen von den Fahrzeugen über das Personal bis hin zu den Krankenhäusern. Dort stoße das System längst an Grenzen. „Das ist ein riesiges Problem, vor allem das Krankenhaus-Personal ist am Ende seiner Kräfte“.

Das zusätzliche Aufrüsten zum Beispiel allein mit Fahrzeugen greife deshalb zu kurz. Grund: Es sind die Rahmenbedingungen, die kaum noch Kapazitätszuwächse zulassen. Soll heißen: Selbst wenn mehr Rettungswagen fahren, könnten sie in der Ambulanz nicht abgefertigt werden, weil es dort einfach keine Reserven mehr gibt. Anders gesagt: Es muss an vielen Stellen im Gesamtsystem etwas passieren, um den Rettungsdienst effektiver zu machen.

Umzug des Arztnotdienstes

„Eine Stellschraube ist zum Beispiel der noch für dieses Jahr geplante Umzug des ArztNotdienstes von der Wilhelmshöher Allee in Kassel ins Klinikum Kassel“, sagt Kühlborn. Erreicht werden soll damit, Notrufe hinsichtlich ihres Inhalts zunächst zu bewerten, um dann entsprechend reagieren zu können. „Kommt ein Notruf wegen eines Schlaganfalls, fährt sofort ein Notarzt mit Rettungswagen raus. Kommt dagegen ein Notruf wegen einer Magen-Darm-Grippe, wird der Ärztliche Bereitschaftsdienst aktiviert“, erläutert Kühlborn.

Grundsätzlich werde laufend an der Optimierung des Rettungsdienstes gearbeitet. Das sei obligatorisch und werde auch vom sogenannten Bereichsplan für den Rettungsdienstbereich Kassel vorgegeben. Dabei geht es ebenso um die Anpassung der Ausstattung mit Personal und Rettungsmitteln (Fahrzeuge) wie auch um die Verbesserung der Hilfsfristen. Erst Mitte 2016 war die Fortschreibung des Bereichsplans vom Kreistag erneut beschlossen worden.

Rubriklistenbild: © Marcel Kusch/dpa-Bildfunk

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